Lesetipp: Die “Fünf philosophischen Betrachtungen“ von Werner Leuthner setzen sich mit scheinbar alltäglichen Begriffen auseinander und forschen ihnen historisch nach.
Werner Leuthner, Autor zahlreicher literarischer Erzählungen, hat mit diesem Buch Neuland betreten: Zum ersten Mal geht es um Philosophie. Untersucht werden fünf mehr oder weniger alltägliche Begriffe, die selbstverständlich scheinen, es aber bei näherer Betrachtung nicht sind, nämlich Melancholie, Langeweile, der „autoritäre Charakter“, die Faulheit und das Lachen.
Doch so weit sind das literarische und das philosophische Schreiben vielleicht gar nicht auseinander? Josef Wenning, Gefährte des Autors in einem offensichtlich fruchtbaren Gesprächskreis, betont in seinem Geleitwort die Verwandtschaft dieser Disziplinen. Beide seien „Ausdruck derselben Suche nach einem tieferen Verständnis der menschlichen Existenz“. Auch die Schopenhauer-Zitate, die Leuthner dem Buch voranstellt, sprechen von der Philosophie als Kunst, nicht als Wissenschaft.
So ist ja auch Werner Leuthner kein wissenschaftlich studierter Philosoph. Dennoch: Die nötige Neugier bringt er mit Sicherheit mit. Er forscht den Begriffen (philosophie-)historisch nach, zeigt Zusammenhänge und Widersprüche und gibt – zurückhaltend – auch seine persönliche Einschätzung wieder. Die Melancholie möchte Leuthner zum Beispiel deutlich von der Depression abgegrenzt wissen. Gelungene Streifzüge durch die Jahrhunderte sind das, die gleichzeitig sehr aktuelle Erfahrungen und Erkenntnisse zum Klingen bringen. So wenn Heidegger die Langeweile als „Zeit pur“ anpreist, die man nicht zu schnell wieder vertreiben sollte. Spannend auch der Text über die „Faulheit“, mit „Thesen zum Erlernen von Müßiggang“, die mit Hilfe der neuesten, menschlichen Faulheitsmaschine zusammengestellt wurde, der KI. Wie alle anderen Maschinen wird auch sie wohl nicht wirklich zu einer positiven Form von Müßiggang führen – sondern im Gegenteil zu mehr Stress und Unsicherheit?
Werner Leuthner, Fünf philosophische Betrachtungen. BoD, 2026, 9,90 €.
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