{"id":861,"date":"2016-10-03T09:15:13","date_gmt":"2016-10-03T07:15:13","guid":{"rendered":"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=861"},"modified":"2016-10-03T09:26:43","modified_gmt":"2016-10-03T07:26:43","slug":"861","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=861","title":{"rendered":"Alexa Rudolph im Autorenportr\u00e4t: Die Autorin und Malerin scheut nicht die Erinnerung an den Tod und die M\u00f6glichkeit der Liebe und legt beim Schlachten auch mal selbst Hand an."},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-862\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Alexa-Rudolph-2016-3-169x300.jpg\" alt=\"alexa-rudolph-2016-3\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Alexa-Rudolph-2016-3-169x300.jpg 169w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Alexa-Rudolph-2016-3-768x1365.jpg 768w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Alexa-Rudolph-2016-3-576x1024.jpg 576w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Alexa-Rudolph-2016-3-600x1067.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/p>\n<ol>\n<li><em>Stell dir vor, du k\u00f6nntest dir selbst beim Schreiben zusehen &#8211; wo und wie schreibst du?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich arbeite an einem riesigen, uralten Schreibtisch, den ich von meinem Vater geerbt habe. Mit diesem Trumm bin ich mehrfach umgezogen, wobei es jedes Mal zu einem Platz-Drama kam. Aber jetzt hat er seinen Ort gefunden. Auf seinem dunklen Holz sind noch Zeichen, Striche und Flecken von meinem Vater zu sehen&#8230;, diskrete und sch\u00f6ne Erinnerungen sind das. Manchmal stimmt mich das ein wenig traurig. Dann schaue ich blitzschnell auf die lustigen Familienfotos, die auch auf meinem Schreibtisch ihren Platz haben, und schon geht es mir wieder gut. Familie ist f\u00fcr mich wichtig, die muss ich unbedingt um mich herum haben (zumindest als Fotos) und die sehen mir alle beim Schreiben zu. Aber meistens schaue ich nach innen, denn dort brodelt es. Zurzeit schreibe ich an einem neuen Kriminalroman, und da geht&#8217;s m\u00e4chtig ab. Ich arbeite ausschlie\u00dflich am PC, der keine Spuren im Holz hinterl\u00e4sst, nur meine Computermaus sieht schon ziemlich abgegriffen aus.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><em>Und wie machst du Pause?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich knabbere N\u00fcsse, trinke Tee und renne auf dem Laufband. Dabei versuche ich nicht an meinen aktuellen Text zu denken. Auch wenn ich eine Schreibpause einlege, gehe ich auf gar keinen Fall ans Telefon. Das darf sich dann gerne tot bimmeln.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><em>Wie ist es zu deiner ersten (gr\u00f6\u00dferen literarischen) Ver\u00f6ffentlichung gekommen?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Mein allererstes Buch war ein Band mit <em>Dreizehn ungeh\u00f6rigen Geschichten<\/em>, das vom Freiburger <em>modo<\/em>&#8211;<em>Verlag<\/em> herausgebracht worden ist. Ein wundersch\u00f6nes Buch im Hardcover und als Titelbild eines meiner Gem\u00e4lde, ein durch die Luft springender Hund.<br \/>\n<em>modo<\/em> versteht wirklich etwas von solider Buchdrucker-Kunst, ist aber leider kein Verlag f\u00fcr Belletristik, sondern eher f\u00fcr Malereikataloge. Ich war damals noch so eine Art &#8222;Zwitterwesen&#8220;, aber als schreibende Malerin, oder malende Schreiberin, \u00a0hat sich der Verleger f\u00fcr mich interessiert; so kam das Buch zustande. Es hat sehr gute Besprechungen bekommen. Dann kamen bei unterschiedlichen Verlagen ein Roman und einige Anthologien heraus und seither l\u00e4uft eigentlich alles ganz easy. Als ich im vergangenen Herbst f\u00fcr meinen ersten Kriminalroman \u00a0<em>Das Schweigen der Schweine <\/em>einen passenden Krimi-Verlag gesucht habe, war das \u00fcberhaupt kein Problem. Ich habe mich ein bisschen informiert, wer zu mir passen k\u00f6nnte, habe das Manuskript hingeschickt, zwei Wochen sp\u00e4ter eine Zusage bekommen, fertig.