{"id":21,"date":"2016-03-16T08:42:42","date_gmt":"2016-03-16T07:42:42","guid":{"rendered":"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?page_id=21"},"modified":"2026-03-02T17:21:31","modified_gmt":"2026-03-02T16:21:31","slug":"lesen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?page_id=21","title":{"rendered":"Lesen &#038; Schreiben"},"content":{"rendered":"<h4><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-138 alignleft\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Lesung-Zuerich7-300x225.jpg\" alt=\"Lesung-Zuerich7\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Lesung-Zuerich7-300x225.jpg 300w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Lesung-Zuerich7-768x577.jpg 768w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Lesung-Zuerich7.jpg 855w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Schreiben Sie uns:<\/h4>\n<h3><strong>Neuerscheinungen, Lesetipps, Lieblingsb\u00fccher &#8230;<br \/><\/strong><\/h3>\n<p>Wir freuen uns \u00fcber kurze Texte oder Verlagshinweise, wenn Sie <strong>Neuerscheinungen<\/strong> anzuk\u00fcndigen haben.<\/p>\n<p>Auch weniger aktuelle <strong>Lesetipps zu B\u00fcchern von Autorinnen oder Autoren aus der Region <\/strong>sind willkommen. Bitte keine Sachb\u00fccher au\u00dfer zum literarischen Schreiben.\u00a0 An die AutorInnen: Bitte nicht selbst schreiben.<\/p>\n<p>Unter dem Stichwort <strong>Lieblingsbuch <\/strong>d\u00fcrfen Sie schw\u00e4rmen: Welches Buch aus dem Bereich Belletristik (auch ohne regionalen Bezug) hat Sie besonders beeindruckt oder bezaubert?<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Texte gilt: maximal 2000 Anschl\u00e4ge inkl. LZ. Wir behalten uns eine \u00dcberarbeitung vor. Ihre Texte werden auf der Startseite unter &#8222;letzte Beitr\u00e4ge&#8220; aktuell angeteasert.<\/p>\n<p>Bitte schicken an:\u00a0 <a href=\"mailto:redaktion@freiburger-schreibkiste.de\">redaktion@freiburger-schreibkiste.de<\/a>.<\/p>\n<hr \/>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Sylvia Schmieder: Manuela Fuelles neuer Roman \u201eWir kommen nach\u201c fordert seine Leser \u2013 und belohnt sie mit humorvoller Klugheit.<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><strong>Geisterfahrer auf dem Weg ins Jenseits<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende stellt sich die Erz\u00e4hlerin vor, ausgerechnet mit dem roten Kleinwagen ins Jenseits zu fahren, den sie noch bei der Beerdigung als so st\u00f6rend empfunden hat. Sie reist als \u201eGeisterfahrerin\u201c und nach Absolvierung eines Onlinekurses \u201eGanz einfach transzendente F\u00e4higkeiten erlangen\u201c. Weil sie eine Person umsonst mitnehmen darf, sitzt ausgerechnet Phil neben ihr, der Ehemann, mit dem sie immer wieder so erbittert gestritten hat. Im Himmel aber treffen sie die verstorbene und doch so gegenw\u00e4rtige Heide, die Schwiegermutter beziehungsweise Mutter der beiden Besucher. Sie erz\u00e4hlt. \u201eWir h\u00f6ren und das Geh\u00f6rte geh\u00f6rt uns schon\u201c. Ein besonderer, verr\u00fcckter, poetischer Text, der f\u00fcr dieses Buch \u2013 aber auch f\u00fcr Manuela Fuelles Schreiben \u00fcberhaupt \u2013 typisch ist: emotional und verspielt, assoziativ und komisch, voll H\u00e4rte, ohne billigen Trost.<\/p>\n<p>Neben dem Handlungs-Hauptstrang, der Beerdigung von Heide, berichtet der Roman Szenen aus dem gemeinsamen Leben. Es beginnt, als Phil die Erz\u00e4hlerin mit dem Hinweis auf den Kamin im Elternhaus verf\u00fchrt. Der Generationenunterschied der beiden Frauen \u2013 und bald Freundinnen \u2013 wird vor allem auch im Umgang mit den M\u00e4nnern deutlich: Wenn es um den Willen ihrer S\u00f6hne geht, empfindet die Erz\u00e4hlerin Heide als \u201edevot\u201c und ist hin- und hergerissen, Heides dienende Rolle zu bewundern oder abzulehnen. Die alternde Heide will nicht mehr hadern. Sie will den Rest ihrer Zeit nur noch \u201ein der Gegenwart verbringen\u201c und f\u00fcr die Familie da sein, w\u00e4hrend die Erz\u00e4hlerin noch meint, alles durchdenken, analysieren, l\u00f6sen zu m\u00fcssen. Beide werden aber auch in ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit gezeigt. Nichts ist so eindeutig, wie es scheint.<\/p>\n<p>Der Leser wird gefordert, nicht zuletzt mit einer heftig wuchernden Erz\u00e4hlweise, mit schnellen Assoziationsketten, Br\u00fcchen aller Art, unvollst\u00e4ndigen S\u00e4tzen. Auch in Bezug auf die Inhalte \u2013 Tod, Altern und andere existentielle Fragen \u2013 bleibt uns nichts erspart. Doch wer das nicht als unn\u00f6tige Zumutung empfindet, sondern selbst auf der Suche ist, wer diesen ersch\u00fctterten und ersch\u00fctternden Text quasi als hilflose Lebenshilfe akzeptiert und aush\u00e4lt, wird mit einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen, letztlich sogar leichtf\u00fc\u00dfigen und humorvollen Klugheit belohnt.<\/p>\n<p><em>Manuela Fuelle, Wir kommen nach. Roman. Stifter Verlag 2026, ISBN 978-3-910227-033, 18 \u20ac<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Sylvia Schmieder: Markus Beckers \u201eDas Geheimnis der 137\u201c ist eine fantastische Novelle, in der Normalit\u00e4t und Wahn ineinander kippen.\u00a0<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Das physikalische Grundproblem ist real: Die Zahl 137 beziehungsweise der Bruch 1\/137 wirft als \u201eFeinstrukturkonstante\u201c im Bereich elektromagnetischer Wechselwirkungen ungel\u00f6ste Fragen auf. Doch f\u00fcr den Physiker Robert Mann ist \u201eDas Geheimnis der 137\u201c zur Obsession geworden. \u201eBefreit mich!\u201c, schreit er eines Tages in seinem Labor, zerschl\u00e4gt einen Teil seiner Einrichtung und bricht zusammen.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass er sich in der Psychiatrie wiederfindet. Dort beginnt ein Reigen unheimlicher Auftritte sonderbarer Pers\u00f6nlichkeiten, vom Patienten, der angeblich eine \u201egef\u00fchlvolle Br\u00fche\u201c mit schaurigem Inhalt kocht, \u00fcber einen \u201eFl\u00fcsterer\u201c, der vorgibt, Robert bestens zu kennen und zu kontrollieren, bis hin zu einer Frau, die meint, sich an einem heiligen Ort inmitten barbarischer Welten zu befinden. Robert sp\u00fcrt, dass dieser Ort ihm nicht guttut und m\u00f6chte ihn so schnell wie m\u00f6glich wieder verlassen. Was wir m\u00fchelos nachvollziehen k\u00f6nnen. Nur verschr\u00e4nken sich auch in Roberts Bewusstsein von Anfang an reale und irreale Ebenen, und er erweist sich als Meister des Kleinredens seiner eigenen Wahnvorstellungen. Tr\u00e4ume und Wachzust\u00e4nde sind nicht mehr unterscheidbar. Auch seinem Freund Magnus gelingt es nicht, ihn in vern\u00fcnftige Denkbahnen zur\u00fcckzuziehen. Gemeinsam mit Mitpatientin Klara verl\u00e4sst Robert die Psychiatrie vorzeitig, um nach Indien zu reisen. Dort, so glaubt er, wird er mit Hilfe eines mathematisch genialen Gurus endlich das Geheimnis der 137 l\u00f6sen. Nach einem ber\u00fchrenden Ausflug in eine andere, aber nicht weniger bizarre Welt, landet er dennoch wieder an seinem Ausbruchsort.<\/p>\n<p>Eine \u201efantastische Novelle\u201c im doppelten Sinn, die Traum und Wirklichkeit, Wahn und Vernunft unl\u00f6sbar ineinander verschr\u00e4nkt. Die Welten innerhalb und au\u00dferhalb der Psychiatrie geraten ins Schwanken \u2013 und finden nicht zum festen Boden zur\u00fcck. Etwas oder jemand manipuliert uns eigentlich st\u00e4ndig. Oder sind wir es am Ende selbst, die uns so obsessiv an der Nase herumf\u00fchren? Ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher, bemerkenswerter Text zwischen den Genres, bei dem spannend und unterhaltsam Furchtbares in Komik kippt, Komik in Schwere, Schwere in Absurdit\u00e4t \u2026 Ein Vergn\u00fcgen f\u00fcr Menschen mit starken Nerven!<\/p>\n<p><em>Markus Becker, Das Geheimnis der 137. Novelle. edition federleicht, 2024, 15 \u20ac.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4><strong>\u00a0<\/strong><\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Sylvia Schmieder: Keine leichte, aber lohnende Lekt\u00fcre. Die Lyrikanthologie \u201eAh, ein Herz, verstehe\u201c, herausgegeben von Jakob Leiner, versammelt 101 Dichtende aus f\u00fcnf Jahrhunderten zum Thema Krankheit und Heilung.<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Entspannt schm\u00f6kern kann man eher nicht, in einem Lyrikband, der mit Cholera, Syphilis und Depressionen jongliert statt mit Waldesrauschen und Liebessehnsucht. Ich habe nach der Lekt\u00fcre nicht unbedingt einen Arzt gebraucht, aber man macht doch viel durch, von totaler Desillusionierung in Bezug auf menschliche K\u00f6rpers\u00e4fte \u00fcber den Morphiumrausch bis hin zum Wahnsinn vergangener Kriege. Dennoch habe ich die \u201eGedichte von Heilenden und Kranken aus 500 Jahren\u201c mit viel Gewinn gelesen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Herausgeber Jakob Leiner, selbst Arzt und Lyriker, vom Vorwort bis zu den \u201eBiogrammen\u201c am Ende der Anthologie sorgf\u00e4ltig und liebevoll gearbeitet hat.<\/p>\n<p>Zwischendurch fuhr mir der Gedanke durch den Kopf, dass so viel Recherche- und Sammelleidenschaft in Sachen Krankheit und Tod wohl nur ein ziemlich junger Mensch entwickeln (und durchhalten!) kann, der sich von all dem noch weit entfernt f\u00fchlt. Trost spenden n\u00e4mlich auff\u00e4llig wenige der ausgew\u00e4hlten Verse. Die meisten sehen einfach hin. Und die \u2013 f\u00fcr mich \u2013 sch\u00f6nsten schaffen es dennoch, mich zum L\u00e4cheln zu bringen, wie die der Renaissance-Dichterin Louise Lab\u00e9, die ihre Gef\u00fchle so erstaunlich direkt und modern flie\u00dfen l\u00e4sst. Wilhelm Klemm war f\u00fcr mich ebenfalls eine Neuentdeckung: ein so ausdrucksstarker wie witziger Lyriker, der zwischen den Weltkriegen ver\u00f6ffentlicht wurde und dann in Vergessenheit geriet. Oder Alfred Lichtenstein, unter anderem mit \u201eIn der Lungenheilst\u00e4tte\u201c: drastisch, komisch, am Schluss ein eigenwilliger Dreh ins Zart-Poetische. Auch von Erich K\u00e4stner und Robert Gernhardt findet man gro\u00dfartige Verse, die nicht jeder kennt.<\/p>\n<p>Am Schluss eine kleine Parade der Krankheiten und Traumata heutiger Dichterinnen und Dichter. Bemerkenswert, wie sehnsuchtsvoll Clemens Johann Setz seinen \u2013 verschwundenen \u2013 Tinnitus besingen kann. Zwei Texte von Tara Meister, der Spoken-Word-K\u00fcnstlerin, beenden die Anthologie und beweisen, dass wir alle, gleich welchen Alters, schon jetzt unsere Vor-Tode erleben m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Jakob Leiner (Hrsg.), Ah, ein Herz, verstehe. Gedichte von Heilenden und Kranken aus 500 Jahren. Quintus Verlag,2024, 280 Seiten, 25 \u20ac<\/em><\/p>\n<\/div>\n<h4><strong>Lesetipp von <\/strong><strong>Sylvia Schmieder<\/strong><strong>: Poetische Appelle. Der Erz\u00e4hlband \u201eKeiner mehr da\u201c von Ute Bales zeigt die besondere St\u00e4rke der Autorin, Schonungslosigkeit und Sensibilit\u00e4t zu vereinen.<\/strong><\/h4>\n<p>Ute Bales, bekannt als Romanautorin, die mutig und vielschichtig von Vergangenheit wie Gegenwart erz\u00e4hlt, legt mit \u201eKeiner mehr da\u201c einen neuen Band mit Erz\u00e4hlungen vor, die den Vergleich mit den Romanen nicht scheuen m\u00fcssen. Ihr unbestechlicher Blick auf die H\u00e4rte der Realit\u00e4t hat in der kurzen Form sogar etwas besonders Entwaffnendes. Wie alle Texte des Buches nimmt auch die erste Erz\u00e4hlung \u201eStress\u201c eine wahre Begebenheit zum Anlass. Ein Vater vergisst seine kleine Tochter f\u00fcr einige Stunden im Auto, was sie nicht \u00fcberlebt. Dennoch kann man dem tragischen Protagonisten am Ende keinen Vorwurf machen, im Gegenteil. Der detailgenaue Blick auf die permanente \u00dcberforderung des modernen Menschen, bis zum Zerrei\u00dfen angespannt zwischen privater und beruflicher Verantwortung, l\u00e4sst uns begreifen, wie risikobehaftet der Alltag ganz normaler, gutwilliger Mitglieder unserer Gesellschaft geworden ist.<\/p>\n<p>Auch die mehrteilige Erz\u00e4hlung \u201eAmerika\u201c zeichnet in feinen Strichen einen eindrucksvollen Protagonisten, der dennoch scheitert. Der Vater eines auswandernden Bruderpaars im 19. Jahrhundert ertr\u00e4gt tapfer Einsamkeit und Armut und bringt es schlie\u00dflich sogar fertig, eine eigentlich unm\u00f6gliche Reise zu realisieren, um den beiden das Erbe zu bringen \u2013 das ihm unterwegs gestohlen wird. Sp\u00e4testens in \u201eAlles im Kopf\u201c wird es dann wunderbar poetisch. Es geht um die musikalische Fantasie und syn\u00e4sthetische Wahrnehmung eines Jungen, der vor dem zweiten Weltkrieg auf dem Land aufw\u00e4chst und mit seiner Begabung nicht ernst genommen wird. Als seine Musik im Radio gesendet wird, sind die Reaktionen der Dorfbewohner ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr den sanften, immer auch einf\u00fchlsamen Humor der Autorin. \u00dcberhaupt sind unbarmherzige Darstellungen von Ungerechtigkeit und Grausamkeit und innig-lyrische Naturbeschreibungen bei Bales kein sich ausschlie\u00dfender Gegensatz. In der Erz\u00e4hlung \u201eEine Respektlosigkeit\u201c zum Beispiel schwebt und schwingt die Eifler Heimat immer mit, was das furchtbare Ende der beiden M\u00f6nche umso heftiger wirken l\u00e4sst.<\/p>\n<p>LeserInnen ihrer Romane werden auch Themen und Figuren aus ihnen wiedererkennen. Dennoch sind die Erz\u00e4hlungen viel mehr als Vorstudien oder \u201eBeifang\u201c, daf\u00fcr haben sie zu viel Eigenleben. Die ganz gro\u00dfen Fragen werden gestellt: nach Tod und Verg\u00e4nglichkeit zum Beispiel. Im titelgebenden Text \u201eKeiner mehr da\u201c wei\u00df der Vater l\u00e4ngst Bescheid, w\u00e4hrend die Tochter noch versucht, die schmerzhafte Wahrheit zu verdr\u00e4ngen: <br \/><em>Irgendwann kommt ihr heim und dann ist keiner mehr da, sagte mein Vater. Ich empfand fast so etwas wie Mitleid mit ihm, dem die Zeit gestundet schien, anders als mir, die ich das Leben noch vor mir hatte. Seine Gedanken ber\u00fchrten mich nicht. Sein Irgendwann lag in einem fernen Dunst, weit hinter dem Mond und allen Planeten.<\/em><\/p>\n<p>Wie in einigen ihrer Romane geht es auch in diesem Band viel um die Eifel, ihre Natur, ihre Menschen. Gerade im letzten Drittel betrauern einige Texte die Zerst\u00f6rung der Natur in ihrem ganzen Schrecken, klagen sie an. F\u00fcr mich sind solche \u201epoetischen Appelle\u201c eine besondere St\u00e4rke der Autorin Ute Bales, weil es ihr dank ihrer Schreibkunst gelingt, Schonungslosigkeit und Sensibilit\u00e4t zu vereinen.<\/p>\n<p><em>Ute Bales, Keiner mehr da. Rhein-Mosel-Verlag 2024 255 Seiten, ISBN 978-3-89801-477-9, 13,50 EUR<\/em><\/p>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Sylvia Schmieder: \u201eAber sie empfand nichts\u201c. Mit \u201eDie Haut hat kein Ged\u00e4chtnis\u201c legt Susanne Konrad ein Buch vor, das sich erz\u00e4hlerisch und wissenschaftlich ungewohnten Themen widmet.<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><strong>Eine Neuerscheinung des Verlags <em>DeWinter Waldorf Glass<\/em> zur Frankfurter Buchmesse 2024. <\/strong><\/p>\n<p>Die Psychotherapeutin Caro hat ein Trauma zu bew\u00e4ltigen: Ihre Tochter ist aus einer Vergewaltigung hervorgegangen, weshalb es ihr schwerf\u00e4llt, ihr echte, m\u00fctterliche Liebe entgegenzubringen. \u201eDie Haut hat kein Ged\u00e4chtnis\u201c von Susanne Konrad ist eine ungew\u00f6hnliche und mutige Erz\u00e4hlung, durch den begleitenden Essay als autofiktionale Literatur gekennzeichnet. \u201eSie dachte, wenn ich mein Kind anschaue, dann muss eigentlich eine Gef\u00fchlswoge in mir aufwallen. Aber sie empfand nichts.\u201c Feinf\u00fchlig folgt die Autorin den Ver\u00e4stelungen eines nicht vorhandenen Gef\u00fchls, das sich nach und nach doch entwickeln kann, weil die Herausforderungen angenommen werden und ein Reservoir an Liebe vorhanden ist. Eine spannende Geschichte, der man immer wieder gerne folgt.