Im Autorenporträt: Birgit Hermann veröffentlicht historische Romane mit kriminalistischem Touch und begann ihr Schreiben am „Familienschreibtisch“ zwischen Küche, Flur und Wohnzimmer.

birgit-hermann-1001sw-a1. Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich selbst beim Schreiben zusehen – wo und wie schreiben Sie?

Früher schrieb ich am Familienschreibtisch zwischen Küche, Flur und Wohnzimmer. Da war es ziemlich unruhig, wie man sich vorstellen kann. Mein Glück war und ist, dass ich durch die unterschiedlichen Dienste in der Klinik (Nacht, Wochenende) freie Tage habe, das sind dann meine Schreibtage.
Nun bin ich ins alte Kinderzimmer gezogen. Könnte also auch mal die Tür zu machen. Nur,  jetzt sind die Kinder ausgezogen…
Ich schreibe immer auf dem Laptop, stichwortartig halte ich die unterschiedlichen Szenen und Kapitel auf Papier fest. So kann ich schneller nachsehen, wo ich was schon verraten habe. Jeder Roman hat seinen Ordner, dort sind auch die ganzen Recherchen hinterlegt.

 2. Und wie machen Sie Pause?

Nach drei bis vier Stunden muss ich mich bewegen und den Kopf frei bekommen. Im Haushalt gibt es dafür genügend anderweitige Arbeiten wie Wäsche aufhängen oder Spülmaschine ausräumen. Manchmal gehe ich früh morgens vor dem Schreiben joggen, um die Konzentration zu erhöhen. Im Winter dann halt in der Mittagspause auf die Loipe.
Eine längere Schreibabstinenz versuche ich im Sommer hinzulegen (wenn nicht gerade ein dringendes Lektorat o.ä. ansteht). Zum einen, weil die Urlaubszeit mit Mehrarbeit für die verbliebenen Klinikangestellten verbunden ist, zum anderen, weil ich die fünf Male, an denen man im Hochschwarzwald im See baden kann, nicht verpassen will oder selbst weg bin.

3. Wie ist es zu Ihrer ersten (größeren literarischen) Veröffentlichung gekommen?

Durch die Vermittlung des ehemaligen Regisseurs der Jostäler Freilichtspiele, dem Vater einer Freundin, fand ich zu meinem ersten regionalen Verlag: Schillinger in Freiburg.

4. Woran erkennen Sie einen guten Text?

Ein guter Text sollte gut lesbar, spannend und lebendig rüberkommen. Ich muss das Gefühl haben, mitten im Geschehen zu sein; ich höre das Feuer prasseln, sehe die Funken stieben, kann den Rauch riechen und die Gefahr aus der Dunkelheit in meinem Nacken spüren …

5. Was bestimmt Ihren Alltag – neben dem Schreiben?

Alltag sind Labor, Haushalt und Familie. In der Freizeit bin ich in der Natur unterwegs, egal ob im heimischen Wald, beim Wandern in den Bergen, beim Erkunden alter historischer Gemäuer oder neuen Ländern und Kontinenten. Bleibt dann noch ein ruhiges Stündchen, vertiefe ich mich in spannende Bücher.

 

Birgit Hermann geb. 1962 in Neustadt/ Schwarzwald, heute Titisee-Neustadt. Lebt mit Mann und Kater immer noch dort und arbeitet seit 1992 im Labor der Heliosklinik. Drei erwachsene Kinder, nebst Enkel. Ausbildung zur Gästeführerin im Naturpark Südschwarzwald. Erster Roman 2005 Die Apfelrose; ein lebensfroher Uhrenhändler, ein geschändetes Bauernmädchen, eine geheimnisvolle Kräuterfrau, eine Äbtissin die versucht ihren Konvent zu retten; die Machtstrukturen zur Zeit der napoleonischen Kriege im Hochschwarzwald, 2008 Roman Der Ferman; Mathias Faller, genannt der Orienthändler, sein Leben zwischen der Heimat im Schwarzwald, der Liebe zu einer Zigeunerin, und seiner Ermordung in Konstantinopel, 2012 Geigenholz; Simon Straub, der genialste Geigenbauer seiner Sippe, setzte seinen Instrumenten, nach einem längeren Auslandsaufenthalt Löwenköpfen auf, deren Bedeutung er seiner Familie genauso verschwieg, wie seine Aufenthaltsorte. 2016 Die Glasmacherin; finsterer Wald, düstere Gräber, das Geheimwissen der Glasmacher, ein tiefgründiger, facettenreicher und spannungsgeladener Geschichtskrimi. So steht es im Prospekt von Emons, meinem neuen Verlag.
Weitere Kurzkrimis in den Anthologien BreisGauner, BreisSchauer, GrabSchäufele und Tannenduft und Totenglocken, Mitglied beim Freiburger Krimipreis e.V.
www.birgit-hermann.de