{"id":1825,"date":"2017-08-24T17:26:04","date_gmt":"2017-08-24T15:26:04","guid":{"rendered":"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=1825"},"modified":"2017-08-24T17:29:40","modified_gmt":"2017-08-24T15:29:40","slug":"iris-wolff-im-autorenportraet-sie-versucht-pausen-zu-vermeiden-und-hoert-an-einer-guten-stelle-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?p=1825","title":{"rendered":"Iris Wolff im Autorenportr\u00e4t. Sie versucht, Pausen zu vermeiden und h\u00f6rt an einer guten Stelle auf."},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1827\" style=\"width: 211px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1827\" class=\"size-medium wp-image-1827\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/WolffIris-kl-_Wiemann-Stine-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/WolffIris-kl-_Wiemann-Stine-201x300.jpg 201w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/WolffIris-kl-_Wiemann-Stine-768x1147.jpg 768w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/WolffIris-kl-_Wiemann-Stine-685x1024.jpg 685w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/WolffIris-kl-_Wiemann-Stine-600x896.jpg 600w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/WolffIris-kl-_Wiemann-Stine.jpg 1296w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><p id=\"caption-attachment-1827\" class=\"wp-caption-text\">(c) Stine Wiemann<\/p><\/div>\n<p><em>1. Stellen Sie sich vor, Sie k\u00f6nnten sich selbst beim Schreiben zusehen \u2013 wo und wie schreiben Sie?<br \/>\n<\/em>Ich stehe um acht Uhr auf, koche Tee und fahre den Rechner hoch. Ich brauche die Leere am Morgen, das Unbestimmte, noch in keine Richtung gedr\u00e4ngte Gef\u00fchl, einen unbeschriebenen Tag. Ich versuche an einer guten Stelle aufzuh\u00f6ren, so dass ich tags darauf nicht vor einem unl\u00f6sbaren Knoten sitze, sondern leicht wieder ins Schreiben hinein komme. Meist schreibe ich vier Stunden am Tag und das nat\u00fcrlich nur an freien Tagen. Aber auch wenn es nur eine Stunde ist, so brauche ich das Gef\u00fchl von Kontinuit\u00e4t.<br \/>\n<em><br \/>\n<\/em><em>2. Und wie machen Sie Pause?<\/em><br \/>\nWenn ich merke, dass der Fortgang der Handlung stockt, \u00fcberarbeite ich bereits geschriebene Stellen. Versuche, einer Szene mehr Details, mehr Tiefe, mehr Atmosph\u00e4re zu geben, suche nach passenderen W\u00f6rtern, einem bestimmten Klang. Und wenn ich partout merke, dass die Arbeit auch hier nicht voran geht, widme ich mich der Recherche. &#8211; Pausen an sich, versuche ich zu vermeiden. Wenn ich anfange, mich etwas anderem zu widmen, komme ich meist nicht mehr in den Schreibprozess hinein. \u00dcberall lauern Dinge, die getan werden m\u00fcssen und einem einreden, dass es Sch\u00f6neres und Dringlicheres gibt, als geduldig am Schreibtisch zu sitzen \ud83d\ude42<\/p>\n<p><em>3. Wie ist es zu Ihrer ersten (gr\u00f6\u00dferen literarischen) Ver\u00f6ffentlichung gekommen?<br \/>\n<\/em>An meinem ersten Roman habe ich f\u00fcnf Jahre geschrieben. Nach dem Zusenden einer Leseprobe und einem Expos\u00e9 sowie einer erneuten \u00dcberarbeitung (vor allem K\u00fcrzung!), die ein weiteres Jahr in Anspruch genommen hat, hat der Otto M\u00fcller Verlag in Salzburg &#8222;Halber Stein&#8220; 2012 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><em>4. Woran erkennen Sie einen guten Text?<br \/>\n<\/em>Ich geh\u00f6re zu den Autorinnen, die sich vorher keinen Plan f\u00fcr einen Text machen. Jede Geschichte f\u00e4ngt mit einem Bild an und der Entscheidung, es festzuhalten. Ich schreibe chronologisch, gehe jedoch immer wieder zur\u00fcck zu einzelnen Szenen, die Figuren erhalten so nach und nach ihre Tiefe. Es ist, als lerne ich sie im Laufe des Schreibens kennen. Wenn mich meine Figuren \u00fcberraschen, wenn sie irgendwann ihre Geschichte mitbestimmen, dann ist es ein guter Text.<br \/>\n<em><br \/>\n<\/em><em>5. Was bestimmt Ihren Alltag \u2013 neben dem Schreiben?<br \/>\n<\/em>Der Wunsch, m\u00f6glichst viele Erfahrungen zu machen, etwas von der Welt zu sehen, mit Menschen in Kontakt zu sein &#8211; als nat\u00fcrliche Gegenbewegung zur Arbeit an der Plausibilit\u00e4t einer erfundenen Welt.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Times New Roman,Times,serif;\">Iris Wolff, <\/span><\/strong><span style=\"font-family: Times New Roman,Times,serif;\">geboren 1977 in Hermannstadt\/Siebenb\u00fcrgen. Studium der Germanistik, Religionswissenschaft und Grafik &amp; Malerei in Marburg an der Lahn. <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,Times,serif;\">Langj\u00e4hrige Mitarbeiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, 2013 Stipendiatin der Kunststiftung Baden-W\u00fcrttemberg. Neben dem Schreiben <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,Times,serif;\">ist sie am Kulturamt der Stadt Freiburg im Breisgau t\u00e4tig. Ihr erster Roman <em>Halber Stein<\/em> erhielt den <em>Ernst-Habermann-Preis<\/em> 2014. Im Fr\u00fchjahr ist ihr drittes Buch &#8222;So tun, als ob es regnet &#8211; Roman in vier Erz\u00e4hlungen&#8220; im Otto M\u00fcller Verlag erschienen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Stellen Sie sich vor, Sie k\u00f6nnten sich selbst beim Schreiben zusehen \u2013 wo und wie schreiben Sie? Ich stehe um acht Uhr auf, koche Tee und fahre den Rechner hoch. 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