<\/p>\n<p>Neben dieser inneren und \u00e4u\u00dferen Auseinandersetzung mit einer besonderen Mutterschaft erz\u00e4hlt Konrad aber noch viel mehr \u2013 fast eine ganze Lebensgeschichte. Es geht um die Liebe zu Thies, einem deutlich \u00e4lteren Mann, um die Schwere von Alter und Krankheit, die \u00dcberforderung der Protagonistin, als ihre Eltern pflegebed\u00fcrftig werden und sie gleichzeitig Gro\u00dfmutter wird. Erstaunlich genug, dass es der Autorin gelingt, all das immer wieder sinnlich und spontan zu schildern \u2013 so wenn Caro endlich, bei einer Abitursauff\u00fchrung ihrer gesangsbegabten Tochter, zum ersten Mal den f\u00fcr andere Eltern so selbstverst\u00e4ndlichen, tiefen Stolz erleben kann.<\/p>\n<p>Auch ihre Liebe zu dem bald schon schwerkranken Thies wird immer wieder sensibel und glaubhaft ausgedr\u00fcckt. \u201eSie sp\u00fcrte seinen Verlust, als h\u00e4tte sich dieser bereits ereignet\u201c, hei\u00dft es dazu schon in der Rahmenerz\u00e4hlung. Insgesamt waren es aber vielleicht doch zu viele gro\u00dfe Lebensfragen, denen sich die Autorin auf einmal widmen wollte, denn hier und da wurde mir zu viel erkl\u00e4rt und analysiert, zu wenig erz\u00e4hlt, so, wenn es um Jenny Rieger, eine der Patientinnen von Caro geht. Nach einem f\u00fcr meinen Geschmack allzu harmonischen Zusammensein von Mutter und Tochter klingt die Erz\u00e4hlung noch einmal mit einer wunderbar dicht und \u00fcberzeugend geschriebenen Szene zwischen Caro und Thies aus.<\/p>\n<p>Auf die Erz\u00e4hlung folgt ein Essay: \u201eAutofiktionales Schreiben als Schl\u00fcssel zur seelischen Gesundheit\u201c zeichnet diese \u2013 noch relativ neue \u2013 Thematik als Forschungsgegenstand nach und gibt auch konkrete Anleitungen zum Schreiben. Als wissenschaftlich entw\u00f6hnte Leserin habe ich die ersten Abschnitte als zu ausf\u00fchrlich empfunden. Es lohnt sich aber, durchzuhalten: Wenn es um die Erz\u00e4hlung der Verlegerin Helene Wolff geht \u2013 und um die Schlussfolgerungen daraus \u2013 wird es noch einmal richtig spannend. Auch die speziellen Voraussetzungen, Gef\u00e4hrdungen und Chancen psychisch belasteter Autoren werden kenntnisreich und \u00fcberzeugend dargestellt. Ein Buch mit doppeltem N\u00e4hrwert f\u00fcr die Seele, essayistisch und erz\u00e4hlerisch.<\/p>\n<p><em>Susanne Konrad, Die Haut hat kein Ged\u00e4chtnis. Erz\u00e4hlung mit einem Essay zum autofiktionalen Schreiben. DeWinter Waldorf Glass, Frankfurt a.M., 12 \u20ac.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<h4><strong>Lesetipp von Heide Jahnke: \u201eDies geatmete Licht\u201c \/ \u201eDes gschnupfti liecht\u201c von Markus Manfred Jung und Bettina Bohn.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Von den Medien (noch) unbeachtet ist in diesem Sommer ein Buch erschienen, dem durchaus gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit zu w\u00fcnschen ist.<\/p>\n<p>\u201eDies geatmete Licht\u201c \/ \u201eDes gschnupfti liecht\u201c aus dem Schweizer Verlag Bucher ist Gedichtband und gro\u00dfformatiges Bilderbuch zugleich. Der Mundartdichter Markus Manfred Jung und seine Frau, die Malerin Bettina Bohn sind da, zusammen oder auch allein, durch ihre engste Heimat, den s\u00fcdlichen Schwarzwald gestreift und haben ihre Eindr\u00fccke zu Papier und Leinwand gebracht, \u2013 ohne sich gegenseitig illustrieren oder interpretieren zu wollen. Entstanden sind im Lauf mehrerer Jahre dreiunddrei\u00dfig Gedichte, teils alemannisch, teils hochdeutsch und dreiunddrei\u00dfig zartfarbige Impressionen, die zusammen eine atmosph\u00e4rische Einheit bilden, die immer wieder dazu einl\u00e4dt, sich darin zu vertiefen.<\/p>\n<p>Die Bilder, an der Grenze zur Abstraktion, lassen Raum f\u00fcr eigene Assoziationen, und die Verse, vor allem die alemannischen, sollte man schmecken und kauen, um den Schwarzwald darin zu sp\u00fcren. Es ist ein gelassenes, fast beil\u00e4ufiges Schauen auf kleinste Ver\u00e4nderungen und Nuancen in der Natur, in der Landschaft und letztlich im k\u00fcnstlerischen Subjekt, das sich als Teil davon versteht; und das gilt wohl f\u00fcr beide K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Herzst\u00fcck des Bandes ist das lange Prosagedicht \u00fcber das Gehen im Nebel: ein wortgewaltiges St\u00fcck Mundart-Literatur mit Sogkraft!<\/p>\n<p>Bei den Versen h\u00e4tte es meines Erachtens der \u00dcbertragung ins Hochdeutsche nicht bedurft. Sie werden dadurch im Vergleich zu glatt und nehmen den Originalen etwas vom rauen Schmelz der Mundart. Aber welch ein Reichtum, sich in beiden Idiomen bewegen zu k\u00f6nnen und welch eine Bereicherung f\u00fcr Leserin und Leser!<\/p>\n<p><em>Heide Jahnke<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Bettina Bohn &amp; Markus Manfred Jung \u2013 Dies geatmete Licht \/ Des gschnupfti Liecht<\/strong>, Bucher Verlag, Limitierte Auflage 333 Exemplare, Alle B\u00fccher nummeriert und handsigniert von Bettina Bohn und Markus Manfred Jung, \u20ac\u00a030,00.<\/em><\/p>\n<p>Link zum Verlag: <a href=\"https:\/\/www.bucherverlag.com\/neuerscheinungen\/p\/bettina-bohn-markus-manfred-jung-dies-geatmete-lichttag-4xcpc\">https:\/\/www.bucherverlag.com\/neuerscheinungen\/p\/bettina-bohn-markus-manfred-jung-dies-geatmete-lichttag-4xcpc<\/a><\/p>\n<\/div>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4><strong>Lesetipp von Sylvia Schmieder: In dem Roman \u201eAm Kornsand\u201c schildert Ute Bales unbestechlich und einf\u00fchlsam die Auswirkungen von Erziehung und Gesellschaft auf nachfolgende Generationen. <\/strong><\/h4>\n<p><em>\u201eDie Geschichte f\u00e4ngt an, lange bevor Helga geboren wird, und sie hat kein Ende. Sie f\u00e4ngt auch nicht mit Helgas Eltern an, eher mit den Gro\u00dfeltern, aber das ist ungewiss. Jedenfalls fu\u00dft die Geschichte auf einem ganzen Jahrhundert (\u2026)\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Einstieg, eine Art Prolog, hat mich gleich f\u00fcr diesen Roman gewonnen. Sensibel und mit geschicktem Spannungsaufbau wird die Hauptfigur Helga beim Namen genannt und doch noch nicht wirklich eingef\u00fchrt. Daf\u00fcr klingt schon das zentrale Thema des Romans an: die Auswirkungen von Erziehung und Gesellschaft allgemein, von Kriegstraumata im Besonderen, auf nachfolgende Generationen. Der Roman basiert auf genau recherchierten, wahren Ereignissen, wenn die Figur Helgas und ihre Erfahrungen wohl auch frei gestaltet wurden.<\/p>\n<p>In den folgenden Abschnitten des Prologs zeichnet Ute Bales mit kr\u00e4ftigen, pr\u00e4zisen Strichen das Panorama des gerade endenden Zweiten Weltkriegs, und zwar von einem ganz bestimmten Ort aus: ein St\u00fcck Rheinufer bei Nierstein, genannt \u201eAm Kornsand\u201c. Hier wurden im M\u00e4rz 1945, wenige Stunden vor dem Eintreffen der Amerikaner, sechs wehrlose Zivilisten auf Befehl von zwei Vorgesetzten der Wehrmacht durch Genickschuss get\u00f6tet \u2013 ohne jede Untersuchung, nur weil sie ihnen irgendwie suspekt waren. Der M\u00f6rder war ein Achtzehnj\u00e4hriger: Helgas Vater Hans. Er h\u00e4tte sich weigern k\u00f6nnen, mehrere Kameraden haben das getan. Er aber hielt die Liquidierung f\u00fcr logisch und moralisch richtig.<\/p>\n<p>Hans wurde nach dem Krieg zu zehn Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt und nach sechs Jahren vorzeitig entlassen. Helga, seine Tochter, erf\u00e4hrt von alldem lange nichts \u2013 und bekommt doch zu sp\u00fcren, dass mit dem Vater, der Familie, ja im Grunde der ganzen Umgebung etwas nicht stimmt. Sie hat Albtr\u00e4ume. Wegen eines unheilbaren Hautausschlags kommt sie in ein \u201eVerschickungsheim\u201c, das in seinen sinnlosen, kalten Regeln noch ganz in den alten Erziehungsmethoden erstarrt ist. Endlich wieder zuhause, darf sie nichts Negatives erz\u00e4hlen, sich nicht beklagen. Dass ihr Hautausschlag noch immer nicht verheilt, wird als b\u00f6sartiger Trotz gedeutet. Sie nehme sich zu wichtig, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Parallel zu Helgas Geschichte wird die Jugend ihres Vaters Hans geschildert. Er l\u00e4sst sich von den Nationalsozialisten faszinieren, weil sie seinen Tagen Struktur und Ziel geben, ihm \u00fcber pubert\u00e4re Selbstzweifel hinweghelfen. Der absolute Befehlsgehorsam wird zu einer Art Ersatzreligion. Ute Bales ist eine unbestechliche Erz\u00e4hlerin. Sie hat den Mut, harte Realit\u00e4ten, auch die Schw\u00e4chen und unsympathischen Z\u00fcge ihrer Charaktere schonungslos darzustellen, ohne sie zu d\u00e4monisieren. Wirklich warm bin ich mit Hans deshalb lange nicht geworden. Gegen Romanende aber, in der Schilderung von Prozess und Haft, taucht die Erz\u00e4hlung in tiefe Schichten der Einf\u00fchlung. Der noch immer sehr junge Mann ist ganz und gar verunsichert. Seine Einsamkeit, die hilflosen Sehnsuchtsbilder, viel innere Leere, Scham und Angst werden unmittelbar geschildert, und pl\u00f6tzlich ist klar, warum er all diese Erfahrungen sp\u00e4ter nicht mitteilen konnte. So wird sich Helga aus eigener Kraft von all dem Unsagbaren ihrer Jugend befreien m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ute Bales, Am Korsand. Roman. Rhein-Mosel-Verlag 2023, <em>200 Seiten,\u00a0 ISBN 978-3-89801-465-6, 22,80 EUR<\/em><\/p>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\"><strong>Lesetipp von Sylvia Schmieder: In Wahrheit eine\/ganz und gar unpathetische Ruhe. Zu Jakob Leiners Gedichtband \u201eGewetter\u201c.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Der 1992 geborene Arzt und Lyriker Jakob Leiner hat mit \u201eGewetter\u201c seinen vierten Gedichtband vorgelegt. Diesmal sind es lyrische Notizen zu Reisen, \u00fcberschrieben schlicht und sachlich mit Datum, Ort und Uhrzeit \u2013 etwas wie ein poetisches Tagebuch also, aus Orten quer durch Europa, darunter auch aus der Freiburger Regio. Das Thema in Variationen: Mensch und Natur(-zerst\u00f6rung). Da gibt es Berichte zu Wanderungen mit so unpr\u00e4tenti\u00f6sen wie treffenden Versen wie <em>Was dieser Tag gebracht hat\/in der Tasche\/5 Steine\/in Wahrheit eine\/ganz und gar unpathetische Ruhe.<\/em> Auch leichte, verspielte, humorvolle Gedichte wie die \u00fcber den Schwarm der St\u00f6rche, die \u201ein sorgsamer Spirale\u201c steigen, um dann zusammen wieder zu fallen <em>aus bleierner Luft. rum\/wa<\/em> fragt sich der mit ihnen fallende Beobachter, um sich selbst zu antworten: <em>irgendwas mit dem Wetter\/muss es sein. <\/em>Andererseits bleibe ich an intellektuell-spr\u00f6den Versen h\u00e4ngen, wissenschaftlichen Fachbegriffen, assoziativ Verr\u00e4tseltem, das mir die Lesefreude nimmt, weil ich den Verdacht nicht loswerde, dass es sich bedeutsamer gibt, als es ist. Warum es sich f\u00fcr mich unbedingt gelohnt hat, dranzubleiben? Wegen dieser speziellen Mischung aus trockener Ironie und sinnlicher Begeisterung, wegen Versen wie diesen \u00fcber das \u201eCastello di Duino, bei Trieste\u201c:<br \/><em>unter donnernder Bl\u00e4ue\/Gellen des obersten Reihers\/der sich in die Adria st\u00fcrzt\/hier wird es begr\u00fc\u00dft\/von Engeln zu reden\/wie ein Licht das alle\/Helligkeiten tr\u00e4gt\/als altes Fl\u00fcstern\/fortgetragen\/die Adern voll Dasein. (\u2026) aber bitte\/nicht so st\u00fcrmisch.<\/em><\/p>\n<p><em>Jakob Leiner, Gewetter. Gedichte. Qintus-Verlag Berlin, 2022, 18 \u20ac.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4><strong>Lesetipp von Ute Bales: &#8222;zusammen bleiben&#8220; von Sylvia Schmieder ist ein ber\u00fchrendes Portrait einer Zeit und seiner Menschen, das unter die Haut geht.\u00a0<\/strong><\/h4>\n<p><em>Erstaunlich, was sich erleben l\u00e4sst, wenn man die eigene Familiengeschichte durchforscht. <\/em><\/p>\n<p>Sylvia Schmieder beginnt ihren 324 Seiten starken fulminanten Familienroman mit einer heiteren Szene: Die Gro\u00dfmutter breitet die Arme aus und Claudia, die Enkelin, rennt in sie hinein \u201ewie ein Pfennig in einen Magnet.\u201c Diese beiden Frauen bilden die Klammer des Romans, der sich dann in 30 Kapiteln entfaltet. Die Gro\u00dfmutter Mari, die im Dreil\u00e4ndereck Ungarn-Slowakei-\u00d6sterreich aufw\u00e4chst, will Schriftstellerin werden. Ihr Mann Ludwig hat andere Dinge im Kopf. Die Nazis bieten ihm Perspektiven und Mari zieht mit ihrem Mann und den Kindern nach Frankfurt, bereut aber bald, ihm gefolgt zu sein. Es sind nicht nur der Krieg und Ludwigs Arbeit bei der Waffen SS, sie vermisst ihr Land und ihre Sprache. Als Ludwig eine Aff\u00e4re beginnt, geht sie zur\u00fcck in die Slowakei. Dort wird 1944 ihr Bruder Peter wegen seiner kritischen Berichterstattung als Journalist von der Gestapo verhaftet und nach Mauthausen verschleppt. Etwa zeitgleich beteiligt sich Ludwig an Massenerschie\u00dfungen in der Ukraine.<\/p>\n<p>Der andere Strang des Romans erz\u00e4hlt die Geschichte der Enkelin Claudia, die nicht nur von der Sprachenvielfalt der Gro\u00dfmutter fasziniert ist. F\u00fcr sie ist die Gro\u00dfmutter ein Anker, eine \u201eMenschenmischerin\u201c, wie sie sie nennt, die sich, wie niemand sonst, auf die Kunst der Worte versteht. Wenn sich die Gro\u00dfmutter mit ihrer Familie unterh\u00e4lt, dann sind sie \u201edie Familie mit den besonderen W\u00f6rtern\u201c. Die Gro\u00dfmutter ist auch diejenige, die Kraft gibt: \u201eWenn sie sich umarmten, schossen Claudia die Kr\u00e4fte nur so in die Glieder, dass sie gleich weiterlaufen musste, die F\u00e4uste ballte und schrie \u2026.\u201c (Seite 5) Eine der Schl\u00fcsselszenen des Romans findet sich gleich zu Beginn. Die Gro\u00dfmutter zeigt ihrer Enkelin, wie sie aus dem, was im eigenen Garten w\u00e4chst, eine Kr\u00e4uterolle macht: Sauerampfer, Petersilie, Pimpinelle, Schnittlauch, Estragon, Boretsch. \u201eDie Rolle schmeckte scharf, sauer und bitter zugleich, sogar ein wenig S\u00fc\u00dfe steckt in ihr \u2013 also schmeckte sie eigentlich nach allem \u2026 \u201c (Seite 11) Diese unterschiedlichen Ingredienzen versinnbildlichen die \u201eWildnis\u201c dieser verzweigten Familienkonstellation und Claudia sp\u00fcrt, wie sie beim Verzehr der Kr\u00e4uterrolle \u201eTeil des Undurchdringlichen, Unverst\u00e4ndlichen wird.\u201c (Seite 12)<\/p>\n<p>Was sich bei der Gro\u00dfmutter als sprachliche und emotionale Energie entl\u00e4dt, sucht Claudia bei der eigenen Mutter vergeblich. In ihrem Verh\u00e4ltnis gibt es eine Leerstelle, die beide auf unterschiedliche Weise zu f\u00fcllen versuchen. Die Mutter spricht kaum \u00fcber Widerfahrenes, obwohl sie Krieg und Flucht erlebt hat. Aufopfernd k\u00fcmmert sie sich um Claudias behinderten Bruder und sp\u00fcrt nicht, wie die eigene Tochter leidet und zusehends vereinsamt. \u00dcberhaupt bemerkt niemand die N\u00f6te des M\u00e4dchens, selbst dann nicht, als Claudia eine Magersucht entwickelt. \u201eSie trank auch nur noch Wasser, das fiel gar nicht auf. Gar nichts von all dem fiel auf, wie immer, ihre Mutter hatte andere Sorgen, ihr Vater war bei der Arbeit oder spielte Klavier und ihre Geschwister verstanden nichts, ganz wie sie selbst\u201c. (Seite 203).<\/p>\n<p>Mit den Frauenfiguren ihres Romans gibt Sylvia Schmieder dem Krieg ein weibliches Gesicht. Auf gewisse Weise ist das Buch der Versuch, zwischen drei Generationen zu vermitteln. Indem die Autorin Szenen aus dem Alltag herausgreift, kleine Momente und Episoden, Streitereien und Wortwechsel, Sorgen, N\u00f6te und verpasste Gelegenheiten, lotet sie gleichzeitig die Untiefen der Lebensumst\u00e4nde aus, das nicht zu Verstehende, das Unergr\u00fcndliche, die Risse, die sich durch die Familie ziehen. \u201eEr steht langsam auf, zieht sich in sein ehemaliges Arbeitszimmer zur\u00fcck und kramt in den Resten seines B\u00fcndels, dessen br\u00fcchige Schnur er gestern mit eine unheimlichen Mischung aus Seufzen und St\u00f6hnen zerrissen hat.