{"id":3580,"date":"2019-09-18T14:15:38","date_gmt":"2019-09-18T12:15:38","guid":{"rendered":"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=3580"},"modified":"2019-09-18T14:15:38","modified_gmt":"2019-09-18T12:15:38","slug":"autorenportraet-joachim-zelter-er-schreibt-auf-dem-rennrad-wartete-lange-auf-seine-erste-groessere-veroeffentlichung-und-meint-ein-guter-text-will-nicht-unbedingt-gut-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=3580","title":{"rendered":"Autorenportr\u00e4t Joachim Zelter: Er schreibt auf dem Rennrad, wartete lange auf seine erste gr\u00f6\u00dfere Ver\u00f6ffentlichung und meint: Ein guter Text will nicht unbedingt &#8222;gut&#8220; sein."},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_3582\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Joachim-Zelter-Autorenfoto.37.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3582\" class=\"size-medium wp-image-3582\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Joachim-Zelter-Autorenfoto.37-300x193.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Joachim-Zelter-Autorenfoto.37-300x193.jpg 300w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Joachim-Zelter-Autorenfoto.37-768x493.jpg 768w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Joachim-Zelter-Autorenfoto.37-1024x658.jpg 1024w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Joachim-Zelter-Autorenfoto.37-600x385.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3582\" class=\"wp-caption-text\"><em>Bild: Yvonne Berardi<\/em><\/p><\/div>\n<p><em>Stellen Sie sich vor, Sie k\u00f6nnten sich selbst beim Schreiben zusehen \u2013 wo und wie schreiben Sie?<\/em><\/p>\n<p>Ich schreibe in meinem Kopf, in aufzuckenden Gedanken und Ahnungen, und stelle mir vor, wie das Geschriebene, wenn alles gutgeht, irgendwann einmal sein k\u00f6nnte. Oft schreibe ich auf meinem Rennrad. Es ist f\u00fcr mich ein rollender Schreibtisch, unter freiem Himmel, umgeben von vorbeiziehenden Landschaften. An den steilsten Anstiegen (oder Abfahrten) \u00fcberschlagen sich die Gedanken. Erst ganz zum Schluss sitze ich dann in meiner Wohnung an einem gew\u00f6hnlichen Schreibtisch und schreibe das Geschriebene an meinem PC nieder.<\/p>\n<p><em>Und wie machen Sie Pause?<\/em><\/p>\n<p>Es gibt kaum Pausen.<\/p>\n<p><em>Wie ist es zu Ihrer ersten (gr\u00f6\u00dferen literarischen) Ver\u00f6ffentlichung gekommen?<\/em><\/p>\n<p>Das waren die \u201eBriefe aus Amerika\u201c, mein erster Roman, f\u00fcr den ich weit und breit keinen Verlag fand, trotz endloser Bem\u00fchungen. Mein erster Verleger, Sergiu Stefanescu, h\u00f6rte von meiner erfolglosen Suche und dachte sich: Ein derart abgelehnter Autor muss entweder au\u00dfergew\u00f6hnlich schlecht oder au\u00dfergew\u00f6hnlich gut schreiben. Nach Lekt\u00fcre des Manuskripts entschied er sich f\u00fcr die zweite Variante, gr\u00fcndete den Ithaka Verlag (in Stuttgart) und ver\u00f6ffentlichte den Roman. Das war vor mehr als 20 Jahren, im Jahr 1998.<\/p>\n<p><em>Woran erkennen Sie einen guten Text?<\/em><\/p>\n<p>An dem Sog, dem unverwechselbaren Ton, der Wesensart eines Schreibenden \u2013 oder besser noch: Sprechenden. Als w\u00fcrde ein Text zu mir sprechen. Peter Weiss nennt es die Glut einer inneren \u00dcberzeugung. Ein \u201eguter\u201c Text will nicht unbedingt \u201egut\u201c sein. Im Gegenteil: Er nimmt seine Grenzen und Abgr\u00fcnde in Kauf. In den Worten Heinrich B\u00f6lls: \u201eMan h\u00f6rt nicht dadurch, dass man etwas Schlechtes macht, auf, ein K\u00fcnstler zu sein, sondern in dem Augenblick, in dem man anf\u00e4ngt, alle Risiken zu scheuen.\u201c<\/p>\n<p><em>Was bestimmt Ihren Alltag \u2013 neben dem Schreiben?<\/em><\/p>\n<p>Es ist die Einsamkeit des Schreibenden, der selbst dann einsam ist und einsam bleibt, wenn er nicht schreibt.<\/p>\n<p><strong>Joachim Zelter<\/strong>, in Freiburg geboren, studierte und lehrte Literatur in T\u00fcbingen und Yale. Seit 1997 ist er freier Schriftsteller. Autor zahlreicher Romane, u.a. \u00bbDie W\u00fcrde des L\u00fcgens\u00ab (2000), \u00bbSchule der Arbeitslosen\u00ab (2006) und \u00bbDer Ministerpr\u00e4sident\u00ab (2010), der f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Zuletzt erschien \u00bbIm Feld\u00ab (2018), das mittlerweile in der dritten Auflage vorliegt. Seine Romane waren mehrfach auf der SWR-Bestenliste und wurden ins Franz\u00f6sische, Italienische, T\u00fcrkische und in andere Sprachen \u00fcbersetzt. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen: u.a. das Landesstipendium Baden-W\u00fcrttemberg, das Esslinger Bahnw\u00e4rterstipendium, das gro\u00dfe Stipendium der Kunststiftung Baden-W\u00fcrttemberg, die F\u00f6rdergarbe der internationalen Bodenseekonferenz, der Thadd\u00e4us-Troll-Preis sowie 2019 der Preis der LiteraTour Nord. \u00dcberdies H\u00f6rspiele und Theaterst\u00fccke, die an deutschen und \u00f6sterreichischen B\u00fchnen gespielt werden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.joachimzelter.de\">www.joachimzelter.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Sie k\u00f6nnten sich selbst beim Schreiben zusehen \u2013 wo und wie schreiben Sie? 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