François Loeb im Autorenporträt. Der ehemalige Chef eines Traditionskaufhauses fischt mit Gedankennetzen und wird unleidlich, wenn er nicht schreibt.

(c) Mark Baumgarten

Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich selbst beim Schreiben zusehen – wo und wie schreiben Sie?
Mehrheitlich in der Bahn in einem 2.Klasse Wagen sitzend. Meine Gedankennetze auswerfend, als sei ich Berufsfischer. Diese dann an meinen Platz ziehend, die eingefangenen Gedanken meiner Mitmenschen pflückend und direkt in mein iPhone verarbeitend. Sie glauben mir nicht? Nun wenn Menschen aussteigen nehmen Sie die Gedanken wieder mit und mein Schreiben stockt …

Und wie machen Sie Pause?
In der Natur. Beim Wandern in der herrlichen Schwarzwald- und Rhein-Gegend! Unter einem Baum auf der Wiese sitzend und einfach entspannt den Schmetterlingen und Bienen nachschauend.

Wie ist es zu Ihrer ersten (größeren literarischen) Veröffentlichung gekommen?
Als ich beruflich unter großem Druck stand benötigte ich wie ein Dampfkochtopf ein Ventil um Dampf abzulassen! So schrieb ich Fast Read Romane (meine Form der Kürzestgeschichten) und sandte dann einige an die Neue Zürcher Zeitung nach Zürich, die diese sofort annahmen, obwohl ich unter dem Pseudonym B. A.Nauser schrieb und sie Redaktion mich nicht kannte. Mit diesen hat dann der Benteli Verlag mein erstes Buch WEGWERFWELTEN herausgegeben.

Woran erkennen Sie einen guten Text?
Er packt mich und öffnet mir einen kleinen Spalt in die 4.Dimension

Was bestimmt Ihren Alltag – neben dem Schreiben?
Die Natur. Die Familie. Die Gedanken frei fliegen lassen. Doch wenn ich nicht schreibe, werde ich unleidlich und das will ich meiner Umgebung nicht antun!

 

François Loeb, 1940 in Bern geboren und aufgewachsen, hat an der Universität St. Gallen studiert und leitete von 1975 bis 2004 das von seinem Urgroßvater gegründete Traditionskaufhaus LOEB in Bern. Neben seiner Wirtschaftstätigkeit vertrat Loeb von 1987 bis 1999 als einer von 27 Nationalräten den Berner Wahlkreis im Schweizerischen Nationalrat. Seit seinem Rücktritt aus dem Berufsleben 2004 wurde seine Leidenschaft fürs Schreiben zu seiner zweiten Berufung. Den entscheidenden Anstoß für sein literarisches Schaffen gab ein anderer Schweizer Schriftsteller! Bei einem Mittagessen saßen sich Loeb und Friedrich Dürrenmatt zu zweit an einem Tisch gegenüber und beide wechselten während 90 Minuten kein Wort miteinander, blickten sich nur an. Zum Schluss sagte Dürrenmatt endlich: „Sie können aber schweigen!“ Die beiden freundeten sich auf Grund dieser Episode an und Dürrenmatt ermunterte den Jüngeren, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Jetzt kommt er nicht mehr davon los!

 

 

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