\u201c (S. 297)<\/p>\n<p>Sylvia Schmieder erweist sich mit ihrer bilderreichen Sprache als feinsinnige Beobachterin: \u201eSie sieht einem Amselp\u00e4rchen auf dem Rasen zu, wie es nasse Bl\u00e4tter beiseite wirft, W\u00fcrmer pickt. Sie h\u00f6rt dem Wasserhahn zu, der tropft, aber ganz langsam, w\u00e4hrend es sich drau\u00dfen einregnet. Es ist, als bek\u00e4me das Haus eine G\u00e4nsehaut.\u201c (Seite 83)<\/p>\n<p>Der opulente Roman, akribisch recherchiert, zeigt die Auswirkungen der NS-Zeit bis in die dritte Generation und macht deutlich, dass die Geschichte von Nazi-Diktatur und Holocaust Menschheitsgeschichte ist. Niemand kann sich herausnehmen, jeder leidet f\u00fcr sich. Ganz besonders, wenn die Auseinandersetzung fehlt. Die Kapitel f\u00fcgen sich am Ende zusammen und zeigen, wie fest, aber auch wie zerrissen Familienbande sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was Claudia betrifft, so ist am Ende klar: Ohne den Krieg und seine Folgen w\u00e4re aus ihr ein ganz anderer Mensch geworden. Was macht uns schlie\u00dflich zu dem, was wir sind?<\/p>\n<p>Im letzten Kapitel verneigt sich die Gro\u00dfmutter mit einem anr\u00fchrenden Satz vor ihrer Enkelin: \u201eDas war ja ein St\u00fcckchen Leben, du konntest es nur nicht richtig erkennen \u2026\u201c (Seite 320)<\/p>\n<p>\u201eZusammen bleiben\u201c ist ein ber\u00fchrendes Portrait einer Zeit und seiner Menschen, das unter die Haut geht. Unbedingt empfehlenswert.<\/p>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\"><strong>Lesetipp von Sylvia Schmieder: \u201eAls bei Bruno Lenkovich einmal die Zeit stehen blieb\u201c von Werner Leuthner. Kurzgeschichten \u00fcber Tod und Zuversicht.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"entry-content\">Nach \u201eMaslaukes Transformation\u201c und \u201eMaslauke ZWO\u201c legt Werner Leuthner seinen dritten Band mit Kurzgeschichten vor. In ihnen tritt diesmal eine besonders breite Palette verschiedenster Figuren auf, unter anderem: ein ernster, \u00e4lterer Herr, eine Schn\u00e4ppchenj\u00e4gerin, ein Mitglied der italienischen Mafia, eine Frau, die sich vor der Verarmung f\u00fcrchtet oder die eher oberfl\u00e4chliche Angie, die ihren \u2013 eigentlich verstorbenen \u2013 Ehemann austrickst. Das Altern, die Verg\u00e4nglichkeit, der Tod bilden den thematischen roten Faden durch alle Erz\u00e4hlungen. Die Leser*innen werden nicht mit einfachen Tr\u00f6stungen abgespeist, im Gegenteil: Die Schwere kommt immer wieder zu ihrem Recht, so gleich in der ersten Erz\u00e4hlung \u201eEin Gespr\u00e4ch auf der Parkbank\u201c. Ein namenloser Senior res\u00fcmiert: \u201eIrgendwann sind sie alle vom Leben weichgekocht\u201c. Und der Ich-Erz\u00e4hler kann ihm keinen wirklich befriedigenden Lebensentwurf entgegensetzen. Dennoch verf\u00e4llt keine der Kurzgeschichten in tiefe Depression. Die Protagonisten finden ihren Weg, beweisen Kreativit\u00e4t und Lebendigkeit und heben manchmal selbst im Tod noch ab, wie Herr Kornhaas in \u201eWas wiegt denn eine Seele, Herr Rychel?\u201c. Mysteri\u00f6se Dinge geschehen, und doch kehrt der Erz\u00e4hler immer wieder auf dem Boden des Alltags ganz normaler Mitmenschen zur\u00fcck.\n<p>Das hat wohl mit den vielf\u00e4ltigen Lebenserfahrungen des Autors zu tun. Werner Leuthner, 1942 in M\u00fcnchen geboren, hat mehrere Ausbildungen durchlaufen, unter anderem zum Maschinenschlosser und Diplomp\u00e4dagogen. Seine letzten Jahre war er Studienberater der Fern-Universit\u00e4t Hagen. Mit dem Schreiben begonnen hat er erst mit seinem Renteneintritt \u2013 und hat immer wieder den Austausch gesucht, gelernt, neue Erfahrungen gewagt, ganz wie seine Figuren.<\/p>\n<p><em>Werner Leuthner, \u201eAls bei Bruno Lenkovich einmal die Zeit stehen blieb\u201c. ISBN 9-783735742735. Erh\u00e4ltlich u.a. \u00fcber Amazon, LovelyBooks, BoD und den \u00f6rtlichen Buchhandel.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Norbert Gehlen: \u201eIm Kielwasser der Zeit\u201c von Maria Bosse-Sporleder<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><strong>\u00dcberlebensk\u00fcnstler im wogenden Meer der Geschichte <\/strong><\/p>\n<p>Mit ihrer Stimme, die mal zart, mal kraftvoll klingt, zieht die \u00e4ltere Dame die Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer gleich in ihren Bann. Die \u201eKulturkapelle\u201c in Freiburg-G\u00fcnterstal bietet einen w\u00fcrdigen Rahmen f\u00fcr diese Lesung, zu der sich etwa 25 Menschen eingefunden haben. Schwer zu glauben, dass die Frau, die da aus ihren \u201eautofiktiven Geschichten\u201c vorliest, bereits 90 Jahre alt sein soll! \u201eIm Kielwasser der Zeit\u201c hat Maria Bosse-Sporleder ihr neues Buch betitelt. Ein treffender Titel f\u00fcr eine Geschichtensammlung, die nicht nur die halbe Welt von Russland bis nach Kanada durchmisst, sondern auch anderthalb Jahrhunderte von der Mitte des 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Eine Schiffsreisende zwischen sehr unterschiedlichen Welten erz\u00e4hlt da von ihrer Kindheit in Tallinn (damals Reval, in Estland), von deutscher und sowjetischer Besatzung, von Flucht und Emigration, vom Studium in Kanada und Frankreich, von beruflichen Stationen als Dozentin f\u00fcr deutsche Sprache und Literatur in Finnland und Kanada sowie von wiederholten Reisen zur\u00fcck zu den hinter ihr liegenden Schaupl\u00e4tzen ihres bewegten Lebens. \u201eHerkunft\u201c \u2013 so sind ihre Erkundungsreisen in die Vergangenheit ihrer Familie \u00fcberschrieben. Gleich zu Beginn stehen \u201ewei\u00dfe Servietten\u201c symbolisch f\u00fcr eine mit Kinderm\u00e4dchen und K\u00f6chin gut situierte Familie von selbstst\u00e4ndigen Kaufleuten, in die sie hineingeboren wurde.<\/p>\n<p>In einer der Kindheitsgeschichten erinnert sie sich an die sonnt\u00e4glichen Besuche ihres Gro\u00dfvaters v\u00e4terlicherseits \u2013 da erscheint vor ihrem inneren Auge seine gro\u00dfe Gestalt mit schwarzem Mantel und Pelzm\u00fctze, auf schneebedeckter Stra\u00dfe. Er h\u00e4lt im Arm eine T\u00fcte mit leuchtenden Orangen, \u201eweil die gut sind f\u00fcr die Kinder\u201c \u2013 sie sind damals so kostbar, dass man sich normalerweise nur zu Weihnachten eine Orange g\u00f6nnt. Solche Bilder sind es, die den oft mit \u00fcberraschenden Wendungen aufwartenden Geschichten Leben und einen gewissen Glanz verleihen.<\/p>\n<p>Ihr siebter Geburtstag: Erinnerungen an den Geburtstagstisch mit wei\u00dfer Spitzentischdecke, an den Schulranzen aus Pappe als Geburtstagsgeschenk, an unbeschwerte Spiele im sonnigen Garten \u2013 es ist der 27. September 1939, bald soll sie in die Schule kommen, aber an diesem Tag erliegt das lange umk\u00e4mpfte Warschau dem Ansturm der deutschen Wehrmacht: \u201eNicht ahnte ich, dass \u2013 kaum f\u00fcnf Wochen sp\u00e4ter \u2013 wir mitsamt Pappranzen und unserer gesamten Habe auf einem Schiff den Hafen Revals verlassen w\u00fcrden, einem drohend unbekannten, einem Umsiedlerleben entgegen.\u201c<\/p>\n<p>Solche Einzelepisoden aus der Kindheit oder von sp\u00e4teren Reisen in die alte Heimat wechseln ab mit den rekonstruierten Kurzbiografien ihrer Eltern und Gro\u00dfeltern, die so spannend und ungew\u00f6hnlich verlaufen, dass man ihnen staunend folgt. Und wo es an Fakten mangelt, erg\u00e4nzt sie die Lebensgeschichten mit ihrer Vorstellungskraft. Da ist zum Beispiel das Leben des Gro\u00dfvaters m\u00fctterlicherseits (1858\u20131938): erfolgreicher Gesch\u00e4ftsmann, bekleidete \u00f6ffentliche \u00c4mter, erkrankte an Tuberkulose. Nach der Heilung in Davos: Weltreise \u00fcber Kanada, USA, Japan, China, Indien, \u00c4gypten und Italien in die Schweiz. Ein Foto von dieser Reise zeigt ihn als \u201eLichtgestalt mit wei\u00dfem Anzug und Tropenhelm neben einem \u2026 Inder, der einen Elefanten f\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Als noch dramatischer beschreibt die Autorin das Leben ihres Vaters (1889-1971): Der Ingenieur f\u00fcr Schiffsbau macht auf seiner \u201eJungfernfahrt\u201c \u00fcber den \u00c4quator Heizerdienst tief unter Deck, vier Stunden Kohlen schaufeln. Jahre sp\u00e4ter, als Juniorchef der Seeversicherungsgesellschaft in Tallinn, wird er mit einem Notruf an Bord eines im Hafen auf Grund gelaufenen Schiffs gerufen \u2013 und l\u00e4sst daf\u00fcr seine Braut eine Dreiviertelstunde vor dem Traualtar warten \u2026 Es sind immer wieder solche Wechself\u00e4lle des Lebens, F\u00fcgungen, Anekdoten, mit denen die Autorin Farbe in ihre Geschichten bringt.<br \/>1941: W\u00e4hrend seine Familie bereits 1939 Estland verlassen hat, h\u00e4lt der Vater die Stellung in der v\u00e4terlichen Firma. Dann wird auch er von den Sowjets zur Umsiedlung gezwungen und muss bei der Gep\u00e4ckkontrolle mit ansehen, wie ein Kommissar stapelweise Dokumente aus seinen Aktenordnern rei\u00dft: Da liegen dann s\u00e4mtliche Belege f\u00fcr seine zur\u00fcckgelassenen Besitzt\u00fcmer am Boden der Zollbaracke verstreut.<br \/>1942: Auf Gesch\u00e4ftsreise in Berlin wird der Vater eines Nachts von der Gestapo verhaftet. \u201eDie peinigende Sorge: Er hat Hitler-Witze erz\u00e4hlt, von seiner kritischen Haltung keinen Hehl gemacht. Erst nach Wochen die Kl\u00e4rung: Er wird eines Wirtschaftsverbrechens bezichtigt, das gar nicht stattgefunden hat.\u201c<\/p>\n<p>Nach dem Krieg landet er mit seiner Familie zun\u00e4chst als Fl\u00fcchtling im deutschen Bad Kissingen; dann Weiterreise zu Verwandten nach Kanada. Jobs als Lagerverwalter, Tellerw\u00e4scher, schlie\u00dflich Existenzgr\u00fcndung als Fotograf, mit Fotostudio im Wohnzimmer und Labor im Bad. Man kann sich nur wundern \u00fcber diesen \u00dcberlebensk\u00fcnstler, dessen Tod die schreibende Tochter mit bewegenden Worten beschreibt: \u201eAm Sp\u00e4tabend noch eine Morphiumspritze. Seine Augen sind weit offen; er sieht etwas, was die Tochter nicht sieht. Sie h\u00f6rt ihn Worte formen, erkennt den Namen seiner Heimatstadt. Fr\u00fch morgens ist sie kurz eingenickt. Wird sie wach, weil sie seinen Atem nicht mehr h\u00f6rt?\u201c Kein Wort zu viel, da zeigt sich die sprachliche Kunstfertigkeit der Maria Bosse-Sporleder.<\/p>\n<p>Weniger interessant f\u00fcr mit Tallinn\/Estland nicht vertraute Leser sind die Besuche der Autorin in den Stra\u00dfen und H\u00e4usern, wo sie fr\u00fcher gewohnt hat. Aber dann folgt da \u00fcberraschend eine stilistisch interessante Textform: \u201e36 S\u00e4tze \u00fcber meine Mutter\u201c. Kein zusammenh\u00e4ngend erz\u00e4hlter Lebenslauf, sondern einzelne Protokollnotizen, die dramatische Erlebnisse oder pers\u00f6nliche Charakteristika dokumentieren:<br \/>\u201eSie floh mit ihrer Mutter und ihren beiden j\u00fcngeren Schwestern 1918 vor den Bolschewiken nach Berlin \u2026<br \/>Sie verga\u00df, panisch vor Sorge um ihre kranke Tochter, auch nur das Geringste zum Essen einzupacken, als die Familie am 20. Januar 1945 vor den Sowjets fl\u00fcchten musste \u2026<br \/>Sie st\u00fcrzte sich als \u201alanded immigrant\u2018 in Montreal mit den 50 Dollar Handgeld zum Einkauf in den Supermarkt, ohne ein Wort Englisch zu k\u00f6nnen.\u201c<br \/>Allerdings: <em>Weniger<\/em> \u2013 also die Verdichtung, die Verk\u00fcrzung auf 25 S\u00e4tze \u2013 w\u00e4re hier <em>mehr<\/em> gewesen.<\/p>\n<p>Stilistisch originell auch der Text \u00fcber die \u201eKleider meiner Mutter\u201c: Sie erinnert sich an eine silberne G\u00fcrtelschnalle \u2026 \u201eund pl\u00f6tzlich ziehe ich aus den Tiefen meines Bewusstseins \u2026 die Kleider meiner Mutter hervor. Und h\u00e4nge sie auf die Leine meines Schreibens, jetzt. Da ist das luftige Sommerkleid \u2026 Da ist das Herzdame-Kleid zum Kost\u00fcmball \u2026 Das schwarze Kost\u00fcm. Ich betrachte es auf dem Passfoto, das sie wohl machen lie\u00df, als sie 1939 Estland verlassen musste. Sie sieht sehr respektabel darin aus. \u2026 Es wird in meinem Kleiderschrank h\u00e4ngen bleiben. F\u00fcr wen?\u201c<\/p>\n<p>Den kleineren zweiten Teil des Buches bilden mal l\u00e4ngere, mal k\u00fcrzere Erz\u00e4hlungen von \u201eBegegnungen\u201c. Teils in der Ich-Form, teils in der dritten Person \u2013 ob die Autorin dies alles selbst erlebt hat, bleibt offen, ungesagt, bleibt in der Schwebe, wie so manches in ihren Geschichten. Da beschreibt sie beispielsweise die Vorgeschichte eines ersten Rendezvous im Kindesalter, wobei es erst im letzten Satz zu der ersehnten Begegnung kommt. Oder sie erz\u00e4hlt von Begegnungen mit einem ihrer Professoren \u00fcber 30 Jahre hinweg, eine Freundschaft, die erst beim letzten Zusammentreffen in einer vorsichtigen Umarmung gipfelt.<\/p>\n<p>Es geht meist um kurze, aber intensive Begegnungen, bei denen sich N\u00e4he einstellt, in denen emotionale Spannung oder wortloses Verstehen, in denen Anziehung mitschwingt. Mal gibt es nur ein einziges Zusammentreffen, mal wiederholte Treffen in verschiedenen Lebensaltern, wie bei Robert: \u201eSie hatten sich aufeinander zu geschrieben, einander verschrieben.\u201c Das liest sich wie der Beginn einer Paarbeziehung. Dann jedoch, kurz bevor es ernst wird: \u201eUrpl\u00f6tzlich hat ihre Welt sich gedreht; nichts ist mehr, wie es war \u2026 Nicht in Roberts Arme fallen, nein! Er wird fassungslos sein, traurig, verletzt. Sie wei\u00df es. Und doch wird sie das Unerh\u00f6rte tun, sich selbst um eine \u00dcberraschung voraus. Frei.\u201c Trotzdem wird daraus eine lebenslange Freundschaft.<\/p>\n<p>Vor Anker gegangen ist Maria Bosse-Sporleder schlie\u00dflich in Freiburg: als Dozentin f\u00fcr Deutsch an der PH, als Leiterin von Schreibwerkst\u00e4tten (seit 40 Jahren!), als Lyrik-Kolumnistin bei der Badischen Zeitung und als Buchautorin: \u201eIm f\u00fcnften Koffer ist das Meer\u201c (2012) Auch sie eine \u00dcberlebensk\u00fcnstlerin \u2013 nicht zuletzt mit Schreiben als \u00dcberlebensstrategie, so m\u00f6chte man vermuten. Ein wechselvolles Leben, reich an Begegnungen und an Eindr\u00fccken aus den verschiedensten gesellschaftlichen Kontexten.<\/p>\n<p>Was bleibt als Ertrag des Buches haften? Den Schilderungen der \u201eBegegnungen\u201c gemeinsam ist ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr das Verbindende zwischen den Menschen, f\u00fcr das, was unausgesprochen mitschwingt, f\u00fcr Resonanz (oder deren Abwesenheit) \u2013 eine Anregung f\u00fcr die Leser:innen, bei eigenen Begegnungen darauf mehr zu achten und ein \u00e4hnliches Gesp\u00fcr zu entwickeln. Eine solche Klammer und Essenz vermisst man bei den Geschichten \u00fcber die Herkunft, die famili\u00e4re Vergangenheit der Autorin. Sie verbleiben weitgehend auf der Ebene der nostalgischen R\u00fcckschau, der privaten Spurensuche, der Sammlung von Erinnerungen, der ehrenden Nachrufe. Warum sollte man sie heute lesen? W\u00fcnschen w\u00fcrde man sich \u2013 als Destillat reicher Lebenserfahrung \u2013 so etwas wie Orientierungsbojen oder Halteseile f\u00fcr unser eigenes \u00dcberleben im Strudel der Herausforderungen, im alles mitrei\u00dfenden Kielwasser <em>unserer<\/em> Zeit.<\/p>\n<p><em>Im Kielwasser der Zeit. Autofiktive Geschichten<\/em>, 176 Seiten, Derk Jan\u00dfen Verlag, Freiburg 2022<\/p>\n<\/div>\n<h5>\u00a0<\/h5>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Sylvia Schmieder: Wenn die Heimat schrumpft. In \u201eDie Ungleichzeitigen\u201c erz\u00e4hlt Philipp Brotz eine wendungsreiche Geschichte mit wunderbar klischeefreien Charakteren.<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Hagen, aufgewachsen in einem Schwarzwalddorf, ist ein sensibler, etwas versponnener junger Mann. Sein Vater wollte, dass sich das \u201eMutters\u00f6hnchen\u201c mit einem Studium im fernen Berlin gegen die raue Realit\u00e4t abh\u00e4rtet \u2013 was gr\u00fcndlich misslang. Kaum sind beide Eltern t\u00f6dlich verungl\u00fcckt, kehrt Hagen ins Elternhaus zur\u00fcck und m\u00f6chte nur noch mit der Vergangenheit kuscheln. Doch niemand scheint ihn noch zu kennen, niemand interessiert sich f\u00fcr ihn. Und sein Lieblingswald wird f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte abgeholzt. Um \u201eseinen\u201c L\u00e4rchenwald kaufen und erhalten zu k\u00f6nnen, zockt er panisch an der B\u00f6rse \u2013 und verliert alles. Dass er nicht ganz und gar verzweifelt, hat er unter anderem Adana zu verdanken, einer Jesidin, die ungeahnte Kr\u00e4fte in ihm weckt.