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><em>Woran erkennst du einen guten Text?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>F\u00fcr mich muss er unbedingt eine besondere Sprache haben (auch sorgf\u00e4ltige \u00dcbersetzung, falls er nicht in Deutsch geschrieben wurde). Ich habe gerade &#8222;Meine geniale Freundin&#8220; von Elena Ferrante gelesen, aus dem Italienischen \u00fcbersetzt von Karin Krieger. Das war ein Genuss. Au\u00dferdem sollte ein guter Text auch immer ein geheimnisvoller sein, der mich bis zum Schluss neugierig macht.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><em>Was bestimmt deinen Alltag &#8211; neben dem Schreiben?<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Mein Alltag ist in der Regel gut strukturiert. Als Autorin brauche ich feste Arbeitszeiten, also auch Einkaufen, mich mit Freunden treffen oder Sport machen sind im Tagesablauf verankert. Mein liebster Leseplatz ist ein h\u00e4sslicher, quietsch-gelber Ohrensessel von Ikea, in dem ich auch schon mal die Zeit vergesse. Am liebsten wandere ich jedoch im Gebirge herum, was ich gern viel \u00f6fter tun w\u00fcrde, als mir derzeit m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><strong>Alexa Rudolph<\/strong> ist Autorin und Malerin. Geboren wird sie in Emmendingen, zieht bald darauf mit ihren Eltern nach Wehr, am Fu\u00dfe des Hotzenwaldes in der N\u00e4he zur Schweiz. Heute lebt sie in Freiburg. Nach Studienjahren und Elternzeit ist sie von 1986 bis 2006 als freischaffende Malerin t\u00e4tig. 1992 erh\u00e4lt sie den F\u00f6rderpreis der europ\u00e4ischen Wirtschaft f\u00fcr Malerei. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Ausdrucksm\u00f6glichkeiten in der Kunst, nimmt sie drei Jahre lang Unterricht am Institut f\u00fcr Theaterp\u00e4dagogik, setzt nun minimalistische, urkomische St\u00fcckchen in Szene, zu denen sie ein Drehbuch schreibt und an au\u00dfergew\u00f6hnlichen Orten auff\u00fchrt, dokumentiert von der Videokamera Bodo Kaisers.<\/p>\n<p>Die Erinnerung an den Tod und die M\u00f6glichkeit der Liebe hat Alexa Rudolph nie gescheut, im Gegenteil. Mit gro\u00dfer Neugier schaut sie zum Beispiel beim Schlachten zu und legt auch mal selbst Hand an. Ihre Performance auf dem Freiburger Tierfriedhof wird zu einer kuriosen Feier der Verg\u00e4nglichkeit allen Fleisches.<\/p>\n<p>2006 \u00a0ist das Jahr der Entscheidung. Sie gibt ihr Atelier und das Ausstellen ihrer Bilder auf und widmet sich von da an ausschlie\u00dflich der Literatur. Seither schreibt und publiziert sie Kurzgeschichten, Erz\u00e4hlungen, Kriminalgeschichten und Lyrik. Doch ihre Liebe zur Malerei bleibt und schaut ihr als guter Geist beim Schreiben \u00fcber die Schulter. Man sagt, sie male mit Worten. Alexa Rudolph selbst meint: &#8222;Vielleicht lasse ich bei meinen literarischen Figuren auch einmal einen Maler auftreten &#8211; einen Maler, der T\u00e4ter und Opfer ist, das w\u00fcrde mich reizen.&#8220;<\/p>\n<p>Angeregt zum Schreiben ihres ersten Kriminalromans wurde Alexa Rudolph durch die B\u00fccher der Schriftstellerin Patricia Highsmith, der es gelungen ist, eine Synthese zwischen Roman und Kriminalroman zu vollziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stell dir vor, du k\u00f6nntest dir selbst beim Schreiben zusehen &#8211; wo und wie schreibst du? Ich arbeite an einem riesigen, uralten Schreibtisch, den ich von meinem Vater geerbt habe. 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