„Wir sollten aufhören, an die Unsterblichkeit zu glauben.“ Schmerzhafte Erkenntnisse und verspielte Auswege bei der Diskussion „Literatur. Markt. Betrieb.“ im Literaturbüro.

Veranstaltet vom Deutschen Seminar und dem Literaturbüro Freiburg trafen sich im Kinosaal des Literaturbüros vier Insider, um über Literaturbetrieb und -markt zu diskutieren.  Die renommierte Autorin Annette Pehnt, der Lyriker und Mitbegründer des Berliner Literaturhauses Lettrétage Tom Bresemann und der Literaturkritiker und Hanser-Lektor Florian Kessler wurden durch kluge Fragen angeregt und moderiert von der Übersetzerin Claudia Dathe. Der Andrang – der Saal war übervoll – zeigte, dass das Thema gerade auch jungen Menschen auf den Nägeln brennt.

Was die Flüchtigkeit von Literaturveröffentlichungen angeht, waren sich die Diskutanten einig: Die „Todesrate“ nicht nur der Event-Literatur auf Festivals oder anderen Literaturveranstaltungen, sondern auch der Literatur zwischen Buchdeckeln hat sich enorm gesteigert. Auf die Frage eines Literaturwissenschaftlers aus dem Publikum, wie der Literaturbetrieb den Universitäten helfen könne, ihre Aufgabe der „Kanonisierung“ wertvoller Literatur zu erfüllen, brachte Annette Pehnt es auf den Punkt: „Wir sollten aufhören, an die Unsterblichkeit zu glauben.“

Unterschiede gab es eher in der Einschätzung, wie problematisch diese Entwicklung zu sehen ist. Während Pehnt betonte, dass die Autoren-Existenz die Sicherheit einer konstanten Öffentlichkeit brauche, berichtete Bresemann begeistert von einer Lesereise quer durch die Dörfer, auf der für ihn der Sinn des Schreibens ganz neu erfahrbar wurde: in der Begegnung zwischen höchst verschiedenen Menschen auf Augenhöhe.  Auch Kessler zeigte sich bei aller Klage über die Konzentration des Buchmarktes, die Macht der Agenten und die schockierende Verarmung des Literaturlebens in Ländern wie Italien letztlich zuversichtlich. Neben den Giganten entwickelten sich gerade in Deutschland so viele Nischenkulturen, lebendige, frische Bewegungen, die den Hang der Literatur zum Elitären aufbrächen. Dennoch wollte auch er die „Brutalität“ des Marktes nicht leugnen, die wenig medienwirksame Personen, Themen und Veranstaltungen gnadenlos unter den Tisch fallen lässt. Dabei steigert sich der Zwang zur (Selbst-)Inszenierung oft ins Absurde. „Man muss als Autorin heute ein Ausnahmeerlebnis bieten“, formulierte Pehnt. Wer „einfach nur freundlich und normal daherkommt“, habe es schwer, wahrgenommen zu werden.

 

 

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