<\/p>\n<p>\u201eHast du nie das Gef\u00fchl, dass in dem, was dich umgibt, deine Heimat immer kleiner wird?\u201c, fragt Hagen seinen Jugendfreund Jochen. Dem ist dieser \u201erechte Spruch\u201c so unheimlich, dass er Hagen ironisch an Christian verweist, einen Kollegen, der als ultrarechts gilt. Doch auch Christian wird wenige Seiten sp\u00e4ter als Charakter f\u00fcr voll genommen und nicht ausschlie\u00dflich negativ gezeichnet \u2013 obwohl er tats\u00e4chlich auch rechtsradikale Sprechblasen von sich gibt. \u201eDie Ungleichzeitigen\u201c, im Freiburger 8 Grad Verlag frisch erschienen, ist der dritte Roman des Autors Philipp Brotz. Seine St\u00e4rke sind die realistischen Figuren, die nicht in die \u00fcblichen Klischeefallen laufen \u2013 weder in rechte noch in linke. Gerade die Asylbewerber(innen) werden wohltuend differenziert gezeichnet, keineswegs \u00fcberh\u00f6ht und zum Teil auch bewusst in einer unheimlichen Schwebe gehalten \u2013 aber ebenso in ihren St\u00e4rken gezeigt. Mit den hei\u00dfen Eisen der Political Correctness geht dieser Roman immer wieder furchtlos um, und sorgt gerade so f\u00fcr wirklich \u00fcberraschende, auch humorvolle Wendungen.<\/p>\n<p><em>Philipp Brotz, Die Ungleichzeitigen. Roman. 8 grad Verlag Freiburg, 24 \u20ac<\/em><\/p>\n<\/div>\n<h5>\u00a0<\/h5>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Autor Thomas Berger: Der Roman \u201eSaling aus dem Wald\u201c von Sylvia Schmieder.<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<div id=\"attachment_4573\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4573\" src=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/K_Cover-Saling-9783946112709-194x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/K_Cover-Saling-9783946112709-194x300.jpg 194w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/K_Cover-Saling-9783946112709-600x929.jpg 600w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/K_Cover-Saling-9783946112709.jpg 640w\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" aria-describedby=\"caption-attachment-4573\" \/>\n<p id=\"caption-attachment-4573\" class=\"wp-caption-text\">edition federleicht, Frankfurt\/Main, ISBN 978-3-946112-70-9<\/p>\n<\/div>\n<p>LITERATUR ALS KUNST DES OFFENEN<\/p>\n<p>Gleich die ersten S\u00e4tze des Romans <em>Saling aus dem Wald<\/em> von Sylvia Schmieder, erschienen 2021 im Verlag edition federleicht, locken die Leser in eine geheimnisvolle Sph\u00e4re: Ein h\u00f6chst seltsames Wesen erf\u00e4hrt in unbestimmter waldiger Gegend eine dreimalige (!) Geburt, wird von der Pflanzenwelt freudig begr\u00fc\u00dft und gefeiert. \u201eDann nannten sie ihn Saling. Warum auch immer.\u201c (9) Wer oder was der solcherma\u00dfen Bezeichnete ist, der grammatikalisch im Maskulinum erscheint, bleibt im Ungef\u00e4hren: \u201emehr alles als nichts\u201c (9). Entsprechend vage andeutend ist das Coverbild gestaltet, eine Radierung der in Norddeutschland lebenden K\u00fcnstlerin O\u2019Liese: Es k\u00f6nnte sich bei dem Ausschnitt eines Waldes um die Bezugnahme auf die Herkunft Salings \u201eaus schwerer Erde, am eisig gurgelnden Bach\u201c (9) handeln.<br \/>An \u00dcberraschungen und Sonderbarkeiten ist das Buch der in Freiburg lebenden Autorin reich. So lesen wir beispielsweise, dass Saling sich gern von T\u00e4ublingen, Kresse und Wasser ern\u00e4hrt, sich aber auch andere an ihm g\u00fctlich tun, etwa Igel und Rehe, was die Erz\u00e4hlerin so kommentiert: \u201eSaling hatte seinen Spa\u00df, obwohl es wehtat.\u201c (10) Auf so g\u00e4nzlich unvermutete Weise geht es gewisserma\u00dfen Schlag auf Schlag weiter. Wir lesen, dass sich Saling verwandeln kann, und zwar mehrfach. Bei Gefahr durch Wildschweine wird er vor\u00fcbergehend zu einer Flechte, so dass er sich in den Rillenrinden eines Kastanienbaumes zu bergen vermag. Das Zusammenhalten in der Natur klingt als Thema an: Saling glaubt, \u201eetwas wie ein Kastanienlachen zu h\u00f6ren.\u201c (10) Er begreift seine Verwandlungsbegabung als \u201eLiebe\u201c (11) und nutzt sie freudig, wird liebend zu einem Farn, einer Schnecke, einer Birke, einem Ameisenbau.<br \/>Eines Tages sieht er Menschen, h\u00f6rt, wie sich die Spazierg\u00e4nger unterhalten. R\u00e4tselhaft hei\u00dft es: \u201eIhre W\u00f6rter und S\u00e4tze fand er in sich vor, nachdem er ihnen lange genug zugeh\u00f6rt hatte.\u201c (13) Als Waldwesen wei\u00df er nichts von menschlichen Behausungen. Er will die in ihm sich ausbreitenden Gedanken an die Menschen und ihre Lebensweise absch\u00fctteln, aber es gelingt ihm nicht. Sie setzen sich \u201emit kurzen, starken Wurzeln von innen \u00fcberall fest\u201c (15) \u0336 \u201eEfeu\u201c ist denn auch das erste der zweiundzwanzig Kapitel des Bandes betitelt.<br \/>Salings Verwandlungen r\u00fchren von seiner geduldigen Einf\u00fchlsamkeit her. Als Amsel macht er sich zu den Menschen auf. Doch wie ist er zu einer Schwarzdrossel geworden? \u201eErst legte er sich zu den alten Amseln in die warmstaubige Erde, spreizte wie sie alle Glieder, blinzelte an denselben Lichtpunkten entlang wie sie. Dann h\u00fcpfte er hinter ihnen her. Er warf das Laub herum und pickte, federte vom Boden hoch, vom Ast hinab, hinauf, hinunter, wieder hinauf.\u201c (14)<br \/>Zun\u00e4chst begegnet Amsel-Saling einem Jungen und einer \u00e4lteren Frau, die an einer Bushaltestelle warten. Nun wird er zu einem Menschen, genauer: zu einer Frau, wiederum durch hingebungsvolle Beobachtung. \u201eEr sah sich alles genau an. Ihre dunkelroten, struppigen Haare. Ihren rosa Mund. Die Nasenl\u00f6cher. Ihr Gesicht war viel heller und faltiger als das des Jungen. Von den Schultern bis auf die Knie trug sie ein gr\u00fcnes Kleid, und die nussharten Schuhe gl\u00e4nzten blauschwarz.\u201c (16\/17)<br \/>In der Menschwelt lernt er ihm v\u00f6llig unbekannte Dinge kennen, zum Beispiel \u201eGewitterschw\u00e4rme aus Ger\u00e4uschen, Ger\u00fcchen, Farben, Bewegungen\u201c (16). Es dauert nicht lange, bis wir merken, dass es sich trotz des m\u00e4rchenhaft anmutenden Charakters des Buches um einen Gegenwartsroman handelt: Handy (17), Notebook (39), Computerspiel (40), Corona (47), Hartz vier (48), SMS (59), wei\u00dfe Schutzmaske (56), Smoothies (100), Laptop (127), Sozialticket (149), Facebook und Twitter (155), Pandemie (160), Smartphones (163), Internet (164), SUV (171).<br \/>Auch wenn er interessiert alles Neue beobachtet und sich darauf freut, bei seiner R\u00fcckkehr in den Wald \u201evon den Menschen zu berichten\u201c (19), sind die Eindr\u00fccke, die der Protagonist empf\u00e4ngt doch ambivalent: \u201eImmer wieder zog etwas Salings Blick an und stie\u00df ihn wieder ab, bevor er irgendetwas verstanden hatte.\u201c (20) Wird er in der Menschenwelt heimisch werden? Fr\u00fch sehnt er sich nach dem Wald zur\u00fcck, doch er kennt den Weg dorthin nicht. Und da ist noch etwas: \u201eDer Wald fing damals schon an, auf ihn zu warten.\u201c (22) Dies ist erneut ein Hinweis auf die Zusammengeh\u00f6rigkeit von Saling und Wald.<br \/>Bald verl\u00e4sst er seine frauliche Gestalt. Er trifft auf einen verzweifelten Mann, der sich anschickt, Suizid zu begehen. Verwundert ruft der Mann aus: \u201eWas bist du f\u00fcr einer, um Himmels willen!\u201c (27) Saling fragt ihn nach dem Weg zur\u00fcck in den Wald. Doch dieser vom Leben Ersch\u00f6pfte vermag ihm lediglich die Richtung zu weisen.<br \/>Saling f\u00fchlt sich fremd unter den Menschen, und auch ihnen erscheint er zutiefst absonderlich. Auf vielfache Weise bedr\u00e4ngen sie ihn. Einige wollen Fotos machen, eine Journalistin will wissen, ob man ihn als \u201eetwas Au\u00dfermenschliches\u201c (75) bezeichnen k\u00f6nne und ob es sich bei den von ihm behaupteten Verwandlungen um \u201edie Fantasien eines Scharlatans\u201c (76) handele. Sie setzt ihn mit Fragen unter Druck, die auch manchen Leserinnen und Lesern des Romans durch den Kopf gehen m\u00f6gen: \u201eEin Fake? Ein inszeniertes, intelligent kalkuliertes Spiel mit uralten Mythen? Mit der Sehnsucht nach dem Aufgehobensein im Scho\u00df von Mutter Natur?\u201c (76) Saling antwortet nicht. Wir befinden uns im zehnten Kapitel des Buches, also ungef\u00e4hr in der Mitte. Es ist, als ber\u00fchrten sich hier gleichsam Phantasie und Realit\u00e4t, die Sph\u00e4re des Wundersamen und die der Tatsachen. Wenige Seiten zuvor sinniert der Protagonist selbst: \u201eVielleicht dachte sich sein verr\u00fcckter Salingkopf alles nur aus, was er sah, wirklich alle seine Erlebnisse und auch, dass er sich verwandeln konnte.\u201c (73) Sogleich folgt jedoch die interessante Aussage: \u201eAber wenn er sich nicht verwandeln konnte, war er nicht mehr der, der er war. Dann konnte er nichts, konnte sich nicht einmal selbst ausdenken \u2013 oder?\u201c (73)<br \/>Es d\u00fcrfte sich bei diesem Kapitel um das Zentrum des Romans handeln, welches das gesamte bisherige und nachfolgende Geschehen ins Offene, Uneindeutige hebt \u0336 dorthin also, wo das geistige Spiel seinen angestammten Platz in der Literatur hat, in unserem Fall die spielerische Auseinandersetzung mit der Frage der Identit\u00e4t, mit dem Gedanken der Ver\u00e4nderung, der \u00dcberwindung des Status quo sowie des Einsseins mit der Natur.<br \/>Wie geht es weiter in dem Roman, in den zahlreiche botanische und zoologische Erscheinungen eingestreut sind? Das Interview wird vom Privatfernsehen ausgestrahlt. Saling wird zu einem \u00f6ffentlichen Ph\u00e4nomen, sehr zu seinem Leidwesen. Menschen locken ihn mit dem Versprechen, ihn in den Wald zur\u00fcckzubringen. Doch l\u00e4ngst ist die Polizei hinter ihm her. Nur m\u00fchsam gelingt es ihm, sich ihr dank seiner Verwandlungskunst zu entziehen. Einem Mann, der glaubt, an Leuk\u00e4mie erkrankt zu sein, und ihn fragt, was die Waldwesen in Krankheitsf\u00e4llen machen, gibt er den ganz allgemein bedenkenswerten Rat: \u201eNichts ist manchmal mehr als etwas.\u201c (116) Und wirklich: Der eingebildete Kranke begreift: \u201eich soll also aufh\u00f6ren, in diesen ewigen Aktionismus zu verfallen, die Krankheit unserer Zeit, das ist es doch. Ich soll aufh\u00f6ren, das Internet zu durchforsten, Medikamente, Therapien, alternative Heilmethoden auszuprobieren, Seminare, Retreats, Vortr\u00e4ge zu besuchen \u2026\u201c. (117)<br \/>In den letzten Kapiteln zeichnet sich endlich eine L\u00f6sung f\u00fcr Saling ab. Ein Arbeitsloser nimmt ihn in seine Kellerwohnung mit. Sie kommen in ein Gespr\u00e4ch. Saling erscheint als Mensch, verwandelt sich jedoch bald in ein Drachenb\u00e4umchen. Als ein solches erkennen ihn die beiden Polizisten nicht, die an der T\u00fcre klingeln \u0336 \u201eRechercheroutine\u201c (160), sagen sie. Der Mieter bringt dem Drachent\u00f6pfchen-Saling Verst\u00e4ndnis entgegen und bringt ihn im Schutz der \u201eFinsternis\u201c, so der Titel des letzten Kapitels, in den Wald zur\u00fcck.<br \/>Lange brauchen die Waldtiere, ehe sie Saling erkennen. Dieser stirbt nach einer gewissen Zeit ab, wird eins mit der Erde. Und nun wissen die Waldwesen, um wen es sich handelt. Nach wiederum sehr langer Zeit ersteht er neu. Geschickt schafft die Verfasserin einen erz\u00e4hlerischen Rahmen. Auf ersten Seite ihres Textes erw\u00e4hnt sie eine \u201ealte Buche, die sie die Gro\u00dfe Beruhigung nannten\u201c (9), und auf der letzten Seite beschreibt sie Salings Neuwerdung folgenderma\u00dfen: \u201eEr erkannte sie gleich, seine Gro\u00dfe Beruhigung, die eben ein Blatt verlor. Gelb, braun, zu dritt, viert lagen sie in der Luft, fielen auf ihn zu, im tiefen Wald, am laubigen Hang. Und Saling schoss hoch auf.\u201c (173)<br \/>Der Protagonist des Romans ist als sympathisches, gutm\u00fctiges Wesen gestaltet, das Z\u00e4rtlichkeit zu empfinden vermag. Anr\u00fchrend ist zum Beispiel die Episode, in der er auf eine Neunj\u00e4hrige trifft. Die beiden freunden sich in liebevoller Weise an.<br \/>Auch sprachlich ist das Buch ansprechend gestaltet. Zwei Kostproben: \u201eUnd pl\u00f6tzlich\u201c, lesen wir \u00fcber den sich in einen Vogel verwandelnden Saling, \u201elag er auf der Luft! Sie war bachwasserkalt, die Luft, die ihn trug. Flaumig wie Moos strich sie am Bauch entlang, hob ihn hoch in die Kronen, torkelherrlich war das!\u201c (14) Und ein Ausschnitt aus einer Waldbeschreibung: \u201eLedern ragten Semmelstoppelpilze, Riesen im Wirrwarr, die einen Himmel bildeten, \u00fcber dem sich weitere Himmel t\u00fcrmten, ein farblos flirrendes Universum, unergr\u00fcndlich und sehr anstrengend.\u201c (62)<br \/>F\u00fcr wen ist dieser Roman geschrieben? F\u00fcr alle, die sensibel genug sind, sich bezaubern zu lassen, und die gleichwohl den harten Boden der Wirklichkeit nicht ausblenden wollen. F\u00fcr m\u00fcndige Leserinnen und Leser, welche das Offene und die Mehrdeutigkeit zu sch\u00e4tzen wissen. \u201eDas Lesen ist immer ein Umzug, eine Reise, ein Fortgehen, um sich zu finden\u201c, befand der spanische Schriftsteller Antonio Basanta Reyes. <em>Saling aus dem Wald<\/em> ist in diesem Sinne ein treffliches Exempel gegl\u00fcckter Literatur und Leseerfahrung\u00a0 \u0336\u00a0 wahrhaft ein jeu d\u2019esprit!<\/p>\n<\/div>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4>Lesetipp von Renate Schauer: Sarah Moss, <em>Gezeitenwechsel. <\/em>Spannender Familienalltag.<\/h4>\n<p>Bestechend finde ich hier, wie Alltag beschrieben wird. Familienalltag, wohlbemerkt. Konflikt- bzw. Sorgenpotential liefert eine Krankheit, die schwer einzuordnen ist, aber in das Familienleben eingeordnet werden muss: Die 15-j\u00e4hrige Tochter bleibt einige Momente ohne Bewusstsein und ohne Atem. Eine Allegie? Eine Erbkrankheit? Immer wieder bange Fragen: Atmet sie noch? Wird ihre kleine Schwester auch dieses Symptom erleiden?<\/p>\n<p>Es geht also um den normalen Ablauf, in dem eine Br\u00fcchigkeit Platz greift, die wom\u00f6glich sogar lebensbedrohlich ist. Die Mutter eine chronisch \u00fcberlastete \u00c4rztin, ihr Mann Vollzeitvater und &#8222;nebenbei&#8220; Dozent. Aus seiner Perspektive wird die Geschichte erz\u00e4hlt. Die britische Schriftstellerin Sarah Moss, geb. 1975, schl\u00fcpft also in den Kopf eines Mannes.<\/p>\n<p>Leider schweift er zu oft ab zum Schicksal der Coventry Cathedral. Was die Planung von deren Wiederaufbau mit dem Schicksal seiner Familie &#8211; auch symbolhaft &#8211; zu tun haben k\u00f6nnte, erschlie\u00dft sich mir nicht. Sie streckt das Buch unvorteilhaft. Doch irgendwie muss sich der Vater ja ablenken von der Eint\u00f6nigkeit der Hausarbeit und den Sorgen um die T\u00f6chter. Wenn er die Geschichte seiner Eltern erz\u00e4hlt, ist das logisch und erhellend.<\/p>\n<p>Wir wissen nicht, wie sich die Familienmitglieder letztlich entwickeln. Irgendwann ist diese sorgenvolle Episode auserz\u00e4hlt. Sarah Moss trifft an der richtigen Stelle die Entscheidung, dass wir genug an dem Lebensabschnitt partizipiert haben.<\/p>\n<p><em>mareverlag GmbH; Februar 2019, \u00a0327 Seiten, 24 Euro<\/em><\/p>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp: Eva C. Zellers Gedichtband \u201eProviant von einer unbewohnten Insel\u201c driftet zwischen Fels und Meer, Wort und Welt.