{"id":2097,"date":"2017-12-05T16:59:30","date_gmt":"2017-12-05T15:59:30","guid":{"rendered":"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=2097"},"modified":"2017-12-05T17:03:38","modified_gmt":"2017-12-05T16:03:38","slug":"ulrich-land-im-autorenportraet-er-geniesst-es-wenn-die-tinte-fliesst-und-bietet-seinen-neuen-krimi-als-work-in-progress-im-web-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=2097","title":{"rendered":"Ulrich Land im Autorenportr\u00e4t: Er genie\u00dft es, wenn die Tinte flie\u00dft und bietet seinen neuen Krimi als Work in Progress im Web an."},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2099\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/UlrichLand2Joschi-von-Scherenberg-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/UlrichLand2Joschi-von-Scherenberg-199x300.jpg 199w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/UlrichLand2Joschi-von-Scherenberg-768x1156.jpg 768w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/UlrichLand2Joschi-von-Scherenberg-681x1024.jpg 681w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/UlrichLand2Joschi-von-Scherenberg-600x903.jpg 600w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/UlrichLand2Joschi-von-Scherenberg.jpg 981w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/>Stellen Sie sich vor, Sie k\u00f6nnten sich selbst beim Schreiben zusehen \u2013 wo und wie schreiben Sie?<\/em><\/p>\n<p class=\"ox-967739bd4f-MsoNormal\">Ich schreibe leidenschaftlich. Schreibe \u00fcberall. Von Hand. Old School. Je literarischer die Texte, desto mehr. Zuhause mit F\u00fcller, unterwegs \u2013 zugegeben \u2013 mit einem profanen Kuli. Selten mit Bleistift, sehr selten, ist mir irgendwie zu unverbindlich. Und wenn denn doch, dann 3B-H\u00e4rtegrad. Oder Weichegrad, besser gesagt. Andre Bleistifte, finde ich, kratzen. W\u00fcrde in Sachen Kr\u00e4tze zwar passen, aber grunds\u00e4tzlich finde ich, Schreiben muss flie\u00dfen. Gut, wenn&#8217;s gut flutscht. Weich wie Butter. Echter Warmduscher eben. Deshalb auch Kulis mit m\u00f6glichst breiter Kugel, F\u00fcller mit weicher Feder. Abgesehn vom guten alten Kolbenf\u00fcller (Marke egal) am liebsten diese Billigkulis, ex und hopp, transparent und (wegen der Plastikverschwendung nat\u00fcrlich) political un-correct, mit farbigem Spitzhut einerseits und gleichfarbigem Stopfen andererseits. Gibt nichts Sch\u00f6neres, als auf dem Balkon zu sitzen oder auf einem s-pitzen S-teine an murmelndem B\u00e4chelein oder vis-\u00e0-vis einer hundebepinkelten Fabrikmauer und zuzusehn, wie der Tintenspiegel in seinem R\u00f6hrchen sinkt. Und sinkt. Wie die Tinte aufs Papier flie\u00dft.<br \/>\nSch\u00f6n w\u00e4r&#8217;s. Ist es auch meistens. Logo, nicht immer. Gibt Situationen, Szenen, Kapitel, wo&#8217;s sprudelt, wo ich nicht so schnell schreiben kann, wie&#8217;s mir in den Sinn kommt und aus dem Kopf f\u00e4llt. Gibt aber nat\u00fcrlich auch Phasen, wo&#8217;s klemmt, wo&#8217;s z\u00e4h ist. Hinl\u00e4nglich bekannt, hinl\u00e4nglich beklagt, hinl\u00e4nglich belamentiert. Burn-Out, leergeschrieben: klappern mit den Problemen des Handwerks.<br \/>\nMich interessieren \u2013 naturgem\u00e4\u00df \u2013 eher die Arien, wo&#8217;s so richtig l\u00e4uft, geschmeidig und locker vom Balkonhocker. Die Tinte, die Spannung, die Stimmung, die Dialoge. Wenn ich mich da richtig beobachte, sind die Passagen, wo besagter Tintenspiegel besonders wacker f\u00e4llt, vor allem solche, wo&#8217;s um Dem\u00fctigungen geht. Die Bustier-Szene mit Senator Nabokov in &#8222;Lolitas sp\u00e4ter Rache&#8220;, der Biertischtanz der kleinen Ursula in &#8222;Michel B.&#8220;, das Anbiedern der schottischen Lady Jane Blankfield beim &#8222;Messerwetzen im Team Shakespeare&#8220;. Ich glaub, in jedem meiner B\u00fccher gibt&#8217;s solche Passagen. Die schreiben sich weg wie warme Semmeln.<\/p>\n<p><em>Und wie machen Sie Pause?