{"id":7187,"date":"2026-03-02T17:17:27","date_gmt":"2026-03-02T16:17:27","guid":{"rendered":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=7187"},"modified":"2026-03-02T17:18:43","modified_gmt":"2026-03-02T16:18:43","slug":"lesetipp-manuela-fuelles-neuer-roman-wir-kommen-nach-fordert-seine-leser-und-belohnt-sie-mit-humorvoller-klugheit-geisterfahrer-auf-dem-weg-ins-jenseits","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=7187","title":{"rendered":"Lesetipp: Manuela Fuelles neuer Roman &#8222;Wir kommen nach&#8220; fordert seine Leser &#8211; und belohnt sie mit humorvoller Klugheit."},"content":{"rendered":"<p><strong>Geisterfahrer auf dem Weg ins Jenseits<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende stellt sich die Erz\u00e4hlerin vor, ausgerechnet mit dem roten Kleinwagen ins Jenseits zu fahren, den sie noch bei der Beerdigung als so st\u00f6rend empfunden hat. Sie reist als \u201eGeisterfahrerin\u201c und nach Absolvierung eines Onlinekurses \u201eGanz einfach transzendente F\u00e4higkeiten erlangen\u201c. Weil sie eine Person umsonst mitnehmen darf, sitzt ausgerechnet Phil neben ihr, der Ehemann, mit dem sie immer wieder so erbittert gestritten hat. Im Himmel aber treffen sie die verstorbene und doch so gegenw\u00e4rtige Heide, die Schwiegermutter beziehungsweise Mutter der beiden Besucher. Sie erz\u00e4hlt. \u201eWir h\u00f6ren und das Geh\u00f6rte geh\u00f6rt uns schon\u201c. Ein besonderer, verr\u00fcckter, poetischer Text, der f\u00fcr dieses Buch \u2013 aber auch f\u00fcr Manuela Fuelles Schreiben \u00fcberhaupt \u2013 typisch ist: emotional und verspielt, assoziativ und komisch, voll H\u00e4rte, ohne billigen Trost.<\/p>\n<p>Neben dem Handlungs-Hauptstrang, der Beerdigung von Heide, berichtet der Roman Szenen aus dem gemeinsamen Leben. Es beginnt, als Phil die Erz\u00e4hlerin mit dem Hinweis auf den Kamin im Elternhaus verf\u00fchrt. Der Generationenunterschied der beiden Frauen \u2013 und bald Freundinnen \u2013 wird vor allem auch im Umgang mit den M\u00e4nnern deutlich: Wenn es um den Willen ihrer S\u00f6hne geht, empfindet die Erz\u00e4hlerin Heide als \u201edevot\u201c und ist hin- und hergerissen, Heides dienende Rolle zu bewundern oder abzulehnen. Die alternde Heide will nicht mehr hadern. Sie will den Rest ihrer Zeit nur noch \u201ein der Gegenwart verbringen\u201c und f\u00fcr die Familie da sein, w\u00e4hrend die Erz\u00e4hlerin noch meint, alles durchdenken, analysieren, l\u00f6sen zu m\u00fcssen. Beide werden aber auch in ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit gezeigt. Nichts ist so eindeutig, wie es scheint.<\/p>\n<p>Der Leser wird gefordert, nicht zuletzt mit einer heftig wuchernden Erz\u00e4hlweise, mit schnellen Assoziationsketten, Br\u00fcchen aller Art, unvollst\u00e4ndigen S\u00e4tzen. Auch in Bezug auf die Inhalte \u2013 Tod, Altern und andere existentielle Fragen \u2013 bleibt uns nichts erspart. Doch wer das nicht als unn\u00f6tige Zumutung empfindet, sondern selbst auf der Suche ist, wer diesen ersch\u00fctterten und ersch\u00fctternden Text quasi als hilflose Lebenshilfe akzeptiert und aush\u00e4lt, wird mit einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen, letztlich sogar leichtf\u00fc\u00dfigen und humorvollen Klugheit belohnt.<\/p>\n<p><em>Manuela Fuelle, Wir kommen nach. Roman. Stifter Verlag 2026, ISBN 978-3-910227-033, 18 \u20ac<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geisterfahrer auf dem Weg ins Jenseits Am Ende stellt sich die Erz\u00e4hlerin vor, ausgerechnet mit dem roten Kleinwagen ins Jenseits zu fahren, den sie noch bei der Beerdigung als so st\u00f6rend empfunden hat. 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