<\/h4>\n<div class=\"byline\"><time class=\"published\" title=\"Montag, April 25th, 2022, 4:04 pm\" datetime=\"2022-04-25T16:04:50+02:00\">25. April 2022<\/time> \u00b7 by <span class=\"author vcard\"><a class=\"url fn n\" title=\"Sylvia Schmieder\" href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?author=2\" rel=\"author\">Sylvia Schmieder<\/a><\/span> \u00b7 in <span class=\"category\"><a href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?cat=1\" rel=\"tag\">Nachrichten<\/a><\/span> \u00b7 <span class=\"edit\"><a class=\"post-edit-link\" title=\"Edit Beitrag\" href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-admin\/post.php?post=4871&amp;action=edit\">Edit<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4872\" src=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/COV_Zeller_Proviant_L-199x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/COV_Zeller_Proviant_L-199x300.jpg 199w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/COV_Zeller_Proviant_L.jpg 500w\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" \/>Wasser und Land in allen Varianten. Souver\u00e4n spielt die mehrfach ausgezeichnete Lyrikerin Eva C. Zeller auf verschiedenen Klaviaturen, mal lautmalerisch, mal asketisch karg, erz\u00e4hlend oder meditativ, tr\u00e4umend oder hart an der Realit\u00e4t. Die Betrachterin, Beschreiberin hat ein so einfaches wie gro\u00dfes Ziel: <em>den ausschnitt als welt begreifen\/das r\u00e4tsel vergr\u00f6\u00dfern<\/em>. Die Natur ist selten nur sch\u00f6n, immer auch verschlossen, grausam, t\u00f6dlich. Ein vom Verlag sehr h\u00fcbsch gestalteter Leseproviant, f\u00fcr alle, die sich treiben lassen wollen, um nirgends anzukommen.<\/p>\n<p><em>Eva C. Zeller, \u201eProviant von einer unbewohnten Insel\u201c. Gedichte. kl\u00f6pfer.narr, 20 \u20ac<\/em><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Ein Tipp von Susanne Hartmann: lyrische und gemalte Postkarten als kleine Freiburger Kostbarkeiten.<\/h4>\n<div class=\"byline\"><time class=\"published\" title=\"Dienstag, Juli 27th, 2021, 5:54 pm\" datetime=\"2021-07-27T17:54:54+02:00\">27. Juli 2021<\/time> \u00b7 by <span class=\"author vcard\"><a class=\"url fn n\" title=\"Sylvia Schmieder\" href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?author=2\" rel=\"author\">Sylvia Schmieder<\/a><\/span> \u00b7 in <span class=\"category\"><a href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?cat=1\" rel=\"tag\">Nachrichten<\/a><\/span> \u00b7 <span class=\"edit\"><a class=\"post-edit-link\" title=\"Edit Beitrag\" href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-admin\/post.php?post=4552&amp;action=edit\">Edit<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<div>\n<p class=\"p1\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4556\" src=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KDreisamuferweg-Sommer1-225x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KDreisamuferweg-Sommer1-225x300.jpg 225w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KDreisamuferweg-Sommer1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KDreisamuferweg-Sommer1-600x800.jpg 600w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KDreisamuferweg-Sommer1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KDreisamuferweg-Sommer1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KDreisamuferweg-Sommer1.jpg 1920w\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/>Ein Tipp von Dr. Susanne Hartmann, Autorin, Journalistin, Kulturanthropologin<\/em><\/p>\n<p class=\"p1\">Die Freiburger Schriftstellerin Sylvia Schmieder hat wundersch\u00f6n poetische Bilder\u00a0entworfen, in ihren Gedichten, die wie eine Hommage an die Stadt Freiburg und ihre Umgebung klingen.\u00a0Untermalt hat diese der K\u00fcnstler Ulrich Birtel mit sinnlich strahlenden Aquarellen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Bilder zeigen uns Altbekanntes, \u00dcberraschendes und mitunter Komisches. Da summt die Altstadt vorbei,\u00a0wenn jemand in der Stra\u00dfenbahn durchs Schwabentor f\u00e4hrt. Am Dreisamufer macht ein Riesenkiesel\u00a0seinen urzeitlichen R\u00fccken rund und ein Mann sitzt lesend in einer Pf\u00fctze. An einem See am Schauinsland\u00a0erscheinen Libellen wie Smaragdnadeln. Doch auch kritische Beobachtungen und Gedanken finden sich in den Gedichten. Wenn etwas hakelt im\u00a0gesch\u00e4ftigen Treiben oder jemand in seinen Schlafsack hustet. Nicht nur die fein gewobene Poesie\u00a0Sylvia Schmieders tr\u00e4gt uns durch Freiburg und die Umgebung, sondern auch die ansprechenden kolorierten Zeichnungen Ulrich Birtels.<\/p>\n<p class=\"p1\">F\u00fcnf Gedichte plus f\u00fcnf Motive auf je einer Doppelkarte, gef\u00f6rdert vom Kulturamt der Stadt. Zu haben sind die kleinen Kunstwerke in den Freiburger Buchhandlungen Rombach, Jos Fritz, Schwarz (Wiehre) und Vogel (Littenweiler) oder online bestellbar \u00fcber <a href=\"https:\/\/sylvia-schmieder.de\">sylvia-schmieder.de<\/a>. Sie kosten 2,70 Euro das St\u00fcck. Und passen wunderbar zum Verschenken, Aufbewahren, Lesen, Vorlesen und nat\u00fcrlich zum Anschauen.<\/p>\n<hr \/><\/div>\n<\/div>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Rita Lamm: \u201eVerzauberter April\u201c von Elisabeth von Arnim.<\/h4>\n<div class=\"byline\"><time class=\"published\" title=\"Mittwoch, Mai 12th, 2021, 12:12 pm\" datetime=\"2021-05-12T12:12:58+02:00\">12. Mai 2021<\/time> \u00b7<\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4446\" src=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Verzauberter-April_1-scaled-e1620814156294-169x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Verzauberter-April_1-scaled-e1620814156294-169x300.jpg 169w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Verzauberter-April_1-scaled-e1620814156294-576x1024.jpg 576w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Verzauberter-April_1-scaled-e1620814156294-768x1365.jpg 768w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Verzauberter-April_1-scaled-e1620814156294-600x1067.jpg 600w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Verzauberter-April_1-scaled-e1620814156294-864x1536.jpg 864w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Verzauberter-April_1-scaled-e1620814156294-1152x2048.jpg 1152w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Verzauberter-April_1-scaled-e1620814156294.jpg 1440w\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"300\" \/>Im Februar\u00a0 nahm ich im Vorbeigehen\u00a0 aus einer \u201eZu\u00a0 Verschenken-Kiste\u201c ein Buch mit.<\/p>\n<p><em>Verzauberter April<\/em> von Elisabeth von Arnim.<br \/><em>Ein mediterraner Fr\u00fchlingstraum<\/em><\/p>\n<p><em>An jene, die Glyzinen und Sonnenschein zu sch\u00e4tzen wissen. Kleines mittelalterliches Castello an der italienischen\u00a0 Mittelmeerk\u00fcste f\u00fcr den Monat April zu vermieten. \u00a0The Times<\/em><\/p>\n<p>Auf diese Anzeige brechen vier ernste englische Damen aus ihrem Alltagsleben im London der zwanziger Jahre nach Italien auf. Dort entdecken sie nicht nur die Verzauberungskraft der prachtvollen Natur, sondern ganz beil\u00e4ufig auch sich selbst. \u00a0( So der Klappentext auf der R\u00fcckseite.)<\/p>\n<p>Letztens war mir nach fr\u00fchlingshafter Verzauberung \u2013 und tats\u00e4chlich. Diese leichte Lekt\u00fcre entf\u00fchrte mich erst ins London der zwanziger Jahre und dann bald in den Fr\u00fchling nach Italien. Der Lockruf der Anzeige, die Vorbereitungen und das Abenteuer des Aufbruchs und der Reise und dann die Tage und Stunden in diesem wundersch\u00f6nen Castello und dem \u00fcppigen Garten am Meer\u2026<br \/>Die Verstrickungen und die emotionalen Wandlungen der Damen werden mit viel charmanter und liebevoller Ironie und englischem Witz erz\u00e4hlt. Ich musste zeitweise laut auflachen und wurde mitverzaubert. Wunderbar und nur zu empfehlen.<\/p>\n<p>Ein Geschenk aus der Kiste! Danke!<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<h4>Lesetipp von Arne Bicker: &#8222;Lustprinzip&#8220; von Rebekka Kricheldorf. Selbstfindungsprozess im Berlin der Nachwendezeit.<\/h4>\n<p>Gelegeneheit macht Liebe, sagt man, und die Corona-Krise macht B\u00fccher. So simpel erkl\u00e4rt sich das Zustandekomen des Romans \u201eLustprinzip\u201c von Rebekka Kricheldorf (Rowohlt). Die geb\u00fcrtige Freiburgerin lebt in Berlin, ist vielfach ausgezeichnete Theaterdramaturgin und hat in den letzten Monaten mangels Theaterarbeit mal eben einen Roman verfasst. Und dieses Deb\u00fct ist ein gro\u00dfer Wurf, die 240 Seiten entfalten eine fast schon unheimliche Wucht und einen schw\u00e4renden Lesesog: Larissa, Hauptfigur des Romans, durchlebt im Berlin der Nachwendezeit einen schmerzlich stagnierenden Selbstfindungsprozess zwischen Hausbesetzer-Szene, Berliner Nachtleben und Humboldt-Universit\u00e4t. Die Autorin beschreibt in direkten, unverbl\u00fcmten und fesselnden Worten eine permanente Selbst- und Au\u00dfenhinterfragung, die sich fortw\u00e4hrend zu drehen und zu winden scheint wie ein Windows-Bildschirmschoner, und wie ein solcher doch nicht vom Fleck kommt. Kricheldorf beherrscht die Kunst, scheinbar Lapidares pulsieren zu lassen, ihre Worte durchlodern f\u00f6rmlich einen fortw\u00e4hrenden Tanz auf einem Vulkan der zum Scheitern verdammten Auflehnung gegen staatliche Autorit\u00e4ten und b\u00fcrgerlichen Meinungsbeton \u2013 ein Leben, in dem Drogen, Alkohol, Sex und Kultliteratur verschlungen werden wie von einem ewig rastlosen Packman, der stets das gleiche Labyrinth durchstreift, immer auf der Suche nach der n\u00e4chsten Krafttablette, und stets in Gefahr von \u00fcberall lauernden Gespenstern pulverisiert zu werden, deren \u00dcberzahl erdr\u00fcckend scheint. \u201eLustprinzip\u201c ist Einblick, mitrei\u00dfende Erz\u00e4hlung, Unentrinnbarkeit, Stakkato der Emotionen und Zust\u00e4nde. Stark.<\/p>\n<p><em>\u201eLustprinzip\u201c von Rebekka Kricheldorf, Rowohlt Berlin, erschienen am 16.02.2021, 240 Seiten, 20 Euro.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp: \u201eMein Amrum\u201c von Annette Pehnt. Eine sanfte Schule der \u201egenauen Leidenschaft\u201c.<\/h4>\n<div class=\"byline\"><time class=\"published\" title=\"Mittwoch, August 26th, 2020, 11:07 am\" datetime=\"2020-08-26T11:07:30+02:00\">26. August 2020<\/time> \u00b7 by <span class=\"author vcard\"><a class=\"url fn n\" title=\"Sylvia Schmieder\" href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?author=2\" rel=\"author\">Sylvia Schmieder<\/a><\/span> \u00b7 in <span class=\"category\"><a href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?cat=1\" rel=\"tag\">Nachrichten<\/a><\/span> \u00b7 <span class=\"edit\"><a class=\"post-edit-link\" title=\"Edit Beitrag\" href=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-admin\/post.php?post=4132&amp;action=edit\">Edit<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4134\" src=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mein-amrum-Annette-Cover81k8Pyxg2-L-186x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mein-amrum-Annette-Cover81k8Pyxg2-L-186x300.jpg 186w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mein-amrum-Annette-Cover81k8Pyxg2-L-636x1024.jpg 636w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mein-amrum-Annette-Cover81k8Pyxg2-L-768x1236.jpg 768w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mein-amrum-Annette-Cover81k8Pyxg2-L-600x965.jpg 600w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mein-amrum-Annette-Cover81k8Pyxg2-L-955x1536.jpg 955w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mein-amrum-Annette-Cover81k8Pyxg2-L-1273x2048.jpg 1273w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mein-amrum-Annette-Cover81k8Pyxg2-L.jpg 1591w\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"300\" \/>Ein Buch f\u00fcr Amrum-Liebhaber? Oder \u2013 in Covid-19-Zeiten \u2013 ein schmaler Reiseersatz? Nicht nur. Annette Pehnts \u201eMein Amrum\u201c nennt sich nicht Roman und ist auch keiner, k\u00f6nnte viel mehr poetisch-autobiografischer Reisebericht genannt werden, mit Einsch\u00fcben zur nahen und fernen Vergangenheit der Insel und der Erz\u00e4hlerin. Das Besondere, \u00dcberraschende an diesem Buch ist f\u00fcr mich aber die behutsame Kraft, die es entfaltet, wohl \u00e4hnlich der Natur auf der Insel (die ich nicht kenne). Nichts Sensationelles geschieht. Stattdessen ist immer wieder einmal die Rede von un\u00fcbersichtlich vielen Haupt- und Nebensachen, von der heilsamen Verwechslung des Wichtigen mit dem Unwichtigen, vom bewussten Verlaufen zwischen den D\u00fcnen. Gerade in Zeiten eines aufgeregt marktschreierischen Literaturmarktes tut die Zur\u00fcckhaltung dieses Textes ungeheuer gut. Ich werde zum genauen Sehen eingeladen, zum sorgf\u00e4ltigen Wahrnehmen von Wirklichkeit, statt zur Verkl\u00e4rung, \u00dcbertreibung, Effekthascherei. Dabei wird mir nicht zuletzt bewusst gemacht, dass auch das Erz\u00e4hlen die Verg\u00e4nglichkeit nicht aufhalten kann:<br \/><em>Texte: Archive der kleinen Dinge, mit genauer Leidenschaft erfasst, unerm\u00fcdlich geordnet, bis jedes Detail sichtbar wird. Aber dass sich Staub absetzen kann, dass die Ordnungen in Vergessenheit geraten und die Dinge wieder in ihre Zuf\u00e4lligkeit zur\u00fccksinken \u2013 das kann niemand verhindern. <\/em><\/p>\n<p><em>Annette Pehnt, Mein Amrum. Mare Verlag, 18\u20ac.<\/em><\/p>\n<p>https:\/\/www.mare.de\/buecher\/mein-amrum-8293<\/p>\n<hr \/><\/div>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp von Rita Lamm: \u201eEin Leben mehr\u201c von Jocelyne Saucier. Drei alte M\u00e4nner, zur\u00fcckgezogen in den kanadischen W\u00e4ldern lebend, bekommen Besuch.<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><em>Von Rita Lamm, Merzhausen. <a href=\"http:\/\/www.ritalamm.de\">www.ritalamm.de <\/a><\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4070\" src=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/saucier-51zX-xsTk9L._SX309_BO1204203200_-187x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/saucier-51zX-xsTk9L._SX309_BO1204203200_-187x300.jpg 187w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/saucier-51zX-xsTk9L._SX309_BO1204203200_.jpg 311w\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" \/>Das Setting: Drei alte M\u00e4nner haben sich in die kanadischen W\u00e4lder zur\u00fcckgezogen; Tom, der viele Namen tragen k\u00f6nnte, Charlie und Ted. Jeder lebt in seiner eigenen H\u00fctte. Sie gehen Angeln, sitzen zusammen, reden \u00fcber das Leben und den Tod. Es geht ihnen um die Freiheit sich das Alter so zu gestalten, wie man will und auch \u00fcber das Ende des eigenen Lebens zu bestimmen, oder eben einen Freund zu bitten, das t\u00f6dliche Gift zu verabreichen.<\/p>\n<p>Eine Fotografin kommt zu ihnen in den Wald. Sie sucht Bildmaterial zu den gro\u00dfen Feuern des vergangenen Jahrhunderts. Sie wird nicht wirklich in der Gemeinschaft geduldet. <em>\u201eSie habe ja kein eigenes Leben.\u201c\u00a0 <\/em>Zu diesem Zeitpunkt war Ted gerade gestorben. Ted, ein Mann, <em>wie eine offene Wunde. <\/em>Er war der Junge, der bei den gro\u00dfen Br\u00e4nden eine Woche lang durch die Feuerbr\u00fcnste getaumelt war. Ted, der unendlich viele Bilder gemalt hatte und immer in die zwei Posson-Zwillingsschwestern verliebt war; eine unerf\u00fcllte Liebe.<\/p>\n<p>Dann gibt es pl\u00f6tzlich noch eine alte Dame namens Marie- Desneige.<br \/>Sie ist s<em>o gro\u00df, wie ein zw\u00f6lfj\u00e4hriges Kind<\/em> und <em>\u00a0ging mit M\u00e4useschritten<\/em>.<br \/>Sie verbrachte den Gro\u00dfteil ihres Lebens in einer psychiatrischen Anstalt und ist die Tante von Bruno, einem Freund der alten Herren, der die Verbindung nach drau\u00dfen in die Zivilisation ist und viel kifft. Marie Desneige erh\u00e4lt eine eigene, liebevoll gebaute H\u00fctte.<br \/>Charlie und Marie Desneige finden sich und erleben eine z\u00e4rtliche Altersliebe. So r\u00fccken die Gedanken an den Tod und das Ende weit weg.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlweisen und Perspektiven wechseln und so entsteht die Geschichte als Ganzes. Es ist ein Mosaik, das sich zusammenf\u00fcgt. Die Sprache ist zart und liebevoll und doch bildgewaltig. Gerne ist man mit dabei in der Wildnis der kanadischen W\u00e4lder und gerne l\u00e4sst\u00a0 man sich ber\u00fchren von der Menschlichkeit der Figuren in ihren anscheinend bescheidenen Leben.