<br \/>\n<\/em><br \/>\nWenn ich ehrlich bin: viel zu selten. Am ehesten, wenn ich mit den Kinder schwimmen gehe. Oder wenn ich bei einem Fu\u00dfballspiel in der Glotze einpenne. Selten, viel zu selten Kino, Radioh\u00f6ren, Theater. Vor ein paar Jahren, als ich noch in meiner Land-WG am S\u00fcdrand des Ruhrgebiets lebte, waren es die Esel, Ziegen, H\u00fchner, die mich rausrissen und zur\u00fcckholten auf den Boden der Tastsachen. Aber jetzt in meiner Freiburger Wirklichkeit geb\u00fchrt dieser Dank vor allem meiner gro\u00dfen Tochter und den beiden kleineren.<\/p>\n<p><em>Wie ist es zu Ihrer ersten (gr\u00f6\u00dferen literarischen) Ver\u00f6ffentlichung gekommen?<\/em><\/p>\n<p>Die erste fette Radiosendung hab ich einem Klassenkameraden meines Vaters zu verdanken, Ernst M\u00f6mkes. Vor dem Mann ziehe ich echt den Hut. Eingefleischt konservativ, aber immer offen. Lie\u00df problemlos auch andere Meinungen gelten. Hat als WDR-H\u00f6rspiel-Dramaturg und -Redakteur nie inhaltlich oder ideologisch in meinen Texten rumgefuhrwerkt. Lie\u00df mich machen mit meinen kruden bis bekloppten Ideen im Kopf. Und gab mir eben meine erste Chance, als er sagte, er habe hier einen dicken Stapel Material f\u00fcr ein Ortsportr\u00e4t des St\u00e4dtchens Rheinberg am Niederrhein, aber keinen Autor. Ob ich Lust h\u00e4tte, ein zweist\u00fcndiges Zwischending aus Radiofeature und H\u00f6rspiel \u00fcber dieses verschlafene Nest zu fabrizieren. Ich hatte. Und hatte, schwupps, den Fu\u00df zwischen der T\u00fcr.<\/p>\n<p><em>Woran erkennen Sie einen guten Text?<\/em><\/p>\n<p>Daran, dass er mich &#8211; im Wortsinn &#8211; anspricht. Ich lasse mich f\u00fcr mein Leben gern \u00fcberraschen. Nichts Sch\u00f6neres, als nach dem letzten Satz eines Textes vor mich hin zu murmeln: Das h\u00e4tt ich jetzt nicht gedacht.<\/p>\n<p><em>Was bestimmt Ihren Alltag \u2013 neben dem Schreiben?<\/em><\/p>\n<p>Das Family-Life, das ich in vollen, in vollsten Z\u00fcgen genie\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Ulrich Land<\/strong> wurde 1956 in K\u00f6ln geboren. Freier Autor seit 1987. Er lebt und schreibt in Freiburg.<br \/>\nRomane: &#8222;Der Letzte macht das Licht aus&#8220; (M\u00fcnster, 2008), &#8222;Einst\u00fcrzende Gedankeng\u00e4nge&#8220; (2010), &#8222;Und die Titanic f\u00e4hrt doch&#8220; (2011), &#8222;Krupps Katastrophe&#8220; (2013), &#8222;Messerwetzen im Team Shakespeare&#8220; (2014), &#8222;Lolitas sp\u00e4te Rache&#8220; (M\u00fcnster, 2016), &#8222;Michel B. verzettelt sich&#8220; (Hillesheim, 2016).<br \/>\nDar\u00fcber hinaus Lyrik, Prosa, Essays, \u00fcber 40\u00a0H\u00f6rspiele und fast 100 Radiofeatures. Herausgeber von Anthologien und von Literaturzeitschriften.<br \/>\nDozent f\u00fcr &#8222;creative writing&#8220; u. a. an der Uni Witten\/Herdecke.<br \/>\nMehrere Auszeichnungen: u.a. K\u00f6lner Medienpreis, Ruhrgebietsjournalistenpreis; mehrfach H\u00f6rspiel-Stipendien der Filmstiftung NRW und des nordrhein-westf\u00e4lischen Kulturministeriums<\/p>\n<p>Auf der Website <a class=\"ox-967739bd4f-moz-txt-link-freetext\" href=\"http:\/\/kraetze-krimi.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/kraetze-krimi.de<\/a> kann man online meinen n\u00e4chsten Roman &#8211; <strong>KR\u00c4TZE,<\/strong> einen Krimi als Familiendrama zwischen Finnland und deutschen Landen &#8211; als Work in Progress begutachten. Kann also einen Blick durch den T\u00fcrspalt der Romanwerkstatt werfen und Episode f\u00fcr Episode &#8211; wie in fr\u00fcheren Zeiten einen Fortsetzungsroman in der Tageszeitung &#8211; lesen bzw. runterladen. Und am Ende wird es denn doch auch ein Buch in gedruckter Form geben.<br \/>\nDabei geht es um einen gewissen Felix, Spross aus reichem Fabrikantenhause, der sich in ein einsames finnisches Blockhaus zur\u00fcckzieht. Kaum dort angekommen, muss er aber feststellen, dass er via Interpol als Entf\u00fchrer seines Gro\u00dfonkels gesucht wird. Alles Unsinn, da ist er sich vollkommen sicher \u2013 bis pl\u00f6tzlich besagter Gro\u00dfonkel vor ihm steht \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Sie k\u00f6nnten sich selbst beim Schreiben zusehen \u2013 wo und wie schreiben Sie? Ich schreibe leidenschaftlich. Schreibe \u00fcberall. Von Hand. Old School. Je literarischer die Texte, desto mehr. 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