Lesetipp: Simone Regina Adams, Flugfedern. Von Lebenslinien und wie man von ihnen abweicht.

Die Novelle „Flugfedern“ erzählt die Geschichte Thibauts, eines sensiblen jungen Mannes, der mit seiner französischen Großmutter isoliert auf einem Bauernhof aufwächst. Als er Sophie nach einer Vergewaltigung rettet, hofft er auf eine harmonische Beziehung, die seine und ihre Wunden aus der Vergangenheit heilen kann. Doch sie enttäuscht ihn, geht fremd. Thibaut heiratet eine andere und wird Vater. Plötzlich will Sophie ihn wiedersehen …

Simone Regina Adams Erzählweise besticht auch in dieser Erzählung wieder durch Genauigkeit und sprechende Details. Ein Leitmotiv ist das der Lebenslinie, über die Thibaut sinniert:

„Aber, dachte er, gerade weil man die eigene Linie nicht sehen kann, muss man die Abweichung wagen. Nicht aus Trotz oder Übermut, sondern weil man diese Linie erst spüren kann, wenn man sie verlassen hat.“

Die Psychotherapeutin Adams schöpft spürbar aus ihrer Erfahrung mit den Irrungen und Wirrungen der Seele. Manchmal eine Spur zu erklärend und kompliziert kommt diese Erzählstimme daher und entwickelt letztlich doch immer wieder tiefe und vielschichtige Charaktere.

Flugfedern. Novelle. Klöpfer & Meyer, 20,-€.

 

 

 

 

 

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