Lesetipp und frisch erschienen: „Diebe, Mörder, Galgenstricke“, die historische Krimianthologie zum Stadtjubiläum, zeichnet kein schmeichelhaftes Bild der Regio – dafür ein umso spannenderes.

 

„Was ist ein Verbrechen?“, fragt Herausgeberin Anne Grießer im Vorwort. Die Antwort ist alles andere als simpel, insbesondere, wenn man in die Vergangenheit zurückgeht. Wer sich der Obrigkeit widersetzte, galt einmal als Landesverräter, der nicht selten am Galgen endete. Im Mittelalter wurde Rufmord schwer bestraft, während Landesfürsten rauben und morden (lassen) durften, ohne dass ihr Ruf litt. Auch im Mikrokosmos Freiburg und Regio ist all das vorgekommen, und noch viel mehr. 24 Autorinnen und Autoren sind der Ausschreibung des „Freiburger Krimipreises“ und des Wellhöfer Verlags gefolgt, haben in Archiven und Bibliotheken geforscht und Kurzkrimis geschrieben, die nicht nur spannend zu lesen sind, sondern auch lehrreich. Nach jeder Story wird kurz über den historischen Hintergrund aufgeklärt.

Nicht nur inhaltlich, auch sprachlich spannt sich ein weiter Bogen, von Mundart-Anklängen (zum Beispiel in Katja Segin, Der gute Geist) über raffiniert moderne Erzählweisen (Anne Grießer, „Von der Kunst, ein Bild zu erschaffen“) bis zu Erzählmelodien, die sich liebevoll an die Sprache vergangener Zeiten anlehnen (wie in Susanne Hartmanns „Errare stupidum est“). Mal wird der Hergang einer Brandstiftung mit Todesfolge gekonnt in teils echten, teils erdichteten Dokumenten nachgezeichnet (Frank Borsch, „Es brennt in mir“), mal zwei reale Geschehnisse zu einer humorvoll-grausigen Fiktion zusammengefügt (Alexa Rudolph, „Im dunklen Tann“). Eine gelungene Geschichtensammlung, in der man auch über das Jubiläumsjahr hinaus gerne stöbert.

Anne Grießer (Hrsg.): Diebe, Mörder, Galgenstricke. Wellhöfer Verlag, 12,95€.

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