Das 33. Literaturgespräch bringt Europa nach Freiburg: vom 7. bis 10. November 2019. Eröffnet wird das Lesefest mit dem Titel „Auf dem Seil“ von Büchner-Preisträgerin Terézia Mora.

Térésia Mora. Foto: © Antje Berghäuser

Der Karten-Vorverkauf über Reservix läuft ab sofort, das begleitende Leseheft ist ab dem 22. Oktober im Literaturhaus und im Freiburger Buchhandel erhältlich.

„Die schwere Sprache also, das beinahe-Stottern habe ich als die Materie erkannt, aus der ich meine eigene Sprache machen würde“, sagte die Schriftstellerin Terézia Mora 2018 in ihrer Dankesrede zum Georg-Büchner-Preis über die suchende Sprache Woyzecks. Ihre eigene Sprachkunst würdigte die Jury als eminent gegenwärtig und lebendig in der Verbindung von Alltagsidiom und Poesie, Drastik und Zartheit. Über ihr Schreiben und ihren jüngsten Roman „Auf dem Seil“, mit dem sie an „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ und „Das Ungeheuer“ anknüpft, spricht Terézia Mora im Rathaus mit Literaturkritikerin Daniela Strigl.

Am Freitag um 15 Uhr sind die jüngsten Leser*innen ins Literaturhaus eingeladen: Der Dichter Arne Rautenberg und die Illustratorin Regina Kehn stellen mit Lesung und Live-Zeichnungen die außergewöhnliche Anthologie „Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest“ (Mixtvision, 2018) vor – tierische Kindergedichte für alle ab 6 Jahren. Um 18 Uhr gastiert Barbara Zeman mit ihrem Romandebüt „Immerjahn“ (Hoffmann und Campe, 2019) im Museum für Neue Kunst: eine kluge und komische Reflexion über Kunst als Statussymbol, Projektionsfläche und – als Schule des Sehens. Musikalisch in Szene gesetzt von der Indie-Band Sweet, Sweet Moon.

Der Abend ist dem Gastland der Buchmesse gewidmet: Um 20 Uhr liest der norwegische Schriftsteller Johan Harstad aus „Max, Mischa und die TET-Offensive“ (Rowohlt, 2019): Liebesroman, Künstlersaga, Familienepos, Gesellschaftsporträt, Kriegs- und Migrationsgeschichte – auf 1.250 Seiten. Im Anschluss stellt Hinrich Schmidt-Henkel, einer der profiliertesten Übersetzer aus dem Norwegischen, das Gesamtwerk Kjell Askildsens vor. Der inzwischen 90-jährige Schriftsteller ist mit seiner lakonischen Sprache ein Klassiker der skandinavischen Literatur: „Ich bin ein wortkarger Mann, doch gelegentlich führe ich Selbstgespräche.“ ist Band eins der von Schmidt-Henkel übertragenen Texte überschrieben, gefolgt von Band zwei: „Man lernt, solange man lebt, wozu auch immer das gut sein soll.“

Der Festivalsamstag präsentiert mit sechs moderierten Kurzlesungen konzentriert aktuelle Positionen der europäischen Gegenwartsliteratur: Am Vormittag entwirft die gefeierte Erzählerin Karen Köhler in ihrem ersten Roman „Miroloi“ (Hanser, 2019) die Geschichte einer Außenseiterin in einer misogynen Gesellschaft. Sandra Burkhardts lyrisches Debüt „Wer A sagt“ (Gutleut, 2018) lädt ein zu Sehübungen in Versen: „man“ und „wir“ erkunden Räume, durchwandern Landschaften, stellen Experimente an, straucheln, stolpern – und staunen. Radka Denemarková, die „große Tabubrecherin und Themensetzerin der tschechischen Gegenwartsliteratur“ (NZZ), zeichnet in ihrem Roman „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“ (Hoffmann und Campe, 2019) ein erschütterndes Panorama der Gewalt gegen Frauen.

Haarscharf an der Grenze zwischen Witz und Wahnwitz bewegen sich die jüngsten Erzählungen des österreichischen Autors Clemens J. Setz, der am Nachmittag mit seiner Schriftstellerkollegin Barbara Zeman über den „Trost runder Dinge“ (Suhrkamp, 2019) spricht. Katerina Poladjan taucht mit ihrer Protagonistin Helen, einer Buchrestauratorin, in „Hier sind Löwen“ (S.  Fischer, 2019) über eine alte Familienbibel in die armenische Sprache und Historie ein. Der große europäische Schriftsteller Dževad Karahasan erzählt in fünf Geschichten vom Kommunismus in der bosnischen Provinz: In kleinen Städten, umgeben von majestätischen Landschaften, bestehen die Helden in „Ein Haus für die Müden“ (Suhrkamp, 2019) auf ihrem Recht, zu träumen, zu trauern – oder einfach müde zu sein.

Am Samstagabend um 21 Uhr verwandelt sich das Literaturhaus in einen Konzertsaal: Sweet, Sweet Moon alias Matthias Frey schafft mit Violine, Synthesizer und Loop-Pedal orchestrale Klangwelten, die Lukas Pöchhacker am Cello virtuos komplettiert. Eine kleine Nachtmusik mit charmantem, folk-inspirierten Indie-Pop aus Österreich.

Der Abschluss des Lesefests führt am Sonntag um 11 Uhr als „Grand Tour“ durch die junge Lyrik Europas. Während allerorten nationalistische und separatistische Strömungen an Zulauf und Einfluss gewinnen, stellen der Herausgeber der gleichnamigen Anthologie Jan Wagner und die Freiburger Autorin Annette Pehnt ein Europa der Lyrik vor. Mit Paul Batchelor, Colette Bryce und Frances Leviston kommen drei Stimmen aus Großbritannien zum lyrischen Finale ins Stadttheater.

Programmübersicht
Donnerstag, 7.11.

19.30 Uhr, Ratssaal des Neuen Rathauses
Terézia Mora: Auf dem Seil

Freitag, 8.11.
15.00 Uhr, Literaturhaus
Arne Rautenberg und Regina Kehn: Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest

18.00 Uhr, Museum für Neue Kunst
Barbara Zeman: Immerjahn  

20.00 Uhr, Literaturhaus
Johan Harstad: Max, Mischa und die Tet-Offensive

22.00 Uhr, Literaturhaus
Hinrich Schmidt-Henkel: Kjell Askildsen

Samstag, 9.11.
10.00 – 13.00 Uhr, Literaturhaus
Karen Köhler: Miroloi
Sandra Burkhardt: wer A sagt
Radka Denemarková: Ein Beitrag zur Geschichte der Freude

15.00 – 19.00 Uhr, Literaturhaus
Clemens J. Setz: Der Trost runder Dinge
Katerina Poladjan: Hier sind Löwen
Dzevad Karahasan: Ein Haus für die Müden

21.00 Uhr, Literaturhaus
Sweet, Sweet Moon: Kleine Nachtmusik

Sonntag, 10.11.
11.00 Uhr, Theater Freiburg, Winterer-Foyer
Grand Tour: Mit Jan Wagner und Annette Pehnt durch die junge Lyrik Europas

www.literaturhaus-freiburg.de

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