<\/p>\n<p><em>Jocelyne Saucier, \u201eEin Leben mehr\u201c. Insel TB, 10 \u20ac<\/em><\/p>\n<hr \/><\/div>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp: Sisyphos in Klickpedalen. Joachim Zelters \u201eIm Feld\u201c ist eine brillante Parabel auf eine Sinnsuche, die die verzweifelte Anstrengung zum Wert an sich erkl\u00e4rt.<\/h4>\n<div class=\"byline\"><time class=\"published\" title=\"Montag, September 9th, 2019, 5:25 pm\" datetime=\"2019-09-09T17:25:43+02:00\">9. September 2019<\/time> \u00b7 by <span class=\"author vcard\"><a class=\"url fn n\" title=\"Sylvia Schmieder\" href=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?author=2\" rel=\"author\">Sylvia Schmieder<\/a><\/span> \u00b7 in <span class=\"category\"><a href=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?cat=1\" rel=\"tag\">Nachrichten<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Der in Freiburg geborene Joachim Zelter hat sich mit Romanen wie \u201eBriefe aus Amerika\u201c, \u201eSchule der Arbeitslosen\u201c und \u201eDer Ministerpr\u00e4sident\u201c einen Namen gemacht und zahlreiche Preise gewonnen. Doch sein Roman \u201eIm Feld\u201c lag lange ungelesen bei mir herum. Ein Rennradfahrerroman? Nichts f\u00fcr mich!, war ich mir sicher. Aber einmal begonnen, las ich ihn an einem Tag, unterbrochen von minimalen Pausen zur Nahrungsaufnahme, und hatte mich am Ende nicht nur diesbez\u00fcglich tief in den Protagonisten eingef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Frank Staiger ist frisch nach Freiburg im Breisgau gezogen, ohne so recht zu wissen, warum. Sein Leben ist leer, seine Lebensgef\u00e4hrtin macht sich Sorgen. Sie ist es, die den Hobbyrennradler auf einen Verein aufmerksam macht \u2013 und die Parforce-Fahrt beginnt: Unversehens ger\u00e4t er in eine Gruppe, die alles, aber auch wirklich alles aus sich herausholt. Dem Sog dieser Geschichte zu widerstehen ist auch deshalb so schwer, weil sie ganz unaufdringlich als Parabel erz\u00e4hlt wird: auf Leistungsdruck, Leidenschaft, Verschmelzungssehnsucht, ja auf das Leben \u00fcberhaupt. Schon das vorangestellte Motto, ein Camus-Zitat aus dem \u201eMythos von Sisyphos\u201c, zeigt, wo es langgeht: Richtung Sinnsuche in absoluter Sinnlosigkeit. All die gesichtslosen M\u00e4nner und Frauen, nur nach ihren Markenr\u00e4dern benannt, sind auf der Flucht, fahren ihren Lebenskrisen davon, reiben sich verzweifelt auf, in dem Glauben, ihre Anstrengung sei ein Wert f\u00fcr sich. Ihr charismatischer F\u00fchrer Landauer scheint ja m\u00f6rderische Berge hinauf zu schweben wie eine Wolke. Er schenkt ihnen kleine Momente des (scheinbaren) Erkanntwerdens und beschw\u00f6rt die Gemeinschaft, den \u201egeschlossenen Verband\u201c. Im Gef\u00fchl, zu den Erw\u00e4hlten zu geh\u00f6ren, toleriert auch Frank sein zunehmend tyrannisches Verhalten, das keine Pause zul\u00e4sst, kein Ausscheren. Bis auch die letzten Helden \u201efriedlich fallen\u201c.<\/p>\n<p>Zuvor erinnerte sich der gebildete Akademiker Frank noch wie im Flug an Bernard Shaws \u201ePygmalion\u201c als einer Geschichte, in der es um die besondere Kraft der Bildung geht. \u201eWas f\u00fcr eine r\u00fchrselige, absurde und dumme Geschichte\u201c, urteilt er, keine Pedalumdrehung auslassend. Heute verhalte sich alles genau umgekehrt: Um \u00fcberhaupt \u00fcberleben zu k\u00f6nnen, m\u00fcsse man sich \u201eentbilden\u201c, \u201eentgeistigen\u201c. Erz\u00e4hlt werden m\u00fcsse die Geschichte eines Mannes, der seinen Verstand \u201emit letzter Kraft herauspumpt, herauspedaliert, herausf\u00e4hrt. (\u2026) Habe den Mut, dich deiner eigenen Dummheit zu bedienen!\u201c Eine tiefschwarze Erkenntnis, der immerhin ein halb vers\u00f6hnter Schluss folgt.<\/p>\n<p><em>Joachim Zelter, Im Feld. Roman einer Obsession. Kl\u00f6pfer &amp; Meyer, 20 \u20ac<\/em><\/p>\n<hr \/><\/div>\n<div>\n<h4>Lesetipp: \u201eDer Fluch des Blutaltars\u201c, der historische Roman zur Walld\u00fcrner Wallfahrt von Anne Grie\u00dfer ist eine spannende, sorgf\u00e4ltig recherchierte Reise in die fr\u00fche Neuzeit.<\/h4>\n<\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><em>von Dr. Susanne Hartmann, Kulturanthropologin, Autorin, Journalistin<\/em><\/p>\n<p><strong>Verschw\u00f6rungstheorien im alten Kleid<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Fluch des Blutaltars\u201c f\u00fchrt in die Wirren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges und spielt in den Jahren 1619 bis 1626.<\/p>\n<p>Philipp, Abk\u00f6mmling der Bildhauerfamilie Juncker, erleidet einen folgenschweren Unfall. Er ger\u00e4t in gef\u00e4hrliche Situationen, welche, davon sei an dieser Stelle nicht zu viel verraten.<\/p>\n<p>Krieg, Hungersn\u00f6te und pers\u00f6nliche Motive l\u00e4sst die Menschen \u00fcberall Hexenverschw\u00f6rungen wittern. Selbst Philipps gro\u00dfe Liebe Katharina wird angeklagt. Das Zentrum des Historischen Romans zur Walld\u00fcrner Wallfahrt bildet der Heilig-Blut-Altar, den Zacharias Juncker, Philipps Bruder, gestaltet. Bald findet sich der Altar mit Blut \u00fcbergossen. Ein fauliger Geruch liegt in der Luft. Sind etwa Hexen am Werk?<\/p>\n<p>Die preisgekr\u00f6nte Krimi-Autorin und Freiburger Schriftstellerin Anne Grie\u00dfer versteht es wunderbar, den Leser in Bann zu ziehen. Sie tut das unterhaltsam und informativ zugleich.<\/p>\n<p>Wir ziehen mit dem Helden der Geschichte durch den badischen Odenwald. Wir entsetzen uns mit ihm \u00fcber die Verbrennung angeblicher Hexen. Wir f\u00fcrchten, ob er Katharina aus den F\u00e4ngen der Hexenverfolger retten kann. Wir freuen uns, wenn er unerwartete Freundschaften schlie\u00dft oder die Frauen ganz neu kennenlernt. Er ger\u00e4t unter die Landsknechte, versucht sein Gl\u00fcck in Wahrsagerei. Ein Gelehrter nimmt ihn unter seine Fittiche. Seine gro\u00dfe Liebe Katharina aber kann er nicht vergessen.<\/p>\n<p>Nicht nur die Welt des Philipp Juncker entfaltet sich vor uns, sondern auch die Welt der Fr\u00fchen Neuzeit. Eine Zeit, in der Menschen gefoltert und umgebracht wurden, nur weil andere sie der schwarzen Magie bezichtigten. Aber auch eine Epoche, in der die Wissenschaften voranschritten.<\/p>\n<p>Jede Seite des sorgf\u00e4ltig recherchierten Buches nimmt uns mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit.<\/p>\n<p><em>Anne Grie\u00dfer, Der Fluch des Blutaltars, Historischer Roman zur Walld\u00fcrner Wallfahrt. Silberburg Verlag, 336 Seiten, ISBN: 978-3-8425-2139-1, <\/em>14,99 \u20ac<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4>Lesetipp: Die Anthologie \u201eBilder einer Ausstellung\u201c transportiert Mussorgskys Musik in Geschichten, Lyrik und Bilder.<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<div class=\"mail-detail-content noI18n colorQuoted simple-mail\">\n<div id=\"ox-807869a764\">\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-3056\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/bilder-einer-ausstellung-adr28cover500-300x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" srcset=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/bilder-einer-ausstellung-adr28cover500-300x300.jpg 300w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/bilder-einer-ausstellung-adr28cover500-150x150.jpg 150w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/bilder-einer-ausstellung-adr28cover500.jpg 500w\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/>von Jochen Striewisch<\/em><\/p>\n<p>Ich mache keinen Hehl daraus: \u201eBilder einer Ausstellung\u201c von Modest Mussorgsky ist f\u00fcr mich neben der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven das klassische St\u00fcck schlechthin. Die \u201eBilder\u201c und ich haben uns vor zig Jahren gefunden und sind seitdem die besten Freunde. Das spiegelt sich nicht nur in meiner Sammlung von \u00fcber 40 verschiedenen Einspielungen wider (Klavier, Orchester, Gitarre, Orgel, Jazz\u2026- wobei sie lange noch nicht vollz\u00e4hlig ist), sondern auch darin, dass ich quadratisch im Kreis gesprungen bin, als mich Marianne Labisch zu einer Leserunde einer Anthologie zu \u201eBilder einer Ausstellung\u201c eingeladen hat. Okay, ich versuche den \u00dcbertreibungsmodus jetzt mal auszuschalten.<\/p>\n<p>Tatsache ist und bleibt jedoch, dass die an der im p.machinery-Verlag erschienenen Anthologie beteiligten K\u00fcnstler und Autoren (ich schlie\u00dfe hier K\u00fcnstlerinnen und Autorinnen mit ein), hervorragende Arbeit in Bezug auf die Umsetzung geleistet haben. Die neu entstandenen Bilder sind durchweg gro\u00dfe Klasse, transportieren perfekt die Stimmung in die nachfolgenden Lyriktexte von Gerd Scherm oder die den Bildern folgenden Prosatexte. Allerdings h\u00e4tten die Bilder f\u00fcr meine Begriffe teilweise noch gr\u00f6\u00dfer sein k\u00f6nnen. Ich vermag allerdings nicht zu sagen, ob es an dem EBook-Format liegt \u2013 einen Vergleich kann ich erst machen, wenn ich die gedruckte Version in H\u00e4nden halte. Das ist dann aber schon der einzige marginale Kritikpunkt, den ich an dieser Anthologie habe.<\/p>\n<p>Die Geschichten reichen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart (teilweise auch beides gleichzeitig), f\u00fcllen mit ihren Inhalten die ein oder andere Wissensl\u00fccke der Leserschaft und lassen diese \u00fcber die Kraft der Kunst, der Musik und (kritisch) \u00fcber die immer weiter fortschreitende Hologrammtechnologie (\u201ePas de deux\u201c von Gabriele Behrend) nachdenken. Hinzu kommen paranormale (\u201eIgnoranz stirbt nie\u201c von Verena Jung) sowie Fantasy- und Horrorelemente (\u201eDie H\u00fctte der Baba Jaga\u201c von Detlef Klewer) und nat\u00fcrlich Humor der feinsten Sorte (\u201eDer Plan\u201c von Marianne Labisch).<\/p>\n<p>Zur Geschichte \u201eDer Weg des Gnomus\u201c von F.A. Peters gibt es zudem einen separaten Band; (Gnomus oder Der K\u00f6nig, der nicht lachte) ebenfalls erschienen im p.machinery-Verlag.<\/p>\n<p>Aufgewertet wird diese wirklich rundum runde Anthologie von einer umfassenden Auflistung von verschiedenen Einspielungen von \u201eBilder einer Ausstellung\u201c oder Teilen derselben.<\/p>\n<p>5* deluxe!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><em>Marianne Labisch, Marco Habermann, Gerd Scherm (Hrsg.)<\/em><br \/><em>BILDER EINER AUSSTELLUNG<\/em><br \/><em>Au\u00dfer der Reihe 28<\/em><br \/><em>p.machinery, 132 Seiten<\/em><br \/><em>Paperback: ISBN 978 3 95765 143 3 \u2013 EUR 14,90<\/em><br \/><em>Hardcover: ISBN 978 3 95765 144 0 \u2013 EUR 25,90 <\/em><br \/><em>E-Book: ISBN 978 3 7438 8153 2 \u2013 EUR 7,49 <\/em><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<h4>Lesetipp: &#8222;Ein anderes Leben findest du allemal&#8220; von Renate Kl\u00f6ppel<\/h4>\n<p><em>von Patrik Schulz<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2892\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Renate-Kloeppel_Ein-anderes-Leben.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Renate-Kloeppel_Ein-anderes-Leben.jpg 218w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Renate-Kloeppel_Ein-anderes-Leben-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/>Nach 25 Jahren Ehe und nach dem Tod ihrer beiden Eltern reist Lisa ziellos durch Deutschland und landet schlie\u00dflich in einem kleinen, leer stehenden alten Haus im Schwarzwald. Dort findet sie die Mu\u00dfe, ihr vergangenes Leben zu reflektieren, und von dort aus reist sie an die Orte Ihrer Kindheit und Jugend.<\/p>\n<p>In ihrer Familie, hinter deren heiler Fassade ein gewaltt\u00e4tiger Vater und eine alkoholabh\u00e4ngige Mutter stehen, wendet sich Lisa ihrem \u00e4lteren Bruder Rudi zu. Der jedoch verl\u00e4sst die Familie direkt nach dem Abitur und geht seiner Gesinnung folgend in die DDR. Dennoch sollte kein Ehemann oder Geliebter Lisas Leben so nachhaltig bestimmen wie er. Dreizehn Jahre nach seinem Verschwinden steht er vor Lisas T\u00fcr. Lisa, die inzwischen in Westberlin wohnt, nimmt ihn auf und versucht alles, um den im Stasi Gef\u00e4ngnis Traumatisierten bei der Bew\u00e4ltigung seines Lebens zu helfen.<\/p>\n<p>Lisa selbst ist auf der Suche nach einem anderen, selbstbestimmten Leben immer wieder gescheitert, nicht zuletzt, weil sie sich M\u00e4nner aussucht, die sie bevormunden, sie abh\u00e4ngig machen und denen sie sich unterwirft, wie sie als reife Frau erkennt.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt wird Lisas Geschichte auf dem Hintergrund der Nachkriegszeit, der Wirtschaftswunderzeit und der Gegenwart. Viele sorgf\u00e4ltig recherchierte Details und genaue Beobachtungen machen den Roman lebendig und glaubw\u00fcrdig. Lesenswert sind auch die Naturbeschreibungen, besonders die des Schwarzwalds.<\/p>\n<p><em>Renate Kl\u00f6ppel<br \/><\/em><em>Ein anderes Leben findest du allemal. Roman.<br \/><\/em><em>Wellh\u00f6fer Verlag. 14,95\u20ac<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp: \u201eFrauen morden sch\u00f6ner\u201c, Krimianthologie<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2877\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/klein_248_frauen_morden_schoener_web-200x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" srcset=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/klein_248_frauen_morden_schoener_web-200x300.jpg 200w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/klein_248_frauen_morden_schoener_web.jpg 383w\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><em>Ein Buchtipp von Dr. Susanne Hartmann: Kulturanthropologin, Autorin, Journalistin.<\/em><\/p>\n<p><strong>Gef\u00e4hrliches Territorium<\/strong><\/p>\n<p>Die M\u00f6rderischen Schwestern schlagen wieder zu \u2013 ob mit Flaschen, Gift oder gezielten Sch\u00fcssen. Bei diesen kriminellen Subjekten handelt es sich um den Verein deutschsprachiger Kriminalautorinnen. Die Gruppe aus Baden-W\u00fcrttemberg hat sich verschworen, um uns in Angst und Schrecken zu versetzen. Sie tun das schaurig-sch\u00f6n, \u00fcberraschen mit wendigen Plots und hinterh\u00e4ltigen HeldInnen.<\/p>\n<p>Da wollen welche ihre Ehem\u00e4nner um die Ecke bringen und besprechen das beim Gang zur Toilette. Oder eine Kehrschaufel mutiert zum Mordwerkzeug.<\/p>\n<p>Ein H\u00fcftknochen, der gefunden wird, alarmiert eine Gemeinde. Von wem stammt er nur? So manchem Bewohner schlottern die Knie.<\/p>\n<p>Mitunter sorgt ein Verbrechen f\u00fcr ein g\u00f6ttliches Fahrgef\u00fchl. Ein Golfplatz verwandelt sich in einen rachedurstigen Tatort. Das Landleben entpuppt sich f\u00fcr eine Krimiautorin als Tortur bis aufs Blut. Selbst ein Messer erz\u00e4hlt von seinen einschneidenden Erlebnissen.<\/p>\n<p>Auch die Freiburger Schriftstellerinnen Anne Grie\u00dfer und Alexa Rudolph lassen in der Anthologie ihrer m\u00f6rderischen Fantasie freien Lauf. Bei Alexa Rudolph geht es saum\u00e4\u00dfig spannend zu, wie schon in ihrem Kriminalroman \u201eDas Schweigen der Schweine\u201c und ihrem neuesten Fall \u201eDer letzte Spargel\u201c. Anne Grie\u00dfer ist vielen bekannt durch ihre Krimi-Shows und zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen, wie ihren Roman \u201eDas Heilige Blut\u201c.<\/p>\n<p>\u201eFrauen morden sch\u00f6ner. 25 kriminelle Geschichten aus Baden-W\u00fcrttemberg.\u201c Hrsg.: Mareike Fr\u00f6hlich. Wellh\u00f6fer Verlag 2018. 12,95 \u20ac. ISBN: 978-3-95428-248-7<\/p>\n<\/div>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp: Manuela Fuelles Roman \u201eFenster auf, Fenster zu\u201c vereint eine besondere Begabung f\u00fcr Ironie mit sensibler Genauigkeit.<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2243\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/manuela-fuelle-fenster-auf-fenster-zu-190x300.