{"id":6287,"date":"2024-10-12T11:56:59","date_gmt":"2024-10-12T09:56:59","guid":{"rendered":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=6287"},"modified":"2024-10-12T11:56:59","modified_gmt":"2024-10-12T09:56:59","slug":"lesetipp-aber-sie-empfand-nichts-mit-die-haut-hat-kein-gedaechtnis-legt-susanne-konrad-ein-buch-vor-das-sich-erzaehlerisch-und-wissenschaftlich-ungewohnten-theme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=6287","title":{"rendered":"Lesetipp: \u201eAber sie empfand nichts\u201c. Mit \u201eDie Haut hat kein Ged\u00e4chtnis\u201c legt Susanne Konrad ein Buch vor, das sich erz\u00e4hlerisch und wissenschaftlich ungewohnten Themen widmet."},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit \u201eDie Haut hat kein Ged\u00e4chtnis\u201c legt Susanne Konrad ein Buch vor, das sich erz\u00e4hlerisch und wissenschaftlich ungewohnten Themen widmet.<br \/>\nEine Neuerscheinung des Verlags <em>DeWinter Waldorf Glass<\/em> zur Frankfurter Buchmesse 2024. <\/strong><\/p>\n<p>Die Psychotherapeutin Caro hat ein Trauma zu bew\u00e4ltigen: Ihre Tochter ist aus einer Vergewaltigung hervorgegangen, weshalb es ihr schwerf\u00e4llt, ihr echte, m\u00fctterliche Liebe entgegenzubringen. \u201eDie Haut hat kein Ged\u00e4chtnis\u201c von Susanne Konrad ist eine ungew\u00f6hnliche und mutige Erz\u00e4hlung, durch den begleitenden Essay als autofiktionale Literatur gekennzeichnet. \u201eSie dachte, wenn ich mein Kind anschaue, dann muss eigentlich eine Gef\u00fchlswoge in mir aufwallen. Aber sie empfand nichts.\u201c Feinf\u00fchlig folgt die Autorin den Ver\u00e4stelungen eines nicht vorhandenen Gef\u00fchls, das sich nach und nach doch entwickeln kann, weil die Herausforderungen angenommen werden und ein Reservoir an Liebe vorhanden ist. Eine spannende Geschichte, der man immer wieder gerne folgt.<\/p>\n<p>Neben dieser inneren und \u00e4u\u00dferen Auseinandersetzung mit einer besonderen Mutterschaft erz\u00e4hlt Konrad aber noch viel mehr &#8211; fast eine ganze Lebensgeschichte. Es geht um die Liebe zu Thies, einem deutlich \u00e4lteren Mann, um die Schwere von Alter und Krankheit, die \u00dcberforderung der Protagonistin, als ihre Eltern pflegebed\u00fcrftig werden und sie gleichzeitig Gro\u00dfmutter wird. Erstaunlich genug, dass es der Autorin gelingt, all das immer wieder sinnlich und spontan zu schildern \u2013 so wenn Caro endlich, bei einer Abitursauff\u00fchrung ihrer gesangsbegabten Tochter, zum ersten Mal den f\u00fcr andere Eltern so selbstverst\u00e4ndlichen, tiefen Stolz erleben kann.<\/p>\n<p>Auch ihre Liebe zu dem bald schon schwerkranken Thies wird immer wieder sensibel und glaubhaft ausgedr\u00fcckt. \u201eSie sp\u00fcrte seinen Verlust, als h\u00e4tte sich dieser bereits ereignet\u201c, hei\u00dft es dazu schon in der Rahmenerz\u00e4hlung. Insgesamt waren es aber vielleicht doch zu viele gro\u00dfe Lebensfragen, denen sich die Autorin auf einmal widmen wollte, denn hier und da wurde mir zu viel erkl\u00e4rt und analysiert, zu wenig erz\u00e4hlt, so, wenn es um Jenny Rieger, eine der Patientinnen von Caro geht. Nach einem f\u00fcr meinen Geschmack allzu harmonischen Zusammensein von Mutter und Tochter klingt die Erz\u00e4hlung noch einmal mit einer wunderbar dicht und \u00fcberzeugend geschriebenen Szene zwischen Caro und Thies aus.<\/p>\n<p>Auf die Erz\u00e4hlung folgt ein Essay: \u201eAutofiktionales Schreiben als Schl\u00fcssel zur seelischen Gesundheit\u201c zeichnet diese \u2013 noch relativ neue \u2013 Thematik als Forschungsgegenstand nach und gibt auch konkrete Anleitungen zum Schreiben. Als wissenschaftlich entw\u00f6hnte Leserin habe ich die ersten Abschnitte als zu ausf\u00fchrlich empfunden. Es lohnt sich aber, durchzuhalten: Wenn es um die Erz\u00e4hlung der Verlegerin Helene Wolff geht \u2013 und um die Schlussfolgerungen daraus \u2013 wird es noch einmal richtig spannend. Auch die speziellen Voraussetzungen, Gef\u00e4hrdungen und Chancen psychisch belasteter Autoren werden kenntnisreich und \u00fcberzeugend dargestellt. Ein Buch mit doppeltem N\u00e4hrwert f\u00fcr die Seele, essayistisch und erz\u00e4hlerisch.<\/p>\n<p><em>Susanne Konrad, Die Haut hat kein Ged\u00e4chtnis. Erz\u00e4hlung mit einem Essay zum autofiktionalen Schreiben. DeWinter Waldorf Glass, Frankfurt a.M., 12 \u20ac.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Mit \u201eDie Haut hat kein Ged\u00e4chtnis\u201c legt Susanne Konrad ein Buch vor, das sich erz\u00e4hlerisch und wissenschaftlich ungewohnten Themen widmet. Eine Neuerscheinung des Verlags DeWinter Waldorf Glass zur Frankfurter Buchmesse 2024. 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