{"id":798,"date":"2016-09-16T08:38:43","date_gmt":"2016-09-16T06:38:43","guid":{"rendered":"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=798"},"modified":"2016-09-16T08:43:12","modified_gmt":"2016-09-16T06:43:12","slug":"lesetipp-irrwitz-und-doppelboedigkeit-ueberraschende-bilder-und-ambivalente-charaktere-machen-graham-greenes-unser-mann-in-havanna-heute-noch-lesenswert-ein-klassiker-unter-den-sp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=798","title":{"rendered":"Lesetipp: Irrwitz und Doppelb\u00f6digkeit, \u00fcberraschende Bilder und ambivalente Charaktere machen Graham Greenes \u201eUnser Mann in Havanna\u201c heute noch lesenswert. Ein Klassiker unter den Spionageromanen, der eigentlich keiner ist."},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-800\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Unser-Mann-in-Havanna-Cover-189x300.jpg\" alt=\"unser-mann-in-havanna-cover\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Unser-Mann-in-Havanna-Cover-189x300.jpg 189w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Unser-Mann-in-Havanna-Cover.jpg 314w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/>Vor allem zahllose Filme aus den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren, in deren Abspann er als Drehbuchautor oder Autor der Buchvorlage genannt wird, haben Graham Greene ber\u00fchmt gemacht. Aber lohnt es sich heute, ihn zu lesen? Ein klares Ja! Und zwar auch dann, wenn man, wie ich, weder Krimis noch Spionageromane zu seiner bevorzugten Lekt\u00fcre z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Kuba, kurz vor der Revolution. Held und Antiheld des Romans ist der Engl\u00e4nder James Wormold, der als alleinerziehender Vater einer Siebzehnj\u00e4hrigen in Havanna lebt. Als Staubsaugervertreter verdient er deutlich weniger Geld, als seine Tochter f\u00fcr ihren aufw\u00e4ndigen Lebensstil ausgeben m\u00f6chte. Als der britische Geheimdienst ihm eine lukrative Spionaget\u00e4tigkeit anbietet, kann er nicht wirklich ablehnen \u2013 obwohl er weder Lust aufs Abenteuer noch die n\u00f6tigen Kenntnisse hat. Doch bald schon fordert London Ergebnisse. In seiner Verzweiflung zerlegt er einen Staubsauger, zeichnet einzelne Teile ab, \u00e4ndert den Ma\u00dfstab und gibt das Ganze als komplexe milit\u00e4rische Anlage aus, die er im Urwald entdeckt haben will. Der ger\u00fcchteumwitterte \u201eChef\u201c ist begeistert und l\u00e4sst ihm weitere Gelder und Personal zukommen. Wormold verleitet das zu immer irrwitzigeren L\u00fcgenkonstruktionen \u2026<\/p>\n<p>Ein spannender Spionageroman, der eigentlich keiner ist, sondern eine doppelb\u00f6dige Satire. Immer wieder wird die Macht der Erfindung, der (auch b\u00f6se) Zauber der Fantasie thematisiert. Immer wieder verbl\u00fcffte mich die Kraft und Ungew\u00f6hnlichkeit der Sprachbilder, die scheinbar ganz leicht daherkommen. Die nihilistische Haltlosigkeit der Charaktere, die zwischen Versagen und Heldentum, Schw\u00e4che und St\u00e4rke hin und her geworfen werden, wird nur ein wenig ausgeglichen durch den Glauben an Liebe und Treue, der der Geschichte immerhin ein halbes Happy-End beschert.<\/p>\n<p><em>Graham Greene, Unser Mann in Havanna. dtv, 9,90 \u20ac.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor allem zahllose Filme aus den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren, in deren Abspann er als Drehbuchautor oder Autor der Buchvorlage genannt wird, haben Graham Greene ber\u00fchmt gemacht. Aber lohnt es sich heute, ihn zu lesen? Ein klares Ja! 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