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/manuela-fuelle-fenster-auf-fenster-zu-190x300.jpg 190w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/manuela-fuelle-fenster-auf-fenster-zu.jpg 316w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/>Im letzten Jahr hat sie f\u00fcr ihren j\u00fcngsten Roman &#8222;Luftbad Oberspree&#8220; den Thadd\u00e4us-Troll-Preis bekommen. Aber auch ihr Erstling, &#8222;Fenster auf, Fenster zu&#8220;, h\u00e4tte einen dicken Preis verdient gehabt. Diese Geschichte einer Vatersuche vereint so viel Experimentierfreude, sensible Genauigkeit und nicht zuletzt eine besondere Begabung f\u00fcr Ironie und Humor, dass das Lesen auf jeder Seite einfach nur Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>Die in Ost-Berlin geborene,\u00a0 jetzt in Freiburg lebende Autorin erz\u00e4hlt darin von einer Tochter, die sich eher unwillig auf die Suche nach ihrem verschwundenen Vater macht. Ihre Schwestern sorgen sich und sind \u00fcberzeugt von seiner Demenz. Sie selbst jedoch kennt seine &#8211; und ihre eigene &#8211; Eigenwilligkeit zu gut, um an dieses Erkl\u00e4rungsmuster zu glauben. W\u00e4hrend sie sich dem l\u00e4ndlichen Hof n\u00e4hert, in dem sie ihn vermutet, erinnert sie sich an ihre au\u00dfergew\u00f6hnliche Kindheit mit dem alleinerziehenden Vater, die mal hoch belastet, mal auch paradiesisch frei und wild gewesen sein muss. Das Vater-Tochter-Doppelportr\u00e4t zeichnet zwei Menschen, die sich gesellschaftlichen Regeln und &#8222;normalen&#8220; Denkstrukturen weder unterordnen wollen noch k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die abgebrochenen S\u00e4tze, ungest\u00fcmen Assoziationsketten, dann wieder lyrisch introvertierten Passagen machen es manchem Leser vielleicht nicht leicht &#8211; und doch kann man sich von dieser Sprache eigentlich ganz einfach tragen lassen. Erstaunlich, dass so schwere Themen so schwerelos behandelt werden k\u00f6nnen. Die Ich-Erz\u00e4hlerin bringt es auf den Punkt: &#8222;Ich glaube, nur Autoren, die ihre Leser zum Lachen bringen, meinen es wirklich ernst.&#8220;<\/p>\n<p><em>Manuela Fuelle, Fenster auf, Fenster zu. Ein Roman. Kl\u00f6pfer &amp; Meyer, 19,90 \u20ac.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp: \u201eKleins gro\u00dfe Sache\u201c von Daniela Engist. Eine erhellende Satire aus der globalen Welt aufgeblasener Wichtigkeiten.<\/h4>\n<div class=\"byline\"><span class=\"author vcard\"><em>von Sylvia Schmieder<\/em><\/span><\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2151\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/daniela-engist-kleins-gro\u00dfe-sache_-190x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" srcset=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/daniela-engist-kleins-gro\u00dfe-sache_-190x300.jpg 190w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/daniela-engist-kleins-gro\u00dfe-sache_.jpg 316w\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" \/>\u201eManagement ist im Grunde nichts anderes als unabl\u00e4ssiges Geschichtenerz\u00e4hlen. Den lieben langen Tag m\u00fcssen Manager Sinn stiften anhand von Textbausteinen, die ihnen zuf\u00e4llig hingeworfen werden.\u00a0 (\u2026) Erst wenn dem Erz\u00e4hler am tausendundersten Tag die Geschichten ausgehen, wird er gek\u00f6pft.\u201c<\/p>\n<p>Harald Klein, Protagonist und Denker dieser Zeilen, ist studierter Philosoph und eigentlich der Meinung, dass er es nicht weit bringen wird. Aus einer Trotzreaktion heraus bewirbt er sich bei einen Schweizer Gro\u00dfkonzern und macht dort tats\u00e4chlich\u00a0 Karriere \u2013 auch wenn die zur Reise durchs wilde Absurdistan ger\u00e4t. Anfangs distanziert, identifiziert er sich zunehmend mit der \u201eGro\u00dfen Sache\u201c, einer Firmenideologie, deren Ausdrucksformen nicht zuf\u00e4llig\u00a0 vielfache \u00c4hnlichkeiten mit Sekten, aber auch totalit\u00e4ren Regimen aufweist.<\/p>\n<p>Daniela Engist ist Insiderin, das merkt man dieser Satire an. Ihr Romandebut hat sie nach einer langen Phase der PR-Arbeit f\u00fcr multinationale Konzerne geschrieben. Sie beherrscht das Spiel mit Stilen und Formen und charakterisiert ihre Figuren gekonnt. Die Faszination des Elit\u00e4ren, die Zauberkraft von Design, Luxus, Statussymbolen und aufgeblasenen Titeln wird sehr deutlich. Zahlreiche Bilder f\u00fcr die erschreckende Leere hinter all der aufgeblasenen Wichtigkeit finden am Ende ihren H\u00f6hepunkt im Zusammenbruch des Konzerns. Dass auch ein zuf\u00e4lliges Erdbeben noch seinen Beitrag dazu leisten muss, w\u00e4re eigentlich nicht n\u00f6tig gewesen.<\/p>\n<p><em>Daniela Engist, Kleins gro\u00dfe Sache. Roman. Kl\u00f6pfer &amp; Meyer, 25 \u20ac.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p class=\"post-title entry-title\"><strong>Lesetipp: \u201eWie ist das so, wenn man so alt ist?\u201c Jess Jochimsen erz\u00e4hlt es uns, in seinem neuen Roman \u201eAbschlussball\u201c.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Sylvia Schmieder<\/em><strong><br \/><\/strong><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1819\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/jess-jochimsen-abschlussball-191x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" srcset=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/jess-jochimsen-abschlussball-191x300.jpg 191w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/jess-jochimsen-abschlussball.jpg 450w\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" \/>Wie schon \u201eWas sollen die Leute denken\u201c ist auch dieser Roman eine Erz\u00e4hlung von einem, der nicht normal funktioniert, obwohl er es eigentlich m\u00f6chte. Diesmal ist aber alles noch viel komplizierter. Und wer vom Kabarettisten Jess Jochimsen ein komisches Buch erwartet, wird diesmal erst recht entt\u00e4uscht. Oder auch wieder nicht. Nachdenklich, langsam, fast ungelenk und zum Heulen skurril tappt der Ich-Erz\u00e4hler durch seine Geschichte, die nicht nur in den M\u00fcnchner Schaupl\u00e4tzen und der Titelillustration an Karl Valentin erinnert. Ein Entwicklungsroman der anderen Art.<\/p>\n<p>Marten, Beerdigungstrompeter und auch sonst dem Leben deutlich abgewandt, ger\u00e4t in Turbulenzen, als er die Bankkarte seines verstorbenen Klassenkameraden findet. Mit ihrer Hilfe tritt er in einen seltsamen Dialog mit dem Toten ein, der ihn ver\u00e4ndert. Er hat sich schon als Kind alt gef\u00fchlt, jetzt verliebt er sich wie ein Teenager in eine Frau, die er schon ewig kennt und macht auch sonst nur Dummeiten \u2013 bis zum Zusammenbruch, der zum Gl\u00fcck kein endg\u00fcltiger ist. Gerahmt werden die sechs Romanteile durch gekonnt lockere, lyrische Passagen, die sich am Ende als Antworten an die neunj\u00e4hrige Trompetensch\u00fclerin Anne herausstellen. Ganz wie einst ihr Lehrer hat sie noch keine einzige Note geblasen und weigert sich, das Instrument auch nur anzufassen. Stattdessen stellt sie eine nur scheinbar einfache Frage: \u201eWie ist das so, wenn man so alt ist?\u201c<\/p>\n<p><em>Jess Jochimsen, Abschlussball. Roman. dtv, 20 \u20ac<br \/><a href=\"http:\/\/jessjochimsen.de\">http:\/\/jessjochimsen.de<\/a><br \/><\/em><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<p class=\"post-title entry-title\"><strong>Lesetipp: Fast-Read-Romane f\u00fcr Zeitverschwender. Die Kurzgeschichten im Band \u201eZeitweichen\u201c von Fran\u00e7ois Loeb laden zur geduldigen Lese-Bummelei.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Sylvia Schmieder<\/em><strong><br \/><\/strong><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p align=\"left\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1782\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/francois-Loeb-zeitweichen.jpg\" alt=\"\" width=\"151\" height=\"229\" \/>Der Autor Fran\u00e7ois Loeb hat eine bewegte Vergangenheit: Von 1975 bis 2005 leitete er das Berner Traditionskaufhaus Loeb. Nach politischen Mandaten geh\u00f6rte er von 1987 bis 1999 dem Schweizer Nationalrat an. In den 80er Jahren begann er seine Laufbahn als Autor mit den ersten \u201eFast-Read-Romanen\u201c, die er in der Neuen Z\u00fcricher Zeitung ver\u00f6ffentlichte. Heute lebt und schreibt er im Schwarzwald.<br \/>In seinen neuen Geschichten spielt er das Thema \u201eZeit\u201c in \u00fcber neunzig Texten durch. Mal kurzweilig, mal skurril, geheimnisvoll oder poetisch besch\u00e4ftigt er sich mit Zeitk\u00e4fern, der Eiszeit oder dem Zeittotschlag. So zahlreiche Texte zu durchforsten dauert seine Zeit, und manchmal stolpert der Zeitreisende \u00fcber sprachliche Unsauberkeiten, die ein sorgf\u00e4ltiges Lektorat h\u00e4tte korrigieren\u00a0 m\u00fcssen. Doch ein bisschen Geduld lohnt sich, zum Beispiel f\u00fcr eigent\u00fcmliche Charakterstudien wie \u201eDer Uhrenfreund\u201c oder die Kurzgeschichte \u201eDie Uhrzeit\u201c, in der eine allt\u00e4gliche Frage seltsame Verwicklungen nach sich zieht.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Fran\u00e7ois Loeb, Zeitweichen.<\/strong><br \/>Fast-Read-Romane.<br \/>Allitera Verlag, 14,80 \u20ac<\/p>\n<p align=\"left\"><a href=\"http:\/\/www.francois-loeb.com\">www.francois-loeb.com <\/a><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<p class=\"post-title entry-title\"><strong>Lesetipp: \u201eBilly\u201c von einzlkind. Gescheit und umwerfend witzig geschriebener Thriller um einen schottischen Auftragskiller mit Vorliebe f\u00fcr die Philosophie Nietzsches.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Jess Jochimsen, Kabarettist, Autor, Fotograf, siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/www.jessjochimsen.de\">http:\/\/www.jessjochimsen.de<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1160\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/einzlkind-billy-181x300.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/einzlkind-billy-181x300.jpg 181w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/einzlkind-billy.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px\" \/>Bei meinem zweiten absoluten Lieblingsbuch 2016 wusste ich schon vor der Lekt\u00fcre, dass ich Spa\u00df und Freude haben w\u00fcrde, aber mit einem derartig gro\u00dfartigen Ritt h\u00e4tte ich nicht gerechnet.<br \/>Schon in seinen ersten beiden Romanen hat der Mann bewiesen, dass er der mit Abstand coolste und lustigste Autor deutscher Zunge ist \u2013 mit den bekannten Folgen: Huldigungen vom abseitigen Musik-Fanzine bis hin zu Hans Magnus Enzensberger, Bestsellerstatus und wildeste Spekulationen dar\u00fcber, wer hinter dem Pseudonym \u201eeinzlkind\u201c stecken k\u00f6nnte. Wahr ist, dass das Debut <b>Harold<\/b> (2010) das erste unverlangt eingesendete Manuskript war, das in der fast 40j\u00e4hrigen Verlagsgeschichte der feinen \u201eEdition Tiamat\u201c tats\u00e4chlich gedruckt wurde und wahr ist weiter, dass der hochverehrte Klaus Bittermann dieses Buch (ebenso wie den Nachfolger <b>Gretchen<\/b> von 2013) mit Liebe, Chuzpe und Verschwiegenheit zu Erfolg und Ehren f\u00fchrte und nun zu Recht etwas traurig \u00fcber den Verlagswechsel sein darf. Allerdings ist auch dies die verdammte Wahrheit: <b>Billy<\/b> \u00fcbertrifft nicht nur die hohen Erwartungen, sondern sogar seine Vorg\u00e4nger. Erz\u00e4hlt wird die Geschichte eines schottischen Auftragskillers mit Vorliebe f\u00fcr die Philosophie Nietzsches, der durch die Welt geschickt wird, um M\u00f6rder zu ermorden. Wie es sich f\u00fcr einen \u201ehardboiled Krimi\u201c geh\u00f6rt, l\u00e4sst er sich von den Opfern vorab deren Lebensgeschichte erz\u00e4hlen und g\u00f6nnt ihnen einen letzten Musikwunsch. Wie es sich ebenfalls geh\u00f6rt, l\u00e4uft irgendwann alles aus dem Ruder und Billy wird selbst zum Gejagten. Fulminanter Showdown inklusive. In Las Vegas. Wo sonst.<br \/>Diese \u201epulp fiction\u201c ist allerdings derart gescheit und umwerfend witzig gebaut, dass man einem der integersten Literaturkritiker dieses Landes, Prof. Erhard Sch\u00fctz, nur beipflichten kann, wenn er im MAGAZIN konstatiert: \u201eAlles in allem haben wir es mit einem atemberaubend einfallsreichen, sprachlich feinst gelungenen, zugleich abgr\u00fcndig intelligenten Thriller zu tun.\u201c<br \/>Ich w\u00fcrde gar weitergehen und behaupten: Gesetzt den Fall, dass Quentin Tarantino je einen Storyliner oder Dialogautor f\u00fcr seine Filme anheuern wollte, er h\u00e4tte beide schon gefunden; in Personalunion des \u201egeheimnisvollen Bestsellerautors einzlkind\u201c (S\u00fcddeutsche Zeitung), der sich im Gegensatz zu den selbstdarstellenden Pointendrechslern hierzulande angenehmst zur\u00fcckh\u00e4lt und nichts als seine Texte f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. \u201ePENG!\u201c<\/p>\n<p><em>einzlkind, Billy. Roman. Insel Verlag, 18,95 \u20ac<\/em><b><br \/><\/b><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p class=\"post-title entry-title\"><strong>Lesetipp: Skurriles mit Bodenhaftung. In Roland Krauses \u201eHurenballade\u201c ziehen die Figuren den Leser mit ungeheurer Kraft mitten in besondere Umst\u00e4nde.<\/strong><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><em>von Renate Schauer , Journalistin, siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/memo-reporting.com\/\">http:\/\/memo-reporting.com\/<\/a> und\u00a0 <a href=\"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/\">Blog &gt; Medien &amp; querbeet<\/a><\/em><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-915\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Cover-roland-Krause-Hurenballade.jpg\" alt=\"cover-roland-krause-hurenballade\" width=\"161\" height=\"266\" \/>Hurenballade<\/em> umfasst dreizehn Stories: unverwechselbare Typen, packende Schilderungen, \u00fcberraschende Wendungen \u2013 Roland Krause wei\u00df Abgr\u00fcnde auszuleuchten und sein Lesepublikum in den Bann zu ziehen. Das Skurrile scheint zum Alltag zu geh\u00f6ren wie die Brotzeit und die Bettdecke.<\/p>\n<p>Die Charaktere und Schaupl\u00e4tze k\u00f6nnten in jeder Gegend\/Stadt so zu finden sein. Die Auswahl l\u00e4sst erahnen, dass \u201edie verr\u00fccktesten Geschichten nur einen Augenblick entfernt sind\u201c (Klappentext). Die Protagonisten stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens, sind aber auch keine \u201eLoser\u201c, sondern auf der Suche nach Verst\u00e4ndnis, N\u00e4he oder Gl\u00fcck. Sie verlieren Illusionen, erfahren Ern\u00fcchterung, werden betrogen oder m\u00fcssen ihren Hund heimlich begraben. Beim einen ist das Haltbarkeitsdatum seines Kondoms abgelaufen, was zu einer abenteuerlichen Odyssee f\u00fchrt; beim anderen wird kurz vorm Sprung die Lebensm\u00fcdigkeit vertrieben, weil jemand gez\u00fcndelt und seinen Stadel in Brand gesetzt hat. Zuletzt hat man Vielschichtiges erfahren, nicht nur in der Situation mitgefiebert.<\/p>\n<p>Man wird Zaungast von Niederungen, die einem der eigene Nachbar nie eingestehen w\u00fcrde, aber trotzdem durchgemacht haben k\u00f6nnte. Denn alle Figuren k\u00f6nnten als \u201eNormalb\u00fcrger\u201c durchgehen, gerieten sie nicht in diese besonderen Umst\u00e4nde und w\u00e4re da nicht die Dichte, in der die Szenen erz\u00e4hlt sind, was dann eben doch daran erinnert, dass hier gekonnt spannende Unterhaltung konstruiert wird.<\/p>\n<p>Sprachbilder: Fast zwingend sind sie in der Regel angelegt, damit man die Figuren so auffasst wie der Autor sie meint. Der Leser, die Leserin wird gepackt und ger\u00e4t mit der Nase in die k\u00fcrzest m\u00f6gliche Distanz zum Milieu und zum Geschehen, das fast immer plausibel wirkt. Und der Blickwinkel des Protagonisten ist mit hoher Authentizit\u00e4t unterlegt. Kraftausdr\u00fccke und zartf\u00fchlende Momente inbegriffen.<\/p>\n<p><em>Roland Krause: Hurenballade. Dreizehn Stories. Balaena Verlag, Landsberg am Lech 2016. 200 Seiten, 17,90 EUR. ISBN-13: 9783981266160<\/em><\/p>\n<hr \/><\/div>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\"><strong>Lesetipp: Irrwitz und Doppelb\u00f6digkeit, \u00fcberraschende Bilder und ambivalente Charaktere machen Graham Greenes \u201eUnser Mann in Havanna\u201c heute noch lesenswert.