Iris Wolff im Autorenporträt. Sie versucht, Pausen zu vermeiden und hört an einer guten Stelle auf.

(c) Stine Wiemann

1. Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich selbst beim Schreiben zusehen – wo und wie schreiben Sie?
Ich stehe um acht Uhr auf, koche Tee und fahre den Rechner hoch. Ich brauche die Leere am Morgen, das Unbestimmte, noch in keine Richtung gedrängte Gefühl, einen unbeschriebenen Tag. Ich versuche an einer guten Stelle aufzuhören, so dass ich tags darauf nicht vor einem unlösbaren Knoten sitze, sondern leicht wieder ins Schreiben hinein komme. Meist schreibe ich vier Stunden am Tag und das natürlich nur an freien Tagen. Aber auch wenn es nur eine Stunde ist, so brauche ich das Gefühl von Kontinuität.

2. Und wie machen Sie Pause?
Wenn ich merke, dass der Fortgang der Handlung stockt, überarbeite ich bereits geschriebene Stellen. Versuche, einer Szene mehr Details, mehr Tiefe, mehr Atmosphäre zu geben, suche nach passenderen Wörtern, einem bestimmten Klang. Und wenn ich partout merke, dass die Arbeit auch hier nicht voran geht, widme ich mich der Recherche. – Pausen an sich, versuche ich zu vermeiden. Wenn ich anfange, mich etwas anderem zu widmen, komme ich meist nicht mehr in den Schreibprozess hinein. Überall lauern Dinge, die getan werden müssen und einem einreden, dass es Schöneres und Dringlicheres gibt, als geduldig am Schreibtisch zu sitzen 🙂

3. Wie ist es zu Ihrer ersten (größeren literarischen) Veröffentlichung gekommen?
An meinem ersten Roman habe ich fünf Jahre geschrieben. Nach dem Zusenden einer Leseprobe und einem Exposé sowie einer erneuten Überarbeitung (vor allem Kürzung!), die ein weiteres Jahr in Anspruch genommen hat, hat der Otto Müller Verlag in Salzburg „Halber Stein“ 2012 veröffentlicht.

4. Woran erkennen Sie einen guten Text?
Ich gehöre zu den Autorinnen, die sich vorher keinen Plan für einen Text machen. Jede Geschichte fängt mit einem Bild an und der Entscheidung, es festzuhalten. Ich schreibe chronologisch, gehe jedoch immer wieder zurück zu einzelnen Szenen, die Figuren erhalten so nach und nach ihre Tiefe. Es ist, als lerne ich sie im Laufe des Schreibens kennen. Wenn mich meine Figuren überraschen, wenn sie irgendwann ihre Geschichte mitbestimmen, dann ist es ein guter Text.

5. Was bestimmt Ihren Alltag – neben dem Schreiben?
Der Wunsch, möglichst viele Erfahrungen zu machen, etwas von der Welt zu sehen, mit Menschen in Kontakt zu sein – als natürliche Gegenbewegung zur Arbeit an der Plausibilität einer erfundenen Welt.

Iris Wolff, geboren 1977 in Hermannstadt/Siebenbürgen. Studium der Germanistik, Religionswissenschaft und Grafik & Malerei in Marburg an der Lahn. Langjährige Mitarbeiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, 2013 Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg. Neben dem Schreiben ist sie am Kulturamt der Stadt Freiburg im Breisgau tätig. Ihr erster Roman Halber Stein erhielt den Ernst-Habermann-Preis 2014. Im Frühjahr ist ihr drittes Buch „So tun, als ob es regnet – Roman in vier Erzählungen“ im Otto Müller Verlag erschienen.

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