<br \/><\/strong><\/h4>\n<div class=\"byline\"><time class=\"published\" title=\"Freitag, September 16th, 2016, 8:38 am\" datetime=\"2016-09-16T08:38:43+02:00\">16. September 2016<\/time> \u00b7 by <span class=\"author vcard\"><a class=\"url fn n\" title=\"Sylvia Schmieder\" href=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?author=2\" rel=\"author\">Sylvia Schmieder<\/a><\/span> \u00b7 in <span class=\"category\"><a href=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/?cat=1\" rel=\"tag\">Nachrichten<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-800\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Unser-Mann-in-Havanna-Cover-189x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" srcset=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Unser-Mann-in-Havanna-Cover-189x300.jpg 189w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Unser-Mann-in-Havanna-Cover.jpg 314w\" alt=\"unser-mann-in-havanna-cover\" width=\"189\" height=\"300\" \/>Vor allem zahllose Filme aus den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren, in deren Abspann er als Drehbuchautor oder Autor der Buchvorlage genannt wird, haben Graham Greene ber\u00fchmt gemacht. Aber lohnt es sich heute, ihn zu lesen? Ein klares Ja! Und zwar auch dann, wenn man, wie ich, weder Krimis noch Spionageromane zu seiner bevorzugten Lekt\u00fcre z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Kuba, kurz vor der Revolution. Held und Antiheld des Romans ist der Engl\u00e4nder James Wormold, der als alleinerziehender Vater einer Siebzehnj\u00e4hrigen in Havanna lebt. Als Staubsaugervertreter verdient er deutlich weniger Geld, als seine Tochter f\u00fcr ihren aufw\u00e4ndigen Lebensstil ausgeben m\u00f6chte. Als der britische Geheimdienst ihm eine lukrative Spionaget\u00e4tigkeit anbietet, kann er nicht wirklich ablehnen \u2013 obwohl er weder Lust aufs Abenteuer noch die n\u00f6tigen Kenntnisse hat. Doch bald schon fordert London Ergebnisse. In seiner Verzweiflung zerlegt er einen Staubsauger, zeichnet einzelne Teile ab, \u00e4ndert den Ma\u00dfstab und gibt das Ganze als komplexe milit\u00e4rische Anlage aus, die er im Urwald entdeckt haben will. Der ger\u00fcchteumwitterte \u201eChef\u201c ist begeistert und l\u00e4sst ihm weitere Gelder und Personal zukommen. Wormold verleitet das zu immer irrwitzigeren L\u00fcgenkonstruktionen \u2026<\/p>\n<p>Ein spannender Spionageroman, der eigentlich keiner ist, sondern eine doppelb\u00f6dige Satire. Immer wieder wird die Macht der Erfindung, der (auch b\u00f6se) Zauber der Fantasie thematisiert. Immer wieder verbl\u00fcffte mich die Kraft und Ungew\u00f6hnlichkeit der Sprachbilder, die scheinbar ganz leicht daherkommen. Die nihilistische Haltlosigkeit der Charaktere, die zwischen Versagen und Heldentum, Schw\u00e4che und St\u00e4rke hin und her geworfen werden, wird nur ein wenig ausgeglichen durch den Glauben an Liebe und Treue, der der Geschichte immerhin ein halbes Happy-End beschert.<\/p>\n<p><em>Graham Greene, Unser Mann in Havanna. dtv, 9,90 \u20ac.<\/em><\/p>\n<hr \/><\/div>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Der Urlaubs-Lesetipp von Jess Jochimsen: William E. Bowmans \u201eDie Besteigung des Rum Doodle\u201c ist ein wahnsinniges Wunderwerk.<\/h4>\n<div class=\"entry-content\">\n<div id=\"attachment_575\" class=\"wp-caption alignright\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-575\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Jochimsen_d_by_Albert_J_Schmidt_d-200x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" srcset=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Jochimsen_d_by_Albert_J_Schmidt_d-200x300.jpg 200w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Jochimsen_d_by_Albert_J_Schmidt_d-768x1152.jpg 768w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Jochimsen_d_by_Albert_J_Schmidt_d-683x1024.jpg 683w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Jochimsen_d_by_Albert_J_Schmidt_d-600x900.jpg 600w, http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Jochimsen_d_by_Albert_J_Schmidt_d.jpg 1200w\" alt=\"\u00a9Albert J. Schmidt\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Jess Jochimsen, \u00a9Albert J. Schmidt<\/p>\n<\/div>\n<p><em>von Jess Jochimsen, Kabarettist, Autor, Fotograf, siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/www.jessjochimsen.de\">http:\/\/www.jessjochimsen.de<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>Ich riskiere es, Eulen nach Athen zu tragen und mich in die Gesellschaft von Elke Heidenreich und J\u00fcrgen von der Lippe zu begeben, welche dieses, zur unbedingten Lekt\u00fcre anempfohlene, Schriftgut (anl\u00e4sslich der Taschenbuchausgabe) in den Himmel hoben. Eine \u201eWiederentdeckung\u201c, ein \u201eKultbuch\u201c, so konnte man h\u00f6ren. Ich w\u00fcrde eher sagen: ein wahnsinniges Wunderwerk.<\/p>\n<p>Es mag sein, dass diese Geschichte noch zwerchfellersch\u00fctternder ist, wenn man wei\u00df, dass sie bereits 1956 geschrieben wurde, nur drei Jahre nach der Erstbesteigung des Mount Everest, zu einer Zeit also, in der Bergsteigen so etwas wie die \u201eFortf\u00fchrung des Krieges mit anderen Mitteln\u201c war. Wurden in den 1930er und 40er Jahren noch die Alpen propagandistisch ausgeschlachtet, so verlagerte man nach dem Krieg die hochalpinen Aktivit\u00e4ten in den Himalaya. Als \u201eSchicksalsunternehmungen nationaler Tragweite\u201c bezeichnet das der Reisejournalist Andreas Lesti in seinem klugen Nachwort und weist darauf hin, dass \u201ejede Nation ihren eigenen <i>Schicksalsberg<\/i>\u201c hatte (die Engl\u00e4nder den Mount Everest, die Deutschen den Nanga Parbat, die Italiener den K2 und die Franzosen den Annapurna). Kurzum: In dieser Dekade sind \u201eExpeditionen [\u2026] Feldz\u00fcge und Bergsteiger Soldaten \u2013 und die Berichte dar\u00fcber sind humorlos, ernst und unertr\u00e4glich.\u201c (A. Lesti)<br \/>Und dann kommt dieser englische Ingenieur daher und schreibt in seiner Freizeit ein Buch, das in puncto Witz \u2013 bis heute \u2013 alles in den Schatten stellt, was nicht bei drei auf dem Gipfel ist. Die Besteigung des Rum Doodle ist die Geschichte einer (fiktiven) Himalaya-Expedition, bei der alles, aber auch wirklich alles schief geht, was schiefgehen kann. Man kann sich beim Lesen nicht dagegen wehren, bei den Expeditionsteilnehmern st\u00e4ndig die Mitglieder von \u201eMonty Pythons Flying Circus\u201c vor Augen zu haben: den Navigator, der trotz Kompass noch nicht mal zum ersten Treffpunkt findet, den Arzt, der dauernd krank ist, den unter Antriebslosigkeit leidenden Hauptkletterer, den (englischen!) Koch, dessen Qualit\u00e4ten jeder Beschreibung spotten, und den \u00dcbersetzer, der die Sprache der Einheimischen nicht versteht, weswegen er 30.000 statt 3.000 Tr\u00e4ger engagiert \u2026 Und am Ende haben haben sie auch noch den falschen Berg bestiegen!Bill Bryson, der wahrscheinlich beste (und mit Sicherheit humorvollste) Reiseschriftsteller der Welt f\u00e4llte vor fast auf den Tag genau 15 Jahren ein Urteil, das bis zum unwahrscheinlichen Beweis seines Gegenteils G\u00fcltigkeit besitzt: Die Besteigung des Rum Doodle ist \u201edas lustigste Buch, das Sie jemals lesen werden.\u201c<\/p>\n<p><em>William E. Bowman, Die Besteigung des Rum Doodle, Goldmann Verlag, 9,99 \u20ac<\/em><\/p>\n<hr \/><\/div>\n<p><strong>Lesetipp: Thommie Bayer, Wei\u00dfer Zug nach S\u00fcden. Eine leichte, nachdenkliche Geschichte \u00fcber Seelenverwandtschaft und Inspiration, Phantasie und Wirklichkeit. <\/strong><\/p>\n<p>Lesetipp von Patrik Schulz<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-652 size-medium\" src=\"http:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Th-Bayer-Weisser-Zug-193x300.jpg\" alt=\"Th Bayer Weisser Zug\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Th-Bayer-Weisser-Zug-193x300.jpg 193w, https:\/\/freiburger-schreibkiste.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Th-Bayer-Weisser-Zug.jpg 339w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/> Im Mittelpunkt des Romans steht die besondere Beziehung zwischen Chiara und Herrn Vorden. Chiara putzt die Wohnung von Herrn Vorden in Vertretung ihrer Freundin Leonie, bekommt ihn allerdings nie zu Gesicht. Au\u00dfer Schokolade und Obst f\u00fcr Chiara liegen auch immer neue Computerausdrucke mit Geschichten auf dem Schreibtisch in seiner Wohnung. Chiara liest diese Geschichten und ist zun\u00e4chst irritiert, da sie Bez\u00fcge zu ihren Denken und Handeln enthalten. Sind in der Wohnung versteckte Kameras, \u00fcber die Herr Vorden Chiara beobachtet? Chiara findet keine, und mit der Zeit verwandelt sich die Irritation in Sympathie. Sie empfindet eine Seelenverwandtschaft mit Herrn Vorden und verliebt sich unbekannterweise ein wenig in ihn.<br \/>&#8222;Phantasie und Wirklichkeit sind manchmal wie Zahnr\u00e4der, die ineinander greifen um dasselbe zu bewegen.&#8220;, hei\u00dft es in einem Satz im vorletzten Kapitel. Diese Zahnr\u00e4der bewegen einen unterhaltsamen und nachdenklichen Roman &#8211; genau das richtige f\u00fcrs Reisegep\u00e4ck.<\/p>\n<p><em>Thommie Bayer, Wei\u00dfer Zug nach S\u00fcden. Piper Verlag, 16,99 \u20ac<\/em><\/p>\n<p><em>Am 13.August liest Thommie Bayer aus diesem Roman, in der Vorderhaus-Reihe &#8222;Unter Sternen&#8220; im Innenhof der Spechtpassage&#8220;!<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4 class=\"post-title entry-title\">Lesetipp: &#8222;Man lacht und man weint &#8230;&#8220; Selim \u00d6zdogan, Wieso Heimat, ich wohne zur Miete.<\/h4>\n<p><em>von Jess Jochimsen, Kabarettist, Autor, Fotograf, siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/www.jessjochimsen.de\">http:\/\/www.jessjochimsen.de<\/a><\/em>.<\/p>\n<p>Dass Selim \u00d6zdogan seit nunmehr zwanzig Jahren zu den begnadetsten und produktivsten Romanciers und Geschichtenerz\u00e4hlern in diesem Land geh\u00f6rt, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Nun zeigt er, dass er auch in den Olymp der Satiriker geh\u00f6rt. Man lacht und man weint beim Lesen des neuen Romans und erf\u00e4hrt viel \u00fcber Deutschland und die T\u00fcrkei, \u00fcber Erdogan und den Gezi-Park, \u00fcber Vorurteile, Klischees und religi\u00f6se Zuschreibungen. Hier zeigt einer endlich mal, wie das geht, sich abseits des gro\u00dfen \u201eIslamismus\u201c-Schlachtfeldes aufzuhalten und dennoch Haltung zu bewahren. Ein grandios kluges und grandios komisches Buch!<br \/><em>Selim \u00d6zdogan, Wieso Heimat, ich wohne zur Miete, Haymon Verlag, 19,90 \u20ac<br \/><\/em><\/p>\n<p><em>Am 12. August liest \u00d6zdogan aus &#8222;Wieso Heimat, ich wohne zur Miete&#8220; in der Vorderhaus-Reihe &#8222;Unter Sternen&#8220; im Innenhof der Spechtpassage&#8220;!<\/em><\/p>\n<p><strong>Lesetipp: Horror vom Feinsten macht sich breit in den Geschichten aus der Regio.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Lesetipp von Susanne Hartmann, Autorin und Journalistin, Freiburg.<\/em><\/p>\n<p>Wussten Sie, dass es im Schwarzwald spukt? Dass Gespenster im Breisgau ihr Unwesen treiben? Und selbst vor Freiburg nicht Halt machen? Und zwar so toll, dass 24 Autorinnen und Autoren aus der Regio Ihnen davon erz\u00e4hlen m\u00fcssen. Geben Sie Acht, wenn Sie in den Reben spazieren gehen. Sonst holen Sie die Geister ein. M\u00f6glicherweise geraten Sie unversehens in eine andere Zeit. Oder etwas kommt daraus zu Ihnen. Vielleicht geh\u00f6ren Sie selbst schon zu den Gespenstern und haben es noch gar nicht gemerkt? Wie weiland im Film \u201eDer sechste Sinn\u201c. Und Vorsicht, so ein Gespenst kann sich \u00fcbel r\u00e4chen. Als sch\u00f6ne Hexe verf\u00fchrt es mitunter einen Drachenflieger zu waghalsigen Flugman\u00f6vern. Was alles hinter diesen Geistwesen steckt, zeigen uns die Autoren auf h\u00f6chst unterschiedliche Weise. Mal grauenerregend, mal mystisch, mal zum Schmunzeln.<br \/><em>Anne Grie\u00dfer &amp; Sascha Berst-Frediani (Hg.): Breisschauer. Gruselkrimis und Unheimliches aus S\u00fcdwest. Wellh\u00f6fer Verlag. 11,90 \u20ac. \u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Geschichtsbuch, Fundgrube, Kaleidoskop: Irene Ferchls Text- und Bildband \u201e\u00dcber das Land hinaus. Literarisches Leben in Baden-W\u00fcrttemberg\u201c bietet reichlich Lesestoff f\u00fcr Erinnerungs- und Entdeckungsfreudige.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Lesetipp von Sylvia Schmieder, Autorin, Journalistin, siehe <a href=\"http:\/\/www.sylviaschmieder.de\">www.sylviaschmieder.de<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>Dieser Band hat es in sich \u2013 auch wenn er \u00e4u\u00dferlich unscheinbar daherkommt. Sieben ausf\u00fchrliche, chronologisch fortschreitende Kapitel zeichnen unsere Literaturgeschichte nach, von der Gr\u00fcndung Baden-W\u00fcrttembergs in den F\u00fcnfzigerjahren bis heute. Doch den besonderen Reiz dieses \u201eGeschichtsbuchs\u201c macht die Vielfalt seiner Darstellungsmittel aus: literarische Texte, Essays, Interviews, Reportagen, Portr\u00e4ts, zahlreiche Schwarzwei\u00dfbilder mit ausf\u00fchrlichen Legenden &#8230; Eine spannende Fundgrube, die Lesestoff f\u00fcr viele, lange Sommerabende bietet. Nicht nur die gro\u00dfen Namen, auch tapfere Einzelk\u00e4mpfer und Fast-schon-Vergessene werden gew\u00fcrdigt. Es entsteht ein differenziertes Bild der Literaturszene, das Seite f\u00fcr Seite neue Entdeckungen bereith\u00e4lt.<br \/>Die Autorin ist Gr\u00fcnderin, Herausgeberin und Chefredakteurin des \u201eLiteraturblatt f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg\u201c, hat Literaturfestivals organisiert, literarische Reisef\u00fchrer verfasst und mehrere Anthologien herausgebracht.<br \/><em>Irene Ferchl: \u201e\u00dcber das Land hinaus. Literarisches Leben in Baden-W\u00fcrttemberg.\u201c Kl\u00f6pfer &amp; Meyer, 34 Euro.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Demn\u00e4chst neu: Alexa Rudolph, \u201eDas Schweigen der Schweine\u201c. Schwarzwaldkrimi mit einem Kommissar im Rollstuhl und einem hitzk\u00f6pfigen Landwirt. <\/strong><\/p>\n<p>In einem Schwarzwalddorf geschieht Besorgniserregendes: ein Kind wird entf\u00fchrt, einem Schaf fehlt der Kopf, ein H\u00fchnerfu\u00df liegt in der W\u00e4sche und die B\u00e4uerin schlie\u00dflich tot im Stall. \u201eFrech, raffiniert und ziemlich b\u00f6se\u201c k\u00fcndigt der Emons Verlag den neuen Krimi der Freiburgerin Alexa Rudolph an, der im Juli dieses Jahres erscheinen wird.<br \/><em>Alexa Rudolph, Das Schweigen der Schweine. Schwarzwaldkrimi. Emons Verlag, 11,90 Euro.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Lesetipp: Gnadenlos sensibel. Die Erz\u00e4hlungen in \u201eF\u00fcnf Witwen\u201c von Evelyn Grill bieten furchtbare Lesefreuden.<\/strong><br \/><em>Ein Lesetipp von Sylvia Schmieder, Autorin, Journalistin, siehe <a href=\"http:\/\/www.sylviaschmieder.de\">www.sylviaschmieder.de<\/a>.<br \/><\/em><br \/>Die in Freiburg lebende Evelyn Grill ist in \u00d6sterreich aufgewachsen und hat sich bereits seit den Achtzigerjahren einen Namen als Autorin intelligenter, gern auch abstruser Romane mit dunklem Humor gemacht. Mit \u201eF\u00fcnf Witwen\u201c erschien 2015 ein Band mit neun Erz\u00e4hlungen, die ein Rezensent nicht zu Unrecht als \u201edepressive Satiren\u201c bezeichnet hat. F\u00fcr Leser, die vor den Abgr\u00fcnden menschlicher Erfahrungen nicht zur\u00fcckschrecken, gerade deshalb eine lohnende Lekt\u00fcre. Grills sensible, vielschichtige Sprache und kunstvolle Erz\u00e4hlweise machen Freude, selbst wenn es um Furchtbares geht.<br \/><em>Evelyn Grill, F\u00fcnf Witwen, Erz\u00e4hlungen. Haymon Verlag 2015. <\/em><\/p>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schreiben Sie uns: Neuerscheinungen, Lesetipps, Lieblingsb\u00fccher &#8230; Wir freuen uns \u00fcber kurze Texte oder Verlagshinweise, wenn Sie Neuerscheinungen anzuk\u00fcndigen haben. Auch weniger aktuelle Lesetipps zu B\u00fcchern von Autorinnen oder Autoren aus der Region